Software-Aktien erholen sich: Was Anleger jetzt wissen müssen
Cybersicherheits- und Softwareaktien schließen sich der Marktrally an – und liefern eine klassische Lektion für geduldige Anleger.

Aktien aus den Bereichen Cybersicherheit und Unternehmenssoftware gehörten im Jahr 2026 zu den größten Sorgenkindern des Marktes. Die Angst, dass Künstliche Intelligenz (KI) zahlreiche Softwareunternehmen verdrängen könnte, dominierte das Narrativ und drückte die Kurse tief ins Minus. Doch in der vergangenen Woche vollzog sich eine bemerkenswerte Wende: Der Sektor beendete eine brutale Verlustserie und schloss sich der breiteren Marktrally an, bei der der Dow Jones Industrial Average und der S&P 500 sämtliche Verluste aus dem US-Iran-Krieg wettmachten.
Christian Magoon, CEO von Amplify ETFs, brachte es auf den Punkt: Cybersicherheit sei „ein Opfer einiger KI-bezogener Schlagzeilen" geworden. Als konkretes Beispiel dient <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft, dessen Aktie im Jahresverlauf zeitweise fast 20 Prozent im Minus lag – in der vergangenen Woche legte sie jedoch um starke 13 Prozent zu. Ähnliche Erholungsbewegungen zeigten sich quer durch den gesamten Softwaresektor.
Umschichtung in KI-Infrastruktur belastete Software-Aktien
Ein wesentlicher Treiber für die vorangegangenen Kursverluste war laut Magoon eine Umschichtung innerhalb des Technologiesektors. Anleger zogen Kapital aus Softwareunternehmen ab und investierten stattdessen in KI-Infrastruktur, Halbleiter und andere Large-Cap-Tech-Werte. Da Cybersicherheits-ETFs stark in Softwareunternehmen gewichtet sind, blieben sie zurück – obwohl diese Unternehmen auf fundamentaler Basis weiter wuchsen.
Brent Thill, Technologieanalyst bei Jefferies, erklärte letzte Woche, dass das Schlimmste für Software-Aktien vorbei sein könnte. „Ich denke, die Vorstellung, dass Software tot ist und Anthropic und OpenAI die gesamte Branche vernichten werden, ist schlichtweg übertrieben", sagte er bei CNBC. Die Wall Street zeigt sich angesichts der niedrigeren Kursniveaus nun wieder optimistischer.
Die Zahlen der vergangenen Woche sprechen eine deutliche Sprache: Der Global X Cybersecurity ETF (BUG) legte in nur einer Woche um 12 Prozent zu, liegt aber seit Jahresbeginn noch immer rund 12 Prozent im Minus. Zu den Top-Positionen des ETF gehören Palo Alto Networks, Fortinet, Akamai Technologies und CrowdStrike. Der First Trust NASDAQ Cybersecurity ETF (CIBR) verzeichnet im Jahresverlauf ein Minus von 6 Prozent, gewann in der letzten Woche jedoch 9 Prozent hinzu.
Palo Alto Networks und CrowdStrike mit Kurssprüngen
Einzelne Titel zeigten besonders starke Bewegungen. Rob Owens, Analyst bei Piper Sandler, bekräftigte seine Einstufung „Overweight" für Palo Alto Networks – die Aktie sprang daraufhin um 7 Prozent, liegt im Jahresvergleich aber noch etwa 6 Prozent im Minus. Ähnliche Erholungsbewegungen verzeichnete auch Wettbewerber CrowdStrike.
Magoon wies zudem auf einen strukturellen Faktor hin: Die Erwartungen im Bereich Cybersicherheit seien möglicherweise zu hoch angesetzt gewesen. Aufgrund eines sogenannten „Crowding-Effekts" – also einer zu starken Konzentration von Anlegergeldern in bestimmten Titeln – reichten solide Ergebnisse nicht aus, um die Kurse weiter nach oben zu treiben. Dieser Effekt kehrt sich nun um.
KI als Chance und Risiko zugleich
KI bringe für den Cybersicherheitssektor sowohl Chancen als auch Unsicherheiten mit sich, betonte Magoon. Einerseits erhöhe KI die Nachfrage nach Sicherheitslösungen, andererseits schaffe sie neuen Wettbewerb. „Ich denke, in einer KI-getriebenen Welt ist der Rücksetzer eine gute Kaufgelegenheit", sagte er – insbesondere weil die gestiegenen Risiken für Unternehmen zu mehr Fusionen und Übernahmen (M&A) im Cybersicherheitssektor führen könnten, wovon die Aktien profitieren dürften.
Dennoch raten Experten zu Vorsicht. Thill geht davon aus, dass Anleger bei Software vorerst untergewichtet bleiben werden. Magoon warnt zudem, dass selektive Käufe bei gefallenen Kursen mit dem Risiko eines potenziell größeren Markteinbruchs im weiteren Verlauf des Jahres 2026 rechnen müssen. Historisch gesehen sind Jahre mit US-Zwischenwahlen (Midterm Elections) oft von starken Kursrückgängen geprägt. „Wenn Sie glauben, dass es jetzt schlimm ist, könnte es noch viel schlimmer kommen", warnte Magoon.
Klassische Lektion für geduldige Anleger
Das Auf und Ab im Jahr 2026 liefert nach Einschätzung von Magoon eine zeitlose Botschaft für Investoren. „Die Werte mit der besten Performance sind oft diejenigen, die am wenigsten gekauft werden, und sie schneiden in den folgenden 12 Monaten am besten ab – im Gegensatz zum späten Aufspringen auf einen Trend", sagte er. Ein Stimmungsumschwung könne ein hervorragender Indikator sein.
Als weiteres Beispiel nannte Magoon den Energiesektor: Im vergangenen Jahr lag der Anteil institutioneller Anleger dort auf einem Mehrjahrestief – und der Sektor entwickelte sich zum größten Gewinner des Jahres. Für Anleger mit einem längerfristigen Horizont, die keine kurzfristige Liquidität benötigen, lautet sein Rat daher klar: „Bleiben Sie am Ball." Nach dem Ende von Kursrückgängen in Zwischenwahljahren verzeichnete der Markt historisch gesehen oft sehr starke 12-Monats-Renditen – ein Lichtblick für geduldige Investoren.
