Sinkender Auftragsstau in der deutschen Industrie
Allerdings verzeichnen die Unternehmen auch einen Rückgang der Aufträge

Der Auftragsstau in der deutschen Industrie nimmt ab, da die Lieferketten wieder besser funktionieren. Allerdings verzeichnen die Unternehmen auch einen Rückgang der Aufträge.
Im März verringerte sich der Auftragsbestand in der deutschen Industrie um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Dieser Rückgang von 1,0 Prozent im gesamten ersten Quartal gegenüber dem Vorquartal stellt den stärksten Rückgang seit Januar 2019 dar.
Obwohl die Auftragsbücher in der deutschen Industrie derzeit so voll sind wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2015, werden die Betriebe noch viele Monate brauchen, um die Aufträge vollständig abzuarbeiten.
Das Neugeschäft in der Industrie ist im März drastisch eingebrochen, nämlich um 10,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Ein solch starker Rückgang wurde zuletzt im April 2020 zu Beginn der Corona-Pandemie verzeichnet.
Besonders die Autobranche verzeichnete einen deutlichen Rückgang der Auftragsbestände, nämlich um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Die Hersteller von Kraftwagen und Kraftwagenteilen hatten lange Zeit mit Materialengpässen zu kämpfen, insbesondere bei Halbleitern. Durch eine verbesserte Versorgung können die Bestellungen nun schneller abgearbeitet werden, wodurch sich der Auftragsstau verringert. Im Gegensatz dazu stiegen die Bestände bei den Herstellern von Metallerzeugnissen um 2,5 Prozent.
Im März haben deutsche Betriebe ihre Produktion deutlich gedrosselt. Gleichzeitig ist auch die Reichweite des Auftragsbestands leicht gesunken. Die Reichweite gibt an, wie viele Monate die Betriebe theoretisch produzieren müssten, um die vorhandenen Bestellungen ohne neue Aufträge abzuarbeiten. Im März lag die Reichweite bei 7,4 Monaten im Vergleich zu 7,5 Monaten im Februar.
Bei den Herstellern von Investitionsgütern wie Maschinen und Fahrzeugen sank die Reichweite von 10,7 auf 10,5 Monate. Bei den Produzenten von Vorleistungsgütern blieb sie mit 3,8 Monaten unverändert. Bei den Konsumgüterherstellern stieg die Reichweite leicht von 3,5 auf 3,6 Monate an.
Neben den verbesserten Lieferketten sind auch die insgesamt gesunkenen Aufträge für die deutsche Industrie ein Grund für den geringeren Auftragsstau. Während es im Februar noch ein starkes Auftragsplus von 4,5 Prozent gab, gingen die Bestellungen im März sowohl im Inland um 6,8 Prozent als auch im Ausland um 13,3 Prozent zurück.
Experten kommentieren den Einbruch der Auftragseingänge im März und zeigen sich skeptisch für die Zukunft. Jörg Krämer, Chefökonom der Commerzbank, betonte, dass die Aufträge ihren Abwärtstrend wieder aufgenommen haben und dass sich möglicherweise eine Rezession abzeichnet. Auch Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, äußerte sich pessimistisch und warnte vor einer bevorstehenden Konjunkturabschwächung. Insbesondere die gestiegenen Zinsen in vielen Regionen der Welt könnten die Nachfrage nach deutschen Produkten dämpfen und das Bruttoinlandsprodukt schrumpfen lassen.
Trotz einiger Bedenken gibt es jedoch auch optimistische Stimmen. Das Bundeswirtschaftsministerium zeigt sich aufgrund einer positiven Stimmung in den Unternehmen zuversichtlich und spricht von einer möglichen konjunkturellen Erholung im weiteren Verlauf des Jahres 2023.
Während die Klagen der Industriebetriebe über Probleme bei der Beschaffung von Rohstoffen und Vorprodukten im April den siebten Monat in Folge abgenommen haben, kämpfen die meisten Lebensmittel-Einzelhändler immer noch mit Lieferengpässen.
