Shelly Group unterstützt Schneider-Übernahmeangebot von 70 Euro je Aktie
Der bulgarische Smart-Home-Hersteller Shelly Group befürwortet das freiwillige Übernahmeangebot von Schneider Electric über 70 Euro pro Aktie.

Der bulgarische Smart-Home-Spezialist Shelly Group hat am Mittwoch bekannt gegeben, dass er bereit ist, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot in Höhe von 70 Euro pro Aktie zu unterstützen. Auf dieser Basis beläuft sich der Unternehmenswert nach Angaben von Bloomberg auf rund 1,27 Milliarden Euro. Damit steht ein französischer Industriekonzern im Zentrum einer Transaktion im europäischen Markt für vernetzte Haustechnik.
Das Angebot soll von einer Tochtergesellschaft ausgehen, die mittelbar vollständig im Besitz von Schneider Electric ist. Die Investitionsvereinbarung sieht vor, dass diese Tochter das Angebot unter zwei Bedingungen startet: Mindestens 95 Prozent der ausgegebenen Aktien von Shelly müssen erworben werden, und die erforderlichen behördlichen Genehmigungen müssen vorliegen. Beide Kriterien sind damit Voraussetzung dafür, dass die Transaktion überhaupt zustande kommt.
Noch ist das Angebot nicht bei der bulgarischen Finanzaufsichtsbehörde, der Financial Supervision Commission, registriert. Diese Behörde kann die Veröffentlichung des Angebots aussetzen oder untersagen. Der Vorstand von Shelly hat nach eigenen Angaben den vorläufigen Eindruck gewonnen, dass das Angebot im Interesse des Unternehmens, der Aktionäre, der Mitarbeiter und anderer Stakeholder liegt.
Die Details
Im Zentrum der Transaktion steht das Produktportfolio von Shelly. Der bulgarische Hersteller ist auf Smart-Home-Geräte spezialisiert, darunter Sensoren, Beleuchtungsprodukte und vernetzte Steckdosen. Schneider Electric würde mit der Übernahme Zugang zu diesem Portfolio erhalten und damit seine EcoStruxure-IoT-Plattform erweitern. Nach Angaben des Konzerns wird diese Plattform weltweit an etwa 480.000 Standorten eingesetzt.
Der Kaufpreis von 70 Euro je Aktie bezieht sich auf ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot, also ein Angebot an alle Aktionäre, ihre Anteile zu einem festgelegten Preis zu verkaufen. Die Bewertung von rund 1,27 Milliarden Euro für das Gesamtunternehmen stammt aus einem Bericht von Bloomberg. Für Schneider Electric wäre die Transaktion eine Ergänzung des bestehenden Geschäfts im Bereich vernetzter Gebäudetechnik und der IoT-Plattform EcoStruxure.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 10.03.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Investmentbank J. P. Morgan europäische Unternehmen aus dem Elektrifizierungssektor als besonders gut positionierte Industriewerte identifiziert hat. Als zentrale Wachstumstreiber nannte die Bank starke Preismacht, wiederkehrende Nachfrage und langfristige Investitionen in die Elektrifizierungsinfrastruktur; Netzmodernisierung, Energiewende und steigender Stromverbrauch gelten demnach als strukturelle Rückenwinde für den gesamten Sektor. Besonders im Fokus stand dabei Schneider Electric, das J. P. Morgan als einen der stärksten Akteure im Bereich Elektrifizierung hervorhob.
Am 26.02.2026 meldete aktien.news, dass Schneider Electric im vierten Quartal 2025 die Erwartungen der Analysten übertroffen hat. Der Umsatz stieg organisch um 10,7 Prozent auf 11,10 Milliarden Euro – gegenüber der Analystenprognose von 10,90 Milliarden Euro. Das bereinigte EBITA für das Gesamtjahr erreichte 7,52 Milliarden Euro und lag damit ebenfalls über dem Konsens von 7,48 Milliarden Euro. Treiber des Wachstums war vor allem das Rechenzentrum-Segment, in dem Schneider ein dreistelliges Nachfragewachstum im Jahresvergleich verzeichnete.
Am 04.06.2026 berichtete aktien.news über die Emission von Wandelanleihen durch Schneider Electric im Wert von 800 Millionen Euro, rund 930 Millionen US-Dollar. Der französische Energiekonzern startete die Transaktion an einem Donnerstag und setzte damit auf die starke Kursentwicklung der eigenen Aktie, die zuletzt auf ein Rekordhoch gestiegen war. Die neuen Wandelanleihen haben eine Laufzeit bis 2034.
Ein weiterer Vergleichsfall aus dem Archiv: Am 04.02.2026 schoss die Aktie von Silicon Laboratories um 51 Prozent in die Höhe, nachdem Texas Instruments die Übernahme des Wireless-Technologieunternehmens offiziell bestätigt hatte. Der Chipriese zahlte 231 Dollar pro Aktie in bar, was einem Gesamtwert von rund 7,5 Milliarden Dollar entspricht. Die Verwaltungsräte beider Unternehmen genehmigten die Vereinbarung einstimmig.
Was das für Anleger bedeutet
Für Aktionäre der Shelly Group ist der Angebotspreis von 70 Euro je Aktie die zentrale Kennzahl. Entscheidend ist jedoch, dass das Angebot noch nicht bei der bulgarischen Financial Supervision Commission registriert ist und die Behörde die Veröffentlichung aussetzen oder untersagen kann. Zudem steht die Transaktion unter der Bedingung, dass mindestens 95 Prozent der ausgegebenen Aktien erworben werden – eine hohe Schwelle, die die Struktur des Angebots prägt.
Der Vorstand hat bislang nur einen vorläufigen Eindruck formuliert, wonach das Angebot im Interesse des Unternehmens, der Aktionäre, der Mitarbeiter und anderer Stakeholder liegt. Ein formelles Angebot lag zum Zeitpunkt der Meldung noch nicht vor. Anleger sollten daher die weiteren behördlichen Schritte und die offizielle Registrierung des Angebots verfolgen.
Für Anleger, die Schneider Electric halten, ist die Transaktion im Kontext der jüngsten Geschäftsentwicklung zu sehen: Der Konzern wächst im Rechenzentrumsgeschäft stark und wurde von J. P. Morgan als einer der stärksten Akteure im Elektrifizierungssektor hervorgehoben. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Bloomberg News hatte im Juli berichtet, dass sich die Unternehmen in Verhandlungen befinden. Am Mittwochmorgen erklärte Bloomberg, dass ein formelles Angebot bereits diese Woche folgen könnte. Offen ist, wann die bulgarische Financial Supervision Commission über die Registrierung entscheidet und ob sie die Veröffentlichung aussetzt oder untersagt.
Klar ist: Ohne die erforderlichen behördlichen Genehmigungen und ohne das Erreichen der 95-Prozent-Schwelle startet das Angebot nicht. Weitere Termine oder Zeitpläne nannte das Unternehmen nicht.
Kurz erklärt
- Freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot: Ein Angebot an alle Aktionäre einer Gesellschaft, ihre Anteile zu einem festgelegten Preis zu verkaufen, ohne dass eine gesetzliche Pflicht dazu besteht.
- Mindestannahmeschwelle: Der Anteil der ausgegebenen Aktien, der mindestens erworben werden muss, damit eine Übernahme zustande kommt.
- Wandelanleihe: Ein festverzinsliches Wertpapier, das dem Inhaber das Recht einräumt, die Anleihe zu einem vorab festgelegten Preis in Aktien des Unternehmens umzutauschen.
