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Shein verklagt Temu wegen Urheberrechtsverletzungen in London

Vor dem Londoner High Court streiten die Fast-Fashion-Rivalen Shein und Temu um Urheberrechte, Wettbewerb und Marktmacht.

2 Min
Shein verklagt Temu wegen Urheberrechtsverletzungen in London

Die Online-Fast-Fashion-Plattform Shein hat ihren Konkurrenten Temu vor dem Londoner High Court wegen Urheberrechtsverletzungen „in industriellem Ausmaß" verklagt. Der Prozess begann am Montag und ist Teil einer weltweiten juristischen Auseinandersetzung zwischen den beiden schnell wachsenden Rivalen. Das Verfahren könnte weitreichende Auswirkungen auf Plattformpraktiken, Lieferantenbeziehungen und die Durchsetzung von Rechten an geistigem Eigentum im globalen E-Commerce haben.

Shein wirft Temu vor, Tausende seiner Produktfotos genutzt zu haben, um Kopien von Sheins Eigenmarken-Kleidung auf der eigenen Website zu bewerben. Damit habe Temu versucht, als Trittbrettfahrer von einem etablierteren Wettbewerber zu profitieren. „Dies war ein Versuch, einem bestehenden Marktteilnehmer zuvorzukommen, und Temu hat nach unserer Auffassung versucht, sich einen unfairen Vorteil zu verschaffen", sagte Sheins Anwalt Benet Brandreth vor Gericht.

Temu weist die Vorwürfe entschieden zurück. Ein Unternehmenssprecher erklärte, der High Court habe im April bereits in Bezug auf 15 von 20 beispielhaften Produktangeboten zugunsten von Temu entschieden, nachdem Shein diesen Teil seiner Klage zurückgezogen hatte. Temu gehört zum chinesischen Konzern PDD Holdings und ist in den vergangenen Jahren rasant in internationale Märkte expandiert.

Temu gibt Verteidigung bei fast 2.300 Fotos auf

Sheins Anwalt Brandreth erklärte vor Gericht, Temu habe die Verteidigung gegen Sheins Urheberrechtsansprüche in Bezug auf fast 2.300 von Shein-Mitarbeitern aufgenommene Fotos aufgegeben. Er verglich dieses Vorgehen damit, dass „der Angeklagte abwartet, ob die Zeugen erscheinen, nur um sich dann schuldig zu bekennen" – eine scharfe Formulierung, die die Schwere der Vorwürfe unterstreicht.

Temu hat seinerseits Widerklage eingereicht und fordert Schadensersatz. Hintergrund ist, dass das Unternehmen Tausende von Produktangeboten entfernen musste, nachdem Shein eine einstweilige Verfügung erwirkt hatte. Darüber hinaus wirft Temu Shein vor, gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen zu haben, indem Fast-Fashion-Lieferanten an Exklusivverträge gebunden worden seien. Dieser Teil des Verfahrens soll allerdings erst im nächsten Jahr verhandelt werden.

Die Anwälte von Temu argumentieren grundsätzlich, dass Sheins Klage kein legitimer Versuch sei, Urheberrechtsverletzungen zu stoppen. Vielmehr ziele das Vorgehen darauf ab, sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern und den Konkurrenten zu unterdrücken. Shein nutze Rechtsstreitigkeiten als Instrument der Marktpolitik, so die Verteidigung.

Globaler Rechtsstreit vor regulatorischem Hintergrund

Der zweiwöchige Prozess in London ist die jüngste Eskalation in einem weltweiten Rechtsstreit: Shein und Temu haben sich auch in den USA gegenseitig verklagt. Das Verfahren findet zudem vor dem Hintergrund einer verschärften regulatorischen Aufsicht statt, die beide Unternehmen unter Druck setzt.

Für das Geschäftsmodell beider Plattformen besonders relevant ist die Abschaffung einer US-Zollbefreiung für geringwertige E-Commerce-Pakete. Diese Regelung, die sogenannte De-minimis-Ausnahme, ermöglichte es bislang, Kleinsendungen zollfrei in die USA einzuführen – ein entscheidender Kostenvorteil für chinesische Versandhändler. Die Europäische Union plant, eine vergleichbare Regelung im Juli abzuschaffen, was das Wachstum beider Unternehmen in Europa belasten könnte.

Shein und Temu haben in den vergangenen Jahren mit extrem preisgünstiger Kleidung, Accessoires und Gadgets internationale Märkte im Sturm erobert. Der Londoner Prozess zeigt, wie intensiv der Wettbewerb zwischen den beiden Giganten der Fast-Fashion-Branche geworden ist – und dass dieser Kampf längst nicht mehr nur um Kunden, sondern auch vor Gericht ausgetragen wird.

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