Selenskyj reist nach Großbritannien für Gespräche über neue Unterstützung
Der britische Premierminister Andy Burnham empfängt den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, um weitere Sanktionen und militärische Unterstützung zuzusagen.

Der britische Premierminister Andy Burnham wird den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj empfangen. Das geht aus der aktuellen Ausgabe des CNBC-Newsletters „Daily Open" hervor, die Autorin Justina Lee aus Singapur verfasst hat. Im Zentrum des Treffens steht die Zusage weiterer Unterstützung für die Ukraine, während europäische Führungspersönlichkeiten zusammenrücken, um Unterstützung für das Land zu signalisieren.
Berichten zufolge wird Selenskyj am Freitag, dem zweiten Tag des Gipfels des Europäischen Rates, mit EU-Führungskräften zusammentreffen. Es wird erwartet, dass Burnham Selenskyj mitteilt, er habe seine Minister beauftragt, weitere Sanktionen, militärische Unterstützung und fiskalische Pakete zur Bereitstellung dringender Unterstützung in den kommenden Wochen auszuarbeiten.
Der Zeitpunkt des Treffens ist brisant. Nach einem nächtlichen russischen Angriff auf die ukrainische Energieinfrastruktur blieben mindestens 600.000 Menschen in den Regionen Kiew und Charkiw ohne Strom. Parallel dazu sorgte der niederländische Halbleiteranlagenhersteller ASML mit seinem Quartalsergebnis für Schlagzeilen: Der Gewinn im dritten Quartal übertraf alle Erwartungen.
Die Details
ASML, ein Leitindikator für die globale Chipindustrie, legte am Mittwoch seine Ergebnisse für das dritte Quartal vor. Der niederländische Hersteller von Halbleiteranlagen erklärte, dass einige Kunden Interesse daran bekundet haben, Bestellungen für seine kritischen Halbleiterwerkzeuge für die Jahre 2029 und 2030 aufzugeben, da die Nachfrage nach KI-Anwendungen weiterhin robust bleibt. Diese Kommentare dürften Investoren beruhigen, die versuchen, die langfristige Nachfrageprognose für ASMLs Lithografie-Maschinen einzuschätzen.
Auf der anderen Seite des Atlantiks sorgte US-Präsident Donald Trump für Bewegung im Energiegeschäft. Bei einer Kundgebung sagte Trump, Taiwan habe zugestimmt, 30% des Gases aus einem geplanten Flüssigerdgas-Projekt in Alaska zu kaufen, und fügte hinzu, das Abkommen garantiere „Erfolg". Trump übt zunehmend Druck auf Südkorea aus, an dem Projekt teilzunehmen, und warnte zuvor, das Land werde mit höheren Gebühren belegt, und drohte sogar mit einer Verdopplung der Gebühren, falls Seoul nicht bald unterzeichne. Südkoreanische Medien spekulierten, dass Trump damit höhere Zölle meinte.
Die am Mittwoch veröffentlichten neuen Wirtschaftsdaten aus Asien geben Hinweise auf die Wachstumsaussichten der Region. Die Produzentenpreise in China stiegen im September mit ihrem schnellsten Tempo seit über vier Jahren, was auf steigende Kraftstoffpreise zurückzuführen war, die die Kosten für Unternehmen in die Höhe trieben. Daten aus Singapur zeigten, dass das BIP-Wachstum im dritten Quartal auf 5,4% verlangsamt wurde, nachdem es im vorherigen Quartal ein Vierjahres-Hoch erreicht hatte. Ein Rückgang des Industriesektors des Stadtstaats trug zur Verlangsamung bei, was jedoch durch eine Expansion im Bausektor ausgeglichen wurde.
Weitere Meldungen aus der Region: Auf den Philippinen bereitet sich die Zentralbank des Landes auf einen „Godzilla"-El-Niño-Vorfall vor, der die Auswirkungen eines anhaltenden Ölschocks verschärft, während sie versucht, die Inflation von ihren höchsten Werten seit drei Jahren zu zügeln. Der südkoreanische Automobilhersteller Hyundai Motor gab bekannt, bis 2032 eine „strategische" Investition in Höhe von 15,5 Milliarden US-Dollar in Indien zu planen. Das Unternehmen erklärte, Indien sei ein strategischer Kernmarkt für das Wachstum und die Expansionspläne des Unternehmens in Schwellenländern.
An den Ölmärkten stiegen die Preise für Brent und WTI am Mittwoch angesichts von Bedenken bezüglich Versorgungsunterbrechungen, da die Spannungen im Nahen Osten zwischen iranisch unterstützten Huthis und Saudi-Arabien weiter eskalieren. In Washington, D. C., stellte ein Bundesrichter am späten Dienstagabend eine Anweisung aus, die das Weiße Haus unbefristet daran hindert, das von Präsident Donald Trump Mitte September angekündigte Verbot von drei Medien durchzusetzen. Die einstweilige Verfügung von Richter Timothy Kelly erweitert seinen bestehenden Block gegen das Verbot von MS NOW, CNN und Politico durch Trump, das Betreten des Komplexes des Weißen Hauses. Kelly schrieb in einer schriftlichen Begründung, dass die drei Medien wahrscheinlich Erfolg mit ihrer Klage haben werden, die die Verletzung des rechtlichen Gehörs (due process) rügt, da Trump sie summarisch vom Weißen Haus ausgeschlossen habe, ohne ihnen zuvor die Möglichkeit zu geben, dagegen zu argumentieren.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 14.09.2026 berichtete aktien.news, dass Burnham vor einem hochkarätig besetzten Treffen mit den Chefs führender britischer Unternehmen einen grundlegenden „Kulturwandel" in der Wirtschaft des Landes gefordert hatte. Bei dem Treffen in der Downing Street wurden unter anderem die Vorstandsvorsitzenden von BP, Shell, HSBC, Morrisons, Sainsbury's, BT, Vodafone und Rolls-Royce erwartet. Burnham wollte damit ein klares Signal setzen: Die Regierung will enger mit der Wirtschaft zusammenarbeiten und Risikobereitschaft belohnen.
Am 26.09.2026 berichtete aktien.news, dass Burnham die Konferenz der Labour-Partei nutzen wollte, um seine wirtschaftliche Vision darzulegen. Dabei wollte er Optimismus vermitteln – obwohl Großbritannien mit steigender Inflation, hohen Energiekosten und der Aussicht auf höhere Zinsen konfrontiert ist. Burnham, der im Juli das Amt des Premierministers nach seinem Vorgänger Keir Starmer antrat, hielt voraussichtlich am Dienstag die Hauptrede auf der Parteikonferenz. Seine Regierung bereitete zudem einen zehnjährigen Plan für Dezember vor, von dem erwartet wurde, dass er weitere Details zum Wirtschaftsprogramm liefert.
Im Umfeld der Chipbranche berichtete aktien.news bereits am 14.05.2026, dass die europäischen Aktienmärkte überwiegend Kursgewinne verbucht hatten. Anleger verfolgten gespannt den zweitägigen Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping, während Technologiewerte von der anhaltenden KI-Euphorie profitierten. Bis 09:29 Uhr ET (13:29 Uhr GMT) legte der deutsche Leitindex Dax um 1,2 Prozent zu, der europaweite Stoxx 600 stieg um 0,6 Prozent, der französische CAC 40 verbesserte sich um 0,8 Prozent und der britische FTSE 100 gewann 0,4 Prozent hinzu. Technologiewerte wie der niederländische Chipausrüster ASML und der Halbleiterhersteller STMicroelectronics verzeichneten Kursgewinne.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ergeben sich aus den Meldungen mehrere Anknüpfungspunkte. ASML gilt als Leitindikator für die globale Chipindustrie und damit auch für die Stimmung in der europäischen Technologiebranche. Die Aussage, dass Kunden Interesse an Bestellungen für die Jahre 2029 und 2030 bekunden, ist ein Signal für die langfristige Nachfrage nach Lithografie-Maschinen – ein Thema, das Anleger laut CNBC bereits intensiv verfolgen.
Die geopolitischen Spannungen bleiben ein Risikofaktor. Der russische Angriff auf die ukrainische Energieinfrastruktur und die eskalierenden Spannungen im Nahen Osten zwischen iranisch unterstützten Huthis und Saudi-Arabien trieben die Ölpreise für Brent und WTI nach oben. Steigende Ölpreise können die Inflation anheizen und damit die Zinspolitik der Notenbanken beeinflussen.
In Asien deuten die Konjunkturdaten auf eine gemischte Lage hin. Während die chinesischen Produzentenpreise im September mit dem schnellsten Tempo seit über vier Jahren stiegen, verlangsamte sich das BIP-Wachstum Singapurs im dritten Quartal auf 5,4%. Für exportorientierte Unternehmen und Anleger mit Asien-Engagement sind dies wichtige Indikatoren für die Wachstumsaussichten der Region. Hinzu kommt die Ankündigung von Hyundai Motor, bis 2032 eine strategische Investition von 15,5 Milliarden US-Dollar in Indien zu planen – ein Zeichen dafür, wie stark Schwellenländer in den Fokus der Konzerne rücken.
Ausblick
Konkrete Termine stehen bereits fest: Selenskyj wird am Freitag, dem zweiten Tag des Gipfels des Europäischen Rates, mit EU-Führungskräften zusammentreffen. Burnham will dem ukrainischen Präsidenten mitteilen, dass seine Minister weitere Sanktionen, militärische Unterstützung und fiskalische Pakete für die kommenden Wochen ausarbeiten. Hyundai Motor plant bis 2032 eine strategische Investition von 15,5 Milliarden US-Dollar in Indien. Die philippinische Zentralbank bereitet sich auf einen „Godzilla"-El-Niño-Vorfall vor. ASML-Kunden haben Interesse an Bestellungen für die Jahre 2029 und 2030 bekundet.
Kurz erklärt
- Leitindikator: Ein Wert oder Unternehmen, dessen Entwicklung als früher Hinweis auf die Richtung einer ganzen Branche gilt.
- Flüssigerdgas: Gas, das für den Transport auf Schiffen stark abgekühlt und dadurch verflüssigt wird.
- Produzentenpreise: Preise, die Hersteller für ihre Waren erhalten, und ein Frühindikator für die Inflation.
