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Schwellenländeranleihen gewinnen an Bedeutung

Experten sehen Chancen durch wirtschaftliche Umstrukturierungen und Diversifizierung

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Schwellenländeranleihen gewinnen an Bedeutung

Die Konzentration vieler Anleger auf US-Aktien hat in den letzten Wochen zunehmend problematische Entwicklungen gezeigt. Die hohen Bewertungen und die kontinuierlichen Rekorde haben die Gefahr von Rückschlägen erhöht. Experten raten daher zu Diversifizierung, was auch die Verschiebung von Aktien auf Anleihen einschließt. Insbesondere Schwellenländeranleihen gewinnen dabei an Bedeutung. Pramol Dhawan, leitender Schwellenländerexperte der US-Fondsgesellschaft Pimco, betont, dass Schwellenländer nun der größte Markt für Anleiheinvestoren seien, sogar größer als die USA. Trotz ihrer unterbewerteten Marktstellung sind sie fundamental relativ solide.

Diese Einschätzung teilen auch andere Experten. Die Schweizer Bank Pictet sieht in der sich formenden neuen Weltordnung einen Segen für Investoren in Schwellenländeranleihen. JP Morgan hebt hervor, dass das Wachstum der Schwellenländer robust sei und der Abstand zu den entwickelten Ländern über dem historischen Durchschnitt liege. Die Ratingagentur Standard & Poor’s prognostiziert für 2024 eine Beschleunigung in diesen Regionen, weist jedoch auf die politischen Risiken hin, die den weiteren Ausblick beeinträchtigen könnten.

Im Zentrum der aktuellen Entwicklungen steht China. Die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt steht unter dreifachem Druck: Der Niedergang des Immobilienmarkts, der Konkurrenzkampf mit den USA und die steigenden Produktionskosten setzen das Land unter Druck. Diese Probleme eröffnen jedoch Chancen für andere Länder. Die Verlagerung der Produktion aus Kostengründen profitiert insbesondere Vietnam und Indien. Zusätzlich erfolgt eine Umleitung von chinesischen Lieferketten in andere Regionen, wobei Mexiko eine Schlüsselrolle spielt. Dhawan erklärt, dass der Handel zwischen China und den USA zum Teil über Mexiko läuft und sich dies unter der Präsidentschaft von Trump noch verstärken würde.

Ein weiterer Aspekt ist die Vertiefung der Handelsbeziehungen Chinas zu anderen Schwellenländern, wenn Exporte und Kapitalströme aus politischen Gründen gebremst werden. Diese Verlagerungen können zu einer stärkeren wirtschaftlichen Verflechtung und zu mehr Kapitalflüssen in andere Schwellenländer führen. Pictet weist zudem auf einen strukturellen Faktor hin: Die entwickelten Länder werden versuchen, ihre Staatsverschuldung weniger durch Sparen als durch Investitionen und Wachstum zu begrenzen, was rohstoffreichen Schwellenländern zugutekommen sollte. Länder mit wachsender Bevölkerung, wie Indien, profitieren zusätzlich durch eine zukünftige Innovations- und Konsumkraft.

Bei den Investitionen stehen neben Mexiko und Indien auch die Türkei im Fokus. Trotz der langjährigen Turbulenzen unter Präsident Recep Tayyip Erdogan gibt es durch Reformpolitik Fortschritte im Kampf gegen die Inflation. Pramol Dhawan sieht hierin Chancen und betont die Bedeutung guter Beziehungen zu Europa, einer beachtlichen Industrie und gut ausgebildeten Arbeitnehmern. In Osteuropa empfiehlt er Anleihen in lokaler Währung in Polen und Ungarn sowie in Euro in Rumänien und Serbien. Dabei ist zu beachten, dass Anleihen in harter Währung wie Euro und Dollar das Währungsrisiko ausschließen, während Anleihen in lokaler Währung höhere Schwankungen mit geringem Insolvenzrisiko aufweisen.

Für private Anleger sind Hartwährungsanleihen oft einfacher direkt zu kaufen. Ein Einstieg über Fonds, auch in börsengehandelter Form (ETFs), bietet sich an. Ein großer, breit gestreuter ETF für Dollar-Staatsanleihen aus Schwellenregionen ist beispielsweise der „Vanguard USD Emerging Markets Government Bond ETF“.

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