Chinas Zentralbank senkt überraschend die Leitzinsen
Maßnahme soll Immobilienmarkt stützen und Wirtschaftswachstum ankurbeln

Die chinesische Zentralbank hat kürzlich zwei wesentliche Leitzinssätze gesenkt, darunter den fünfjährigen Zins, der entscheidend für die Baufinanzierung ist. Dieser Schritt könnte den für die Wirtschaft wichtigen Immobilienmarkt stützen. Kredite in China sind damit günstiger zu bekommen. Die People's Bank of China (PBOC) hat sowohl den einjährigen Leitzins von 3,45 auf 3,35 Prozent als auch den fünfjährigen Leitzins von 3,95 auf 3,85 Prozent gesenkt. Experten hatten diesen Schritt nicht erwartet, jedoch könnten niedrigere Kreditkosten angesichts der anhaltenden Immobilienkrise und des schwachen Konsums die Wirtschaft ankurbeln.
Die chinesische Wirtschaft hat zuletzt überraschend wenig Wachstum verzeichnet. Der schwache Immobilienmarkt belastet die Wirtschaft zusätzlich. Seit der Corona-Pandemie hat sich der inländische Konsum nicht nachhaltig erholt und auch die Jugendarbeitslosigkeit bleibt hoch. Geopolitische Spannungen, insbesondere mit den USA und zunehmend auch mit der Europäischen Union, erschweren den Außenhandel. Die Zinssenkung soll der schwächelnden Wirtschaft neuen Schub verleihen. Die chinesische Staatsführung hatte bei einer Konferenz der Kommunistischen Partei Lösungen für zentrale wirtschaftliche Probleme, darunter den Immobiliensektor, angekündigt, ohne dabei konkret zu werden.
Die chinesische Baubranche, die lange als Wachstumsmotor galt, steckt in einer tiefen Krise. Der Bauboom der vergangenen Jahrzehnte beruhte hauptsächlich auf Krediten. Viele große Immobilienkonzerne stehen heute vor der Zahlungsunfähigkeit, Projekte bleiben unvollendet und die Preise sind stark gefallen. Der schwache Immobilienmarkt belastet nicht nur Chinas Wirtschaft, sondern auch die globale Wirtschaft. Die Baukrise hat zudem erhebliche Auswirkungen auf die Haushaltslage der Kommunen, die auf einem gigantischen Schuldenberg von umgerechnet 5,6 Billionen Dollar sitzen. Dies wirft Bedenken bezüglich der finanziellen Stabilität des Landes auf.
Die Entscheidung, die Leitzinsen zu senken, wird von einigen Experten als ein Schritt in die richtige Richtung betrachtet. Zhang Zhiwei, Chefökonom von Pinpoint Asset Management, betonte jedoch, dass die Geldpolitik nicht das wichtigste politische Instrument sei und dass es im weiteren Verlauf des Jahres vor allem auf staatliche Unterstützungsmaßnahmen ankommen werde. Die überraschende Zinssenkung führte jedoch auch zu Nervosität an den Finanzmärkten in Asien. Die Börse in Shanghai schloss 1,1 Prozent tiefer.
Laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua sind die Zinssenkungen ein Ausdruck der Entschlossenheit, die Konjunkturerholung zu unterstützen und das Wachstumsziel von rund fünf Prozent für dieses Jahr zu erreichen. Dass die PBOC vor der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen senkte, zeigt laut Experten die Dringlichkeit, mit der die chinesische Regierung den Abwärtsdruck auf die Wirtschaft erkennt. Gary Ng, Ökonom bei der Investmentbank Natixis in Hongkong, wies darauf hin, dass alle zugrundeliegenden Daten auf den Bedarf an niedrigeren Zinsen hinweisen.
