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Saudi Aramco prüft eigenständiges Gasgeschäft mit Bewertung von 100 Milliarden

Der Ölkonzern beauftragt Evercore mit der Beratung einer Umstrukturierung, die eine separate Gassparte und einen möglichen Börsengang vorbereiten könnte.

• 3 Min
Saudi Aramco prüft eigenständiges Gasgeschäft mit Bewertung von 100 Milliarden

Saudi Aramco hat die Investmentbank Evercore mit der Beratung einer umfassenden Umstrukturierung beauftragt. Ziel ist die Schaffung einer eigenständigen Gas-Sparte, die möglicherweise den Weg für eine spätere Börsennotierung dieses Geschäftsbereichs ebnen könnte. Das berichtete Bloomberg News am Samstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Pläne befinden sich laut dem Bericht noch in der Diskussion und könnten sich noch ändern.

Nach Angaben von Bloomberg könnte die neue Gassparte neue Investitionen anziehen. Denkbar wäre schließlich ein Börsengang (IPO) oder der Verkauf einer Minderheitsbeteiligung zu einer Bewertung von mehr als 100 Milliarden US-Dollar. Aramco ist an der saudischen Börse Tadawul unter dem Kürzel 2222 gelistet.

Berater und Projektname

Neben Evercore ist laut dem Bericht auch die Boston Consulting Group an der Umstrukturierung beteiligt. Das Vorhaben läuft demnach unter dem Namen "Project Gamma". Die Berater hätten die Trennung des Gasgeschäfts empfohlen, um Wert freizusetzen. Damit folgt Aramco einem Muster, das Konzerne weltweit nutzen: Die Zusammenfassung verschiedener Sparten unter einem Dach kann Bewertungsabschläge verursachen, weil Investoren einzelne Geschäftsbereiche nur schwer vergleichen können. Eine eigenständige Einheit lässt sich dagegen separat bewerten und – etwa über einen Börsengang – am Kapitalmarkt öffnen.

Milliardenschwere Investitionen in das Gasgeschäft

Der Schritt fällt in eine Phase, in der Aramco sein Gasgeschäft deutlich ausbauen will. Für das Jafurah-Feld und andere Projekte sind Investitionen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar geplant. Das Unternehmen erwartet, dass die Gasproduktion bis 2030 um etwa 80 Prozent steigt.

Aramco strebt bis dahin zusätzliche operative Cashflows aus diesem Geschäftsbereich von bis zu 15 Milliarden US-Dollar an. Diese Größenordnung erklärt, warum der Konzern die Sparte organisatorisch verselbstständigen und für externe Investoren öffnen könnte. Ein eigenständiges Gasgeschäft mit eigenen Kennzahlen würde es Anlegern erleichtern, das Wachstumspotenzial dieses Bereichs unabhängig vom Ölgeschäft zu bewerten.

Auch Verkäufe von Vermögenswerten im Gespräch

Bloomberg berichtete zudem, dass Aramco den Verkauf von Vermögenswerten im Umfang von bis zu 35 Milliarden US-Dollar prüft. Mit den Mitteln sollen Staatsprojekte und Dividenden finanziert werden. Beide Maßnahmen zusammen – die mögliche Verselbstständigung des Gasgeschäfts und der geplante Verkauf von Beteiligungen – deuten darauf hin, dass der Konzern seinen Kapitalbedarf für den Ausbau der Gasproduktion und für Ausschüttungen an die Anteilseigner breit streuen will.

Einordnung für Anleger

Für deutsche Privatanleger ist der Bericht vor allem als Signal zu lesen: Die Pläne sind nicht beschlossen, sondern befinden sich in der Prüfung und können sich ändern. Konkrete Zeitpläne, Bewertungsdetails oder eine endgültige Entscheidung über einen Börsengang nennt der Bericht nicht. Beobachten lässt sich der Prozess über die künftige Berichterstattung von Aramco, über mögliche Mitteilungen des Unternehmens selbst sowie über Aussagen der genannten Berater.

Bemerkenswert ist die Größenordnung: Sollte die Gassparte tatsächlich mit mehr als 100 Milliarden US-Dollar bewertet werden, wäre dies eine der größten Kapitalmarktmaßnahmen im Energiesektor. Der Bericht nennt als Szenarien ausdrücklich den Börsengang oder den Verkauf einer Minderheitsbeteiligung – nicht den vollständigen Verkauf der Sparte. Damit bliebe Aramco weiterhin Eigentümer des Gasgeschäfts und könnte gleichzeitig frisches Kapital einsammeln sowie eine eigene Bewertung für den Bereich etablieren.

Die Kombination aus einem Umstrukturierungsprojekt unter dem Namen "Project Gamma", externen Beratern und einem möglichen Bewertungsrahmen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar zeigt, dass Aramco sein Gasgeschäft strategisch neu aufstellt. Der Ausgang des Vorhabens ist offen. Der entscheidende nächste Schritt wäre eine formelle Entscheidung des Unternehmens – bislang ist davon in dem Bericht nicht die Rede.

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