San Franciscos Bay Area dominiert Finanzierung von Bergbau-Technologie-Start-ups
Eine Studie mit 170 Startups aus 22 Ländern zeigt: Die Bay Area zieht 2,1 Milliarden US-Dollar an, 35 Prozent der Branchenfinanzierung.

Die Bay Area um San Francisco dominiert die globalen Investitionen in Bergbautechnologie. Nach einer Studie, die 170 Startups aus 22 Ländern erfasst, zog die Region 2,1 Milliarden US-Dollar an. Das entspricht 35 Prozent der gesamten in der Untersuchung erfassten Finanzierungen.
Die Daten stammen aus einer Infografik von Alex Aguilar, der als globaler Berater für Innovation im Bergbau tätig ist. Sie zeigt, dass 84 der erfassten Unternehmen seit 2020 gegründet wurden. Der weit überwiegende Teil der untersuchten Startups ist damit jünger als sechs Jahre.
Bei der Zahl der ansässigen Unternehmen liegt die Bay Area mit 13 Startups vorn. Santiago folgt mit zehn Gründungen, Perth mit neun. Diese beiden Standorte zogen zusammen lediglich 92 Millionen US-Dollar an – ein Bruchteil dessen, was allein in Nordkalifornien zusammenkommt.
Fünf Unternehmen vereinen 2,8 Milliarden US-Dollar auf sich
Die Finanzierung konzentriert sich extrem stark auf wenige Firmen. Fünf Unternehmen entfallen zusammen auf 2,8 Milliarden US-Dollar. Angeführt wird diese Gruppe von KoBold Metals mit 1,2 Milliarden US-Dollar, gefolgt von Boston Metal mit 485 Millionen US-Dollar und Mariana Minerals mit 394 Millionen US-Dollar.
Nach Anwendungsfeldern betrachtet, zieht Verarbeitung und Raffination mit 38 Prozent den größten Teil der Mittel an – das sind 2,2 Milliarden US-Dollar. Software für Mine-Betriebsprozesse stellt dagegen mit 54 Unternehmen den größten Anteil an Startups, erhält aber nur 5 Prozent der Finanzierungen. Zwischen der Zahl der gegründeten Firmen und dem zufließenden Kapital klafft damit eine deutliche Lücke.
Bei den Investoren führen die Bergbaukonzerne selbst die Aktivität an. Rio Tinto hat 23 Startups unterstützt, BHP Ventures folgt mit 17 Beteiligungen. Die etablierten Rohstoffunternehmen sind damit die aktivsten Kapitalgeber im jungen Technologiesegment – noch vor klassischen Wagniskapitalgebern.
Australien meldet 33 Ausstiege, während Kanada und die USA mehr Kapital anziehen
Regionale Unterschiede zeigen sich auch bei den Ausstiegen und der Höhe der Venture-Capital-Finanzierung. Australien verzeichnete 33 Ausstiege aus dem Bergbausektor bei Venture-Capital-Finanzierungen in Höhe von 274 Millionen US-Dollar. Kanada kommt auf 25 Ausstiege bei 910 Millionen US-Dollar, die USA auf 13 Ausstiege bei 3,5 Milliarden US-Dollar. Die Zahl der Ausstiege sagt also wenig über das eingesetzte Kapitalvolumen aus.
Besonders auffällig ist das Missverhältnis in Lateinamerika. Die Region beherbergt 29 Startups, zog aber nur 59 Millionen US-Dollar an, was etwa 1 Prozent der gesamten Finanzierungen entspricht. Chile und Peru erzeugen gemeinsam 35 Prozent der weltweiten Kupferproduktion. Die Investitionen in Bergbautechnologie spiegeln diese Rohstoffbedeutung bislang nicht wider.
Bereits am 5. Oktober 2026 berichtete aktien.news über einen Mining-Tech-Accelerator
Bereits am 05.10.2026 berichtete aktien.news, dass der auf Startups spezialisierte Investor Founders Factory und der Bergbaukonzern Rio Tinto die fünfte Cohort ihres gemeinsamen Mining-Tech-Accelerators vorgestellt haben. Die fünf ausgewählten Unternehmen wurden aus mehr als 500 Bewerbungen ausgewählt und sind Teil eines Portfolios, das inzwischen 29 Startups im Bereich Mining Tech umfasst. Das Programm setzt auf Spitzentechnologien wie künstliche Intelligenz, Quantencomputing und Deep Science.
Am 16.10.2026 berichtete aktien.news, dass der Chef von Anglo American, Duncan Wanblad, Gespräche mit Technologieunternehmen bestätigt hat. Diese interessieren sich dafür, Anteile an dem Bergbaukonzern zu erwerben, um sich eine Versorgung mit Metallen zu sichern. Wanblad sagte auf dem Metals and Mining Summit der Financial Times, die Diskussionen würden „absolut geführt“.
Am 25.06.2026 meldete aktien.news, dass Anglo American und der chilenische Staatskonzern Codelco ihre benachbarten Kupferbergwerke Los Bronces und Andina in Chile zusammenführen. Alle erforderlichen kartellrechtlichen und regulatorischen Genehmigungen wurden erteilt. Bereits am 22.05.2026 berichtete aktien.news zudem, dass der Kupferpreisanstieg laut einer Analyse von MINING.COM inzwischen 23 Bergbauminen in den Status sogenannter Unicorns gehoben hat.
Für deutsche Anleger zeigen die Daten strukturelle Verschiebungen im Bergbau
Für deutsche Privatanleger liefern die Zahlen vor allem einen Einblick in die Kapitalströme einer Branche, die sich technologisch neu aufstellt. Auffällig ist die Konzentration: Wenige Unternehmen und eine einzige Region ziehen den Großteil der Mittel an, während rohstoffreiche Gebiete wie Lateinamerika kaum Kapital erhalten. Wer in Bergbauaktien investiert, sollte diese geografische und technologische Schieflage kennen.
Relevant ist auch die Rolle der großen Konzerne. Wenn Rio Tinto 23 Startups unterstützt und Anglo American nach früheren Berichten mit Technologieunternehmen über Beteiligungen spricht, verschiebt sich die Wertschöpfung zunehmend in Richtung Software, Verarbeitung und Raffination. Anleger können diese Entwicklungen über die Aktien der beteiligten Konzerne verfolgen; eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf ist damit nicht verbunden.
Bemerkenswert ist zudem die Struktur der Finanzierung. Der größte Teil des Kapitals fließt in Verarbeitung und Raffination, also in Bereiche mit hohem Kapitalbedarf und langer Vorlaufzeit. Die softwarelastigen Geschäftsmodelle mit den meisten Gründungen erhalten dagegen nur einen Bruchteil der Mittel. Diese Verteilung dürfte die weitere Konsolidierung der Branche mitbestimmen.
Der Fokus dürfte weiter auf Verarbeitung und Raffination liegen
Die Studie zeigt, dass Verarbeitung und Raffination bereits 38 Prozent der Mittel auf sich vereinen. Ob sich dieser Trend fortsetzt, hängt auch vom Kapital der Bergbaukonzerne ab, die aktuell die Investitionstätigkeit anführen. Konkrete Termine oder Prognosen für die nächsten Erhebungen nennt die Quelle nicht.
Offen bleibt auch, ob die Lücke zwischen Rohstoffproduktion und Technologieinvestitionen in Lateinamerika kleiner wird. Die Quelle liefert dafür keine Anhaltspunkte. Ebenso unklar ist, ob die hohe Konzentration auf die Bay Area und wenige große Finanzierungsrunden bestehen bleibt.
Drei Fachbegriffe erleichtern das Verständnis der Bergbau-Finanzierung
- Venture Capital: Wagniskapital, das Investoren jungen, nicht börsengelisteten Unternehmen gegen Unternehmensanteile bereitstellen.
- Accelerator: Ein Förderprogramm, das junge Unternehmen über einen begrenzten Zeitraum mit Kapital, Mentoring und Netzwerk unterstützt.
- Raffination: Die Weiterverarbeitung von Rohmetallen zu reineren und höherwertigen Produkten.
