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Samsung: Gewinnplus verlangsamt sich, Chip-Marge bleibt stabil

Samsung Electronics dürfte im dritten Quartal fast neunmal mehr operativen Gewinn erzielen, doch das Tempo der Chip-Preiserhöhungen lässt nach.

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Samsung: Gewinnplus verlangsamt sich, Chip-Marge bleibt stabil

Samsung Electronics wird nach Einschätzung von Analysten im dritten Quartal einen operativen Gewinn von 106,1 Billionen Won ausweisen – umgerechnet rund 79,1 Milliarden US-Dollar. Das wäre ein fast neunmal höherer Wert als im Vorjahreszeitraum, in dem der südkoreanische Technologieriese 12,17 Billionen Won erwirtschaftete. Die vorläufigen Zahlen für den Zeitraum Juli bis September will Samsung am Donnerstag bekannt geben, detaillierte Daten folgen Ende Oktober.

Die LSEG-SmartEstimate, die auf Prognosen von 21 Analysten basiert und stärker jene mit nachweislich besseren Ergebnissen gewichtet, wurde seit Ende August um 7,7 Prozent gekürzt. Analysten haben ihre Prognosen damit um nahezu 8 Prozent gesenkt. Für Samsung wäre es das vierte Quartal in Folge mit einem Rekordbetriebsergebnis.

Hinter dem Ergebnis steht ein anhaltender Mangel an Speicherchips, weil die Nachfrage nach KI-Infrastruktur das Angebotswachstum übertrifft. Chip-Hersteller erwarten, dass der Engpass, der vor mehr als einem Jahr begann, auch ins nächste Jahr und möglicherweise bis 2028 andauert. Allerdings verlangsamt sich das Tempo der Preiserhöhungen im dritten Quartal – was Bedenken schürt, dass die Chip-Margen ihren Höhepunkt erreicht haben könnten, und die Nachhaltigkeit des Booms bei den KI-Ausgaben infrage stellt.

Die Details

Die Dämpfung der Speicherpreise wird von Investoren aufmerksam beobachtet. Ein mehr als einjähriger Aufschwung, befeuert durch die KI-getriebene Nachfrage, hatte die weltweit größten Speicherproduzenten Samsung, SK Hynix und Micron zu Rekordgewinnen und -margen getrieben. Höhere Chip-Preise haben zugleich die Kosten für Smartphones und Unterhaltungselektronik in die Höhe getrieben, was die Nachfrage belastet. Langfristige Lieferverträge zwischen Chip-Herstellern und Kunden haben die Preissteigerungen begrenzt – im Austausch gegen garantierte Liefermengen.

TrendForce erwartet, dass die Vertragspreise für herkömmliche DRAM im vierten Quartal im Vergleich zum vorangegangenen Quartal um 10 bis 15 Prozent steigen. Das wäre eine deutliche Verlangsamung gegenüber dem starken Anstieg im zweiten Quartal von rund 60 Prozent. „Obwohl der Markt weiterhin von einer engen Versorgungssituation geprägt ist, wird erwartet, dass sich das Tempo des Preiswachstums verlangsamt“, sagte Avril Wu, Senior Vice President für Forschung. Lieferanten seien besorgt über weitere steile Preiserhöhungen, die die Nachfrage in einem breiten Spektrum an Unterhaltungselektronik beeinträchtigen könnten, fügte Wu hinzu. „Zudem machen langfristige Vereinbarungen einen zunehmend höheren Anteil der gesamten Produktion der Lieferanten aus. Da Deckelungsmechanismen für die Preise eingebaut sind, hat sich die Rate der Preiserhöhungen verlangsamt.“

Im Juli hatte Samsung erklärt, langfristig angelegte Verträge abzuschließen, die etwa zwei Drittel seiner Speicherproduktion abdecken. Damit schloss sich das Unternehmen Konkurrenten an, die versuchen, ihre Exposition gegenüber den Boom-und-Bust-Zyklen der Branche zu reduzieren. Der US-Konkurrent Micron sagte, der Chipmarkt könnte im Jahr 2027 und 2028 enger sein als in diesem Jahr, erwartet jedoch, dass seine Bruttomarge im aktuellen Quartal von 87 Prozent auf 86,3 Prozent sinkt – teilweise aufgrund von Personalkosten.

Die operative Gewinnmarge von Samsung im Speicherchip-Geschäft wird im dritten Quartal voraussichtlich 76 Prozent erreichen, unverändert gegenüber dem vorangegangenen Quartal. Das zeigen Schätzungen des SK-Securities-Analysten Han Dong-hee. Das Unternehmen sieht sich zudem wachsender Konkurrenz durch chinesische Rivalen gegenüber, die zwar noch auf Produkte der unteren Preisklasse konzentriert sind, aber vom KI-getriebenen Speicherengpass profitieren. „Unsere Branchenchecks deuten darauf hin, dass eine zunehmende Anzahl von OEMs und ODMs chinesische DRAM- und NAND-Chips übernehmen“, sagte Kinngai Chan, Senior Research Analyst bei Summit Insights Group, in einem Bericht.

Währungsschwankungen sind ein weiterer Gegenwind. Der Won stärkte sich im dritten Quartal um 14,3 Prozent gegenüber dem Dollar und erholte sich scharf von seinen Tiefs vor 17 Jahren – der größte Quartalsgewinn seit Anfang 1998. Ein stärkerer Won reduziert den Wert der ausländischen Gewinne bei der Rückführung ins Inland. Die Samsung-Aktien sind seit einem Rekord im Juni um etwa 25 Prozent gefallen, liegen aber immer noch mehr als doppelt so hoch wie zu Jahresbeginn.

Es wird erwartet, dass das Unternehmen den Verkauf von High-Bandwidth-Memory-Chips (HBM), einer kritischen Komponente für KI-Rechenzentren, ankurbelt, während es die Lücke zum Marktführer SK Hynix schließt. Samsung war bei der Lieferung von HBM-Chips hinterhergehinkt, nachdem es Verzögerungen bei der Qualifizierung von Produkten für Nvidia gegeben hatte. In diesem Jahr konnte das Unternehmen jedoch Boden gutmachen, indem es die Lieferungen seiner neuesten HBM4-Chips ausweitete. Sein Marktanteil im HBM-Bereich wird laut Schätzungen von J. P. Morgan in diesem Jahr von 20 Prozent im Vorjahr auf 34 Prozent steigen, während der Anteil von SK Hynix von 60 Prozent auf 46 Prozent prognostiziert wird.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 7. April 2026 berichtete aktien.news, dass Samsung für das erste Quartal 2025 einen operativen Gewinn von 57,2 Billionen Won prognostiziert hatte – umgerechnet rund 37,92 Milliarden US-Dollar. Das entsprach einem mehr als achtfachen Anstieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum, in dem der Konzern lediglich 6,69 Billionen Won erwirtschaftete. Die LSEG-SmartEstimate hatte damals nur 40,6 Billionen Won vorhergesagt; die tatsächliche Prognose lag rund 41 Prozent über dem Konsensus der Marktbeobachter.

Am 7. Juli 2026 meldete aktien.news ein vorläufiges Betriebsergebnis von 89,4 Billionen Won (umgerechnet rund 58 Milliarden US-Dollar) für das zweite Quartal 2026 – ein Anstieg um das 19-Fache im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und rund 6 Prozent über den Analystenprognosen. Trotzdem verlor die Samsung-Aktie in Seoul mehr als 10 Prozent an Wert und zog den südkoreanischen Leitindex Kospi so stark nach unten, dass eine kurze Handelsunterbrechung durch einen automatischen Kursstopp ausgelöst wurde.

Am 8. Juli 2026 berichtete aktien.news, dass Chip-Aktien trotz des massiven Gewinnsprungs unter Druck standen. Micron und andere Halbleiterwerte gaben nach, obwohl Samsung die Erwartungen deutlich übertroffen hatte. Die Entkopplung von starken Fundamentaldaten und Kursentwicklung sorgte an den Märkten für Aufmerksamkeit. Für das zweite Quartal 2026 nannte der Bericht einen vorläufigen operativen Gewinn von 89,4 Billionen Won, umgerechnet rund 59 Milliarden US-Dollar, und einen Anstieg von mehr als 1.800 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit 4,7 Billionen Won.

Was das für Anleger bedeutet

Die Zahlen zeigen ein Muster, das deutsche Privatanleger kennen sollten: Rekordgewinne allein sind kein Kurstreiber. Bereits im Juli reagierte der Markt auf ein starkes Ergebnis mit Verkäufen. Nun deuten mehrere Signale auf eine Normalisierung hin – die Analystenprognosen wurden seit Ende August um 7,7 Prozent gesenkt, die DRAM-Preissteigerungen verlangsamen sich laut TrendForce auf 10 bis 15 Prozent, und die Speicherchip-Marge von Samsung dürfte mit 76 Prozent unverändert bleiben. Hinzu kommen der starke Won als Belastung für rückgeführte Auslandsgewinne und die wachsende Konkurrenz durch chinesische Anbieter.

Gleichzeitig bleibt die Angebotslage angespannt. Langfristverträge über rund zwei Drittel der Speicherproduktion sichern Absatzmengen, begrenzen aber auch Preissteigerungen. Wer in Chip-Werte investiert ist, sollte daher sowohl die Mengen- als auch die Preisentwicklung im Blick behalten. Dies ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.

Ausblick

Samsung legt die vorläufigen Ergebnisse für das dritte Quartal am Donnerstag vor, die detaillierten Daten folgen Ende Oktober. Chip-Hersteller rechnen damit, dass der Engpass auch ins nächste Jahr und möglicherweise bis 2028 andauert. Micron erwartet, dass der Chipmarkt 2027 und 2028 enger sein könnte als in diesem Jahr. TrendForce prognostiziert für das vierte Quartal einen Anstieg der DRAM-Vertragspreise um 10 bis 15 Prozent gegenüber dem Vorquartal. J. P. Morgan erwartet, dass Samsungs HBM-Marktanteil in diesem Jahr auf 34 Prozent steigt, während SK Hynix auf 46 Prozent kommt.

Kurz erklärt

  • DRAM: Ein weit verbreiteter Speicherchip-Typ, der Daten flüchtig speichert und in Computern, Servern und Smartphones zum Einsatz kommt.
  • HBM: High Bandwidth Memory ist ein besonders schneller Speicher, der direkt neben leistungsstarken KI-Prozessoren verbaut wird.
  • Operativer Gewinn: Der Gewinn aus dem laufenden Geschäft vor Zinsen und Steuern, eine zentrale Kennzahl zur Beurteilung der Ertragskraft.
  • Bruttomarge: Der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der direkten Herstellungskosten übrig bleibt.
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