Rubio: Iran hat mehrere Chancen auf Atomabkommen verpasst
US-Außenminister Marco Rubio sieht Teheran in der Verantwortung, während die Gespräche über das iranische Atomprogramm feststecken.

Der US-Außenminister Marco Rubio hat am Mittwoch erklärt, der Iran habe „mehrere" Chancen verpasst, eine Einigung über sein Atomprogramm zu erzielen. Gleichzeitig stecken die Gespräche zwischen Washington und Teheran über ein dauerhaftes Friedensabkommen im Nahen Osten fest. Die Eindämmung der nuklearen Ambitionen des Irans bleibt damit ein kritischer Bestandteil der amerikanischen Forderungen, während die Bemühungen um ein dauerhaftes Waffenstillstandsabkommen zwischen beiden Seiten ergebnislos bleiben.
Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hat der Iran signalisiert, dass es „keine Verhandlungen" zwischen Teheran und Washington über das iranische Atomprogramm gegeben habe. Die Agentur zitierte einen hohen iranischen Beamten, der an indirekten Gesprächen mit Washington beteiligt ist. Dieser erklärte, die Vorstellungen der USA zum Programm seien „im Widerspruch" zu denen der Islamischen Republik.
Rubios Äußerungen folgen den Kommentaren von Vizepräsident J. D. Vance, der Anfang dieser Woche sagte, jede Vereinbarung zur Beilegung des siebenmonatigen Konflikts müsse ein Engagement des Irans für eine „bedeutende" Reduzierung seiner Urananreicherung beinhalten. Der hohe iranische Beamte sagte, Vances Kommentare spiegelten amerikanische „Ideen und Interessen" wider. Er fügte hinzu: „Der Iran wird sein Recht auf Anreicherung niemals aufgeben, aber Details zur Anreicherung können später diskutiert werden."
Die Details
Präsident Donald Trump hatte vergangene Woche Berichte dementiert, er habe dem Iran Sanktionserleichterungen im Austausch für nukleare Zugeständnisse angeboten. Damit ist eine der zentralen Stellschrauben der Verhandlungen – die Frage möglicher wirtschaftlicher Gegenleistungen Washingtons – offiziell vom Tisch, jedenfalls nach Darstellung des Weißen Hauses. Auf iranischer Seite wiederum wird die Existenz eines Verhandlungsformats über das Atomprogramm überhaupt bestritten.
Das Fehlen einer jeden Vereinbarung hat dazu geführt, dass der Iran in den letzten Tagen seine Angriffe auf Tanker, die durch die Straße von Hormus fahren, intensiviert hat. Schiffe sind nun auf den militärischen Schutz der USA angewiesen, um diese kritische Wasserstraße zu navigieren. Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und gehört zu den wichtigsten Seewegen für den globalen Ölhandel.
Die Energiepreise stiegen am Mittwoch, nachdem zwei separate Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen aus Jemen auf Flughäfen in Saudi-Arabien erfolgt waren. Brent-Rohöl, der internationale Ölbenchmark, stieg um 0.64% auf $101.23. Die Futures des US-Öls West Texas Intermediate (WTI) kletterten um 0.21% auf $89.63. Beide Bewegungen fielen damit moderat aus, obwohl die Nachrichtenlage für sich genommen bereits deutlich schärfere Ausschläge hätte rechtfertigen können.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 28.04.2026 berichtete aktien.news, dass Rubio unmissverständlich klargestellt hatte, die Vereinigten Staaten würden es nicht dulden, dass der Iran die Kontrolle über die Straße von Hormus ausübt. In einem Interview mit Fox News reagierte Rubio damals auf Berichte, wonach Teheran nach dem Scheitern der Gespräche mit Washington eine Wiederöffnung der Meerenge angeboten habe. Rubio machte deutlich, dass eine „Öffnung", die an iranische Erlaubnis oder Absprachen gebunden ist, für Washington keine Öffnung sei.
Am 08.05.2026 berichtete aktien.news, dass Rubio eine Antwort des Irans auf den amerikanischen Vorschlag zur Beendigung des Krieges noch am selben Tag erwartete. Der Iran bestätigte damals, Botschaften der USA zu prüfen, die über pakistanische Vermittler eingegangen seien. Laut iranischen Staatsmedien war jedoch noch keine Entscheidung getroffen und keine Antwort übermittelt worden. Medienberichten zufolge näherten sich beide Länder einer Absichtserklärung über 14 Punkte an.
Am 12.05.2026 berichtete aktien.news, dass die Atomverhandlungen zwischen den USA und dem Iran in einer tiefen Sackgasse steckten. Der Stratege Tobin Marcus von Wolfe Research sah damals einen möglichen Ausweg: Präsident Trump könnte seine Kernforderungen abschwächen, falls der wirtschaftliche und marktbedingte Druck weiter zunimmt. Trump hatte das jüngste Angebot des Irans öffentlich abgelehnt und in einem Post als „VÖLLIG UNANNEHMBAR" bezeichnet.
Am 26.05.2026 berichtete aktien.news, dass Rubio die Aushandlung eines Abkommens mit dem Iran als Angelegenheit von „einigen Tagen" bezeichnete und damit Erwartungen auf ein rasches Ende des seit Ende Februar andauernden Konflikts bremste. Gleichzeitig hatten US-Streitkräfte neue Verteidigungsschläge im Süden des Irans durchgeführt, die sich laut Washington gegen Boote richteten, die Minen zu legen versuchten, sowie gegen Raketenabschussstellen. Rubio betonte dabei die strategische Bedeutung der Straße von Hormus mit den Worten: „Die Meerenge muss offen sein, sie wird so oder so offen sein, also muss sie offen sein."
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Nachrichtenlage vor allem über den Ölpreis relevant. Brent und WTI sind die beiden Referenzgrößen, an denen sich Energiekosten, Inflationserwartungen und die Gewinnaussichten vieler Unternehmen orientieren. Steigen die Notierungen, wirkt das dämpfend auf Konsum und Margen in energieintensiven Branchen, während Förderer und Teile des Energiesektors profitieren können.
Auffällig ist die Reaktion am Mittwoch: Trotz der Angriffe auf Flughäfen in Saudi-Arabien und der anhaltenden Bedrohung von Tankern im Golf fielen die Aufschläge mit 0.64% bei Brent und 0.21% bei WTI verhalten aus. Das deutet darauf hin, dass die Märkte einen Teil des geopolitischen Risikos bereits eingepreist haben. Zugleich bleibt die Straße von Hormus der zentrale Unsicherheitsfaktor: Solange Schiffe auf militärischen Schutz der USA angewiesen sind, besteht das Risiko kurzfristiger Unterbrechungen und sprunghafter Preisbewegungen.
Eine direkte Handlungsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Wer in Energie-, Schifffahrts- oder Logistikwerten engagiert ist, sollte jedoch die Meldungen aus der Region eng verfolgen, da sich die Lage innerhalb weniger Tage ändern kann.
Ausblick
Konkrete Termine für neue Gespräche zwischen Washington und Teheran nennt der Quelltext nicht. Klar ist lediglich die amerikanische Position: Nach den Worten von Vizepräsident Vance muss jede Vereinbarung eine „bedeutende" Reduzierung der iranischen Urananreicherung enthalten. Die iranische Seite hält dagegen an ihrem Recht auf Anreicherung fest und verweist darauf, dass Details später diskutiert werden könnten.
Rubio hat zugleich betont, dass der Iran aus seiner Sicht „mehrere" Gelegenheiten für eine Einigung hat verstreichen lassen. Solange keine Annäherung gelingt, dürften die Angriffe auf Tanker und die damit verbundene militärische Absicherung der Straße von Hormus die Nachrichtenlage bestimmen. Für die Ölpreise bleibt damit ein Aufwärtsrisiko bestehen, das sich an jeder neuen Eskalationsmeldung entzünden kann.
Kurz erklärt
- Urananreicherung: Verfahren, bei dem der Anteil des spaltbaren Isotops im Uran erhöht wird, um es für Reaktoren oder Waffen nutzbar zu machen.
- Straße von Hormus: Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman, durch die ein großer Teil der weltweiten Ölexporte verschifft wird.
- Brent-Rohöl: Internationale Referenzsorte für Rohöl, die als Preisbenchmark für den Weltmarkt dient.
- WTI: US-amerikanische Rohölsorte, die als Benchmark für den nordamerikanischen Markt gilt.
