Huthis melden Angriffe auf Saudi-Arabien: Neue Front im Nahostkonflikt
Die mit dem Iran verbundenen Huthi-Kämpfer geben Angriffe auf Flughäfen und Militäreinrichtungen in Saudi-Arabien an – Beweise fehlen bislang.

Die mit dem Iran verbundenen Huthi-Kämpfer im Jemen haben nach eigenen Angaben militärische Einrichtungen und Flughäfen in Saudi-Arabien angegriffen. Damit könnte das Königreich in eine neue Front des sich ausweitenden Nahostkonflikts gezogen werden, der die globalen Energiemärkte bereits erschüttert hat. Die Associated Press (AP) berichtet über die Angaben der Gruppe, ohne dass bislang Beweise für diese Behauptung vorgelegt wurden.
In einem Postament in sozialen Medien erklärte der militärische Sprecher der Huthis, die Gruppe habe ballistische Raketen und Drohnen gegen den internationalen Flughafen King Khalid in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad eingesetzt. Ein Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Koalitionstruppen bestätigte seinerseits, dass eine ballistische Rakete nördlich von Riad abgefangen worden sei. Die gemeldeten Entwicklungen deuten damit auf eine vertiefte saudische Beteiligung am Kampfgeschehen im Jemen hin.
Die Details
Laut AP gaben die Huthis zudem an, den Flughafen von Abha sowie einen Luftwaffenstützpunkt in der Stadt Khamis Mushait und zwei Militärbasen nahe der Grenze zum Jemen ins Visier genommen zu haben. Beweise für diese Behauptungen legte die Gruppe nicht vor. Bestätigt ist bislang lediglich der Abschuss einer ballistischen Rakete nördlich von Riad durch die von Saudi-Arabien geführte Koalition.
Die Angaben fallen in eine Phase verstärkter Kampfhandlungen. In den vergangenen Tagen haben die von Saudi-Arabien angeführten Regierungskräfte eine Offensive gestartet, die darauf abzielt, die Schlagkraft der Huthis zu schwächen und Schlüsselgebiete zurückzugewinnen, darunter Regionen in der Nähe der Straße von Bab el-Mandeb.
Diese strategisch wichtige Engstelle nutzt Saudi-Arabien als alternative Schifffahrtsroute für seine unverzichtbaren Ölproduktionsaktivitäten. Territorale Gewinne der Huthis hatten den Rebellen Hebelwirkung gegenüber der Straße von Bab el-Mandeb verschafft und drohten, die saudischen Ölexporte einzuschränken, die ohnehin bereits durch die effektive Sperrung der nahegelegenen Straße von Hormuz durch den Iran beeinträchtigt waren.
Für die Größenordnung dieser Routen liefert der Quelltext konkrete Zahlen: Rund 12% des weltweiten Handels verlaufen über die Straße von Bab el-Mandeb. Vor Beginn der gemeinsamen US-amerikanisch-israelischen Offensive gegen Ende Februar floss etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggasangebots durch die Straße von Hormuz.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 20.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Huthi-Rebellen aus dem Jemen eine sofortige Seeblockade gegen Saudi-Arabien verhängt haben. Bloomberg News meldete unter Berufung auf den Huthi-Sprecher Yahya Saree, dass die Ankündigung am Montag erfolgte und an den internationalen Finanzmärkten für Aufmerksamkeit sorgte. Die jemenitischen Streitkräfte begründeten die Blockade als Reaktion auf das, was die Gruppe als Belagerung der jemenitischen Hauptstadt durch Saudi-Arabien bezeichnet. Saree rief seine Anhänger dazu auf, sich an allen Fronten auf sämtliche Szenarien vorzubereiten.
Am 21.07.2026 folgte die nächste Eskalationsstufe. Wie aktien.news berichtete, sprachen die Huthis in einer direkten Mitteilung an Schiffseigner und Reedereien eine weitreichende Drohung aus: Alle Schiffe, die saudi-arabische Häfen anlaufen oder verlassen, geraten ins Visier ihrer Blockade. Aus einer E-Mail, die Bloomberg einsehen konnte, ging hervor, dass die Bedrohung nicht auf saudi-arabische Schiffe beschränkt ist, sondern sämtliche Schiffe unter jeder Flagge betrifft. Die Warnung verdeutlicht das Ausmaß einer Bedrohung, die Ölexporte des Königreichs im Umfang von Millionen Barrel gefährdet.
Ebenfalls am 21.07.2026 meldete aktien.news, dass Analysten vor massiven Verwerfungen auf den globalen Ölmärkten warnen, sollte es den Huthis gelingen, die Meerenge Bab al-Mandab tatsächlich zu sperren. Eine Schließung würde Saudi-Arabien eine entscheidende Ausweichroute zur Straße von Hormus nehmen.
Am 23.07.2026 machte US-Präsident Donald Trump den Iran für alle weiteren Angriffe der Huthi-Rebellen auf Schiffe im Roten Meer verantwortlich. Auslöser waren Angriffe der vom Iran unterstützten Huthis auf zwei saudi-arabische Öltanker, zu denen sich die im Jemen ansässige Miliz bekannte.
Was das für Anleger bedeutet
Die Hoffnungen auf einen diplomatischen Durchbruch zur Beendigung des Krieges zwischen den USA und dem Iran bleiben verhalten, da beide Seiten in einer Pattsituation feststecken. Zwar deuten aktuelle Schiffahrtsdaten darauf hin, dass die Rohstoffflüsse aus dem Golf sich verbessern. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass die hohen Kosten für den Transport dieser Sendungen sowie anhaltende Engpässe bei raffinierten Produkten die Energiepreise wahrscheinlich auf hohem Niveau halten werden.
Die durch den Ölpreis getriebene Inflation ist damit zu einem zentralen Fokus der Märkte geworden. Steigende Preise drängen Zentralbanken wie die Federal Reserve dazu, eine Serie von Zinserhöhungen in Erwägung zu ziehen. Für den deutschen Privatanleger heißt das: Die Kombination aus geopolitischen Risiken am Golf und einer möglichen geldpolitischen Straffung bleibt ein bestimmender Faktor für Energie- und Rohstoffwerte. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Auch politisch schlägt sich die Entwicklung nieder. Sorgen hinsichtlich der Erschwinglichkeit von Gütern sind für die Wähler vor den US-Zwischenwahlen im November zu einem zentralen Thema geworden.
Ausblick
Ein konkreter Termin steht bereits fest: Die Protokolle der geldpolitischen Sitzung der Fed im September sollen heute noch veröffentlicht werden. Bei jener Sitzung hatten die Entscheidungsträger die Kreditkosten erstmals seit 2023 angehoben.
US-Vizepräsident JD Vance sagte gegenüber Reuters, der Iran müsse eine „bedeutende" Reduzierung seiner nuklearen Anreicherungskapazität vornehmen, um den amerikanischen Forderungen nachzukommen und den Krieg zu beenden. Ob sich daraus eine Öffnung im festgefahrenen Konflikt zwischen den USA und dem Iran ergibt, bleibt offen.
Kurz erklärt
- Ballistische Rakete: Flugkörper, der nach dem Start einer bogenförmigen Flugbahn folgt und Ziele über große Entfernungen erreichen kann.
- Straße von Hormus: Meerenge am Persischen Golf, über die ein erheblicher Teil der weltweiten Öl- und Gaslieferungen transportiert wird.
- Bab el-Mandeb: Meerenge zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden, die zu den bedeutendsten Ölhandelsrouten der Welt gehört.
