Robinhood übernimmt beim Oura-Börsengang erstmals die Rolle als Underwriter
Der Smart-Ring-Hersteller Oura hat Börsenunterlagen eingereicht – mit Robinhood als erstem Underwriter-Auftrag des Brokers.

Der Smart-Ring-Hersteller Oura hat mit der Einreichung seiner Börsenunterlagen für Aufsehen gesorgt. Unter den Konsortialbanken für den geplanten Börsengang (IPO) findet sich überraschend der US-Broker Robinhood Markets. Für das Unternehmen, das vor allem durch den Handel mit sogenannten „Meme-Aktien“ bekannt wurde, markiert dies den ersten offiziellen Auftrag als Underwriter.
Das in San Francisco ansässige Unternehmen Oura wurde 2013 in Finnland gegründet und ist für seine Fitness-Tracking-Ringe bekannt. Bei seinem Börsengang strebt der Hersteller eine Bewertung von über 11 Milliarden US-Dollar an. Das Unternehmen erfreut sich sowohl in der Gesundheits- und Longevity-Szene als auch bei Investoren an der Wall Street großer Beliebtheit.
Robinhood hat sein Geschäftsmodell in den vergangenen Jahren weit über den Aktien- und Optionshandel hinaus diversifiziert. Umso bemerkenswerter ist, dass der Broker nun erstmals als Underwriter auftritt – eine Rolle, die traditionell den großen Investmentbanken vorbehalten ist.
Etablierte Großbanken führen das Konsortium an
Die Federführung bei der Transaktion liegt bei den etablierten Großbanken Goldman Sachs, Morgan Stanley, JPMorgan, Allen & Co. sowie Jefferies. Sie übernehmen den Großteil der Arbeit und erhalten den Löwenanteil der Gebühren. Robinhood ist in der Liste der Konsortialbanken an 18. und damit letzter Stelle aufgeführt.
Dennoch wird dieser Schritt als strategischer Erfolg gewertet. Bereits im Juni hatte Robinhood-CEO Vlad Tenev nach Erhalt der regulatorischen Zulassung für Underwriting-Geschäfte betont: „Wir beabsichtigen, in diesem Bereich disruptiv zu wirken.“
Bei einem Börsengang begleiten Underwriter das Unternehmen von der Einreichung der Unterlagen bis zur Platzierung der Aktien. Sie bewerten das Unternehmen, beraten bei der Preisbildung und vermarkten die Papiere bei institutionellen Anlegern. Als Gegenleistung erhalten sie einen Teil der Emissionserlöse als Gebühr – ein lukratives Geschäft, das bislang fest in der Hand großer Bankhäuser lag.
Dass mit Robinhood nun ein bekannter Online-Broker in dieses Geschäft einsteigt, dürfte die etablierten Häuser aufhorchen lassen. Zwar ist der Auftrag beim Oura-IPO mit Platz 18 in der Konsortialbanken-Liste zunächst überschaubar. Doch die Ambitionen sind deutlich: Nach der regulatorischen Zulassung im Juni will der Broker den großen Banken künftig Konkurrenz im Emissionsgeschäft machen.
Für deutsche Anleger ist der Fall auch deshalb bemerkenswert, weil er zeigt, wie sich das IPO-Geschäft zunehmend öffnet. Während klassische Broker hierzulande vor allem den Zugang zu Zeichnungsangeboten für Privatanleger vermitteln, könnten Online-Anbieter künftig auch auf der Emissionsseite eine größere Rolle spielen. Der Oura-IPO bietet dafür einen ersten Beleg.
