Rio Tinto prüft Milliarden-Investition in neues Lithiumwerk in Argentinien
Der Bergbaukonzern erwägt den Bau der Anlage Fenix II in Catamarca, eine Investitionsentscheidung könnte gegen Ende des Jahrzehnts fallen.

Rio Tinto prüft den Bau einer weiteren Lithiumanlage in Argentinien. Für das Projekt mit dem Namen „Fenix II" wären zusätzliche Investitionen von etwa 1 Milliarde US-Dollar erforderlich, wie Chief Executive Simon Trott mitteilte. Damit würde der anglo-australische Bergbaukonzern sein Engagement in dem südamerikanischen Land deutlich ausweiten.
Das Vorhaben ist auf der Saline Hombre Muerto in der Provinz Catamarca geplant. Trott zufolge will Rio Tinto das Projekt im kommenden Jahr in das argentinische Anreizsystem für Großinvestitionen einreichen. „Es wird geprüft; es wäre die nächste Ausbauphase", sagte der Konzernchef während eines Besuchs in Argentinien in dieser Woche.
Eine endgültige Investitionsentscheidung könnte gegen Ende des Jahrzehnts getroffen werden. Trott sprach am Mittwoch, als Rio Tinto zwei neue Lithiumanlagen in Hombre Muerto einweihte. Der Standort liegt in der Provinz Catamarca im Nordwesten Argentiniens.
Die Details
Im Mittelpunkt der aktuellen Prüfung steht das Projekt „Fenix II" auf der Saline Hombre Muerto. Die Saline liegt in der Provinz Catamarca, wo Rio Tinto in dieser Woche zwei neue Lithiumanlagen offiziell in Betrieb nahm. Für die mögliche nächste Ausbaustufe veranschlagt der Konzern zusätzliche Investitionen von rund 1 Milliarde US-Dollar.
Die Einreichung in das argentinische Anreizsystem für Großinvestitionen ist für das kommende Jahr vorgesehen. Eine endgültige Entscheidung über die Investition könnte gegen Ende des Jahrzehnts fallen. Rio Tinto verfügt in Argentinien nach eigenen Angaben über eine Investitionspipeline in Höhe von 4,4 Milliarden US-Dollar.
Argentinien, Bolivien und Chile bilden das sogenannte „Lithium-Dreieck". Diese Region beherbergt 60 Prozent der weltweiten Lithiumreserven. Der Rohstoff gilt als wichtiger Bestandteil für die Batterien von Elektrofahrzeugen.
Neben Lithium prüft Rio Tinto auch Optionen, um Kupferprojekte im Land voranzubringen. Das erklärte Trott ebenfalls. Kupfer ist neben Eisenerz und Lithium eine der zentralen Sparten des Konzerns.
Unter Präsident Javier Milei versucht Argentinien, sich durch marktfreundliche Reformen und ein Steuervergütungssystem für Großprojekte als führender Investitionsstandort zu positionieren. Das Land will damit internationale Bergbau- und Energieunternehmen anziehen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 16.05.2026 berichtete aktien.news, dass die argentinische Regierung unter Präsident Javier Milei eine Erweiterung der Cauchari-Olaroz-Lithiummine von Lithium Argentina im Wert von 1,24 Milliarden US-Dollar genehmigt hat. Das Projekt gehört zu zwei Bergbauvorhaben, die Buenos Aires im Rahmen des nationalen Großinvestitionsanreizprogramms RIGI offiziell bewilligt hat. Lithium Argentina ist an der Toronto Stock Exchange und der New York Stock Exchange unter dem Kürzel LAR notiert.
Am 24.06.2026 meldete aktien.news, dass Rio Tinto erwartet, sein Lithiumgeschäft werde künftig schneller wachsen als alle anderen Konzernsparten – einschließlich Kupfer und Eisenerz. Ziel sei es, die Produktion für die Märkte für Elektrofahrzeuge und Batteriespeicher bis 2028 zu verdreifachen. Das weltweit zweitgrößte Bergbauunternehmen war erst im vergangenen Jahr in den Lithiumsektor eingestiegen, als es den US-Konzern Arcadium übernahm. Dieser Zukauf verschaffte Rio Tinto Zugang zu Minen, Verarbeitungsanlagen und Lagerstätten auf vier Kontinenten sowie zu einem Kundenstamm, zu dem auch Tesla gehört.
Am 23.09.2026 berichtete aktien.news, dass die US-Export-Importbank plant, kritische Mineralstoff- und Energieprojekte in Argentinien im Wert von bis zu 7 Milliarden US-Dollar zu finanzieren. Die Finanzierung ist Teil eines Pakets, das während der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York vorgestellt werden sollte. Mit dem Schritt wollen die USA ihren Zugang zu Energie- und kritischen Mineralstoffressourcen in der westlichen Hemisphäre ausbauen.
Am 23.10.2026 berichtete aktien.news über den beginnenden Ressourcen-Boom in Argentinien. Ein Vergleich machte das Ausmaß deutlich: Im Jahr 2020 verzeichnete das Nachbarland Chile Bergbauexporte im Wert von 40 Milliarden US-Dollar, ein Großteil davon aus Lagerstätten auf seiner Seite der Andenkette. Argentiniens eigene Exporte beliefen sich dagegen auf nur 2,6 Milliarden US-Dollar. Diese Situation beginnt sich zu ändern.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem ein Signal zur strategischen Ausrichtung von Rio Tinto. Der Konzern baut sein Lithiumgeschäft aus und nennt Argentinien als einen Schwerpunkt seiner Investitionspipeline. Mit 4,4 Milliarden US-Dollar an geplanten Investitionen in dem Land ist das Engagement erheblich.
Zugleich zeigt die Meldung, wie stark die argentinische Rohstoffpolitik derzeit auf ausländische Großinvestoren ausgerichtet ist. Das Steuervergütungssystem für Großprojekte und die marktfreundlichen Reformen unter Präsident Milei senken aus Sicht von Unternehmen die Hürden für Milliardenvorhaben. Das Anreizsystem spielt auch für das geplante Projekt „Fenix II" eine zentrale Rolle.
Anleger sollten beachten, dass es sich bislang nur um eine Prüfung handelt. Eine endgültige Investitionsentscheidung steht noch aus und könnte erst gegen Ende des Jahrzehnts fallen. Das Projekt ist damit ein langfristiges Vorhaben und kein kurzfristiger Umsatz- oder Gewinntreiber.
Hinzu kommt die geografische Konzentration: Das „Lithium-Dreieck" mit Argentinien, Bolivien und Chile beherbergt 60 Prozent der weltweiten Lithiumreserven. Wer in Lithium investiert, kommt an dieser Region kaum vorbei. Rio Tinto ist dort bereits mit Anlagen in Hombre Muerto vertreten.
Ausblick
Für das kommende Jahr plant Rio Tinto die Einreichung von „Fenix II" in das argentinische Anreizsystem für Großinvestitionen. Eine endgültige Investitionsentscheidung könnte gegen Ende des Jahrzehnts getroffen werden. Zusätzlich prüft der Konzern Optionen, um Kupferprojekte in Argentinien voranzubringen.
Auf Konzernebene hatte Rio Tinto bereits im Juni 2026 das Ziel formuliert, die Lithiumproduktion bis 2028 zu verdreifachen. Argentinien bleibt damit ein Baustein dieser Strategie. Wie sich die Investitionspipeline von 4,4 Milliarden US-Dollar konkret entwickelt, hängt auch von den weiteren Entscheidungen des Unternehmens ab.
Kurz erklärt
- Lithium-Dreieck: Region in Südamerika mit besonders großen Lithiumvorkommen, die sich über Argentinien, Bolivien und Chile erstreckt.
- Saline: Salzfläche, aus deren Sole Lithium gewonnen wird.
- Anreizsystem für Großinvestitionen: Staatliches Programm, das große Investitionsvorhaben mit Steuervorteilen unterstützt.
