Rigetti Computing: Verdopplung bis 2031 möglich – aber lohnt sich der Kauf?
Analysten sehen Potenzial für Rigetti Computing, warnen aber vor hoher Bewertung, Verwässerung und spekulativem Charakter der Aktie.

Quantencomputing gilt als eine der transformativsten Technologien unserer Zeit – und Rigetti Computing (RGTI) steht im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Doch während die Technologie fasziniert, stellt sich die entscheidende Frage: Rechtfertigt die aktuelle Bewertung den Einstieg? Eine Analyse zeigt, dass selbst im optimistischen Szenario das Aufwärtspotenzial begrenzt ist.
Rigetti Computing spezialisiert sich auf supraleitende Quantencomputer – ein Ansatz, den auch Technologiegiganten wie Alphabet und IBM verfolgen. Das Unternehmen betreibt eine eigene Fertigungsstätte und bietet über cloudbasierte Dienste Zugang zu Quantencomputing an. Diese vertikale Integration verschafft Rigetti eine beträchtliche Kontrolle über seinen Technologie-Stack. Zudem hat das Unternehmen die Aufmerksamkeit von Hewlett Packard Enterprise auf sich gezogen, mit dem es hybride quanten-klassische Rechen-Workflows entwickelt.
Der Markt für Quantencomputing ist enorm: McKinsey schätzt, dass er bis 2035 ein Volumen zwischen 43 und 71 Milliarden US-Dollar erreichen könnte. Anwendungsfelder reichen von der Arzneimittelforschung über Materialwissenschaft und Finanzmodellierung bis hin zur Cybersicherheit. Diese Aussichten haben Rigetti eine Marktkapitalisierung von rund 4,7 Milliarden US-Dollar eingebracht – trotz bescheidener Umsätze und fehlender Profitabilität.
Finanzzahlen offenbaren ein gravierendes Missverhältnis
Die Geschäftszahlen von Rigetti sprechen eine deutliche Sprache. Im zweiten Quartal erzielte das Unternehmen lediglich 5,1 Millionen US-Dollar Umsatz, während der operative Verlust bei 28,1 Millionen US-Dollar lag. Der Nettoverlust belief sich auf 52,6 Millionen US-Dollar – wobei der Großteil auf nicht zahlungswirksame buchhalterische Anpassungen zurückzuführen war.
Positiv zu vermerken ist, dass Rigetti zum Ende des zweiten Quartals über Barmittel und Investitionen von rund 541 Millionen US-Dollar verfügte und nahezu schuldenfrei ist. Das ist für ein Unternehmen, das erhebliche Ausgaben für Forschung und Entwicklung benötigt, ein wichtiger Puffer. Dennoch wird die Aktie mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) von 394 gehandelt – eine außergewöhnlich hohe Bewertung, die kaum zu rechtfertigen ist.
Ein weiteres Problem ist die Verwässerung bestehender Aktionäre. Rigetti hat im vergangenen Jahr neue Aktien ausgegeben, um den Betrieb zu finanzieren. Wenn die Anzahl der ausstehenden Aktien weiter steigt, halten bestehende Investoren einen immer kleineren Anteil am Unternehmen. Das bedeutet: Die Technologie könnte erfolgreich sein, ohne dass Aktionäre zwingend spektakuläre Renditen erzielen.
Zwei Szenarien für 2031 – beide mit Haken
Die Analyse betrachtet zwei mögliche Entwicklungspfade bis 2031. Im ersten Szenario steigert Rigetti seinen Jahresumsatz auf 500 Millionen US-Dollar und wird mit dem 10-fachen Umsatz bewertet. Das ergäbe eine Marktkapitalisierung von 5 Milliarden US-Dollar – kaum mehr als heute, obwohl der Umsatz fast das Siebenfache des aktuellen Niveaus erreicht hätte.
Im optimistischeren Szenario erreicht Rigetti einen Jahresumsatz von 1 Milliarde US-Dollar und wird ebenfalls mit dem 10-fachen Umsatz bewertet. Die Marktkapitalisierung würde dann 10 Milliarden US-Dollar betragen – ein Aufwärtspotenzial von rund 113 Prozent gegenüber dem heutigen Niveau. Bei einem aktuellen Aktienkurs von rund 14 US-Dollar impliziert dieses Szenario einen zukünftigen Kurs von etwa 30 US-Dollar.
Beide Szenarien setzen jedoch eine außergewöhnliche Umsetzung und eine breitere kommerzielle Akzeptanz von Quantencomputing innerhalb eines relativ engen Zeitrahmens voraus. Hinzu kommt der intensive Wettbewerb: Rigetti konkurriert mit IonQ, D-Wave Quantum, IBM, Google und weiteren Anbietern, die unterschiedliche technologische Ansätze verfolgen. Welche Architektur sich letztlich durchsetzen wird, ist noch völlig offen.
Fazit: Spekulation statt überzeugender Kauf
Für Anleger, die Volatilität und Unsicherheit in Kauf nehmen, könnte Rigetti eher eine spekulative Halteposition als ein überzeugender langfristiger Kauf zum heutigen Preis sein. Die aktuelle Bewertung preist bereits einen erheblichen kommerziellen Erfolg ein – der noch lange nicht gesichert ist.
Wer ein breiteres Engagement in künstlicher Intelligenz und am potenziellen Aufwärtspotenzial von Quantencomputing sucht, findet in etablierten Blue-Chip-Aktien wie Alphabet oder IBM möglicherweise die bessere Alternative. Diese Unternehmen verfolgen ebenfalls supraleitende Quantencomputing-Ansätze, verfügen aber über deutlich stabilere Geschäftsmodelle und solide Bilanzen.
