Prosus will Just Eat bis 2030 auf Wachstumskurs bringen
Neuer Eigentümer Prosus setzt sich ehrgeizige Ziele für den angeschlagenen Essenslieferdienst.

Nach der 4,1 Milliarden Euro schweren Übernahme von Just Eat Takeaway im November 2024 gibt Prosus-Chef Fabricio Bloisi die Richtung vor: Bis 2030 soll das jährliche Bestellwachstum auf 20 Prozent steigen. Das wäre eine Rückkehr zu Wachstumsraten, die zuletzt während der Corona-Pandemie erreicht wurden – und eine drastische Kehrtwende gegenüber der jüngsten Entwicklung.
Die Ausgangslage ist alles andere als einfach. Zwischen 2023 und 2024 sanken die Bestellungen bei Just Eat um 5 Prozent. Zum Vergleich: Auf dem Höhepunkt der Pandemie verzeichnete das Unternehmen Wachstumsraten von bis zu 33 Prozent, als Millionen Europäer auf Essenslieferungen angewiesen waren.
Ehrgeizige Ziele trotz schwieriger Marktlage
Prosus, der niederländische Technologieinvestor und Ableger des südafrikanischen Medienkonzerns Naspers, steht nun vor der Aufgabe, Just Eat in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt neu zu positionieren. In Europa kämpfen Anbieter wie Deliveroo, Uber Eats und lokale Plattformen um Marktanteile. Die Konkurrenz hat in den vergangenen Jahren erheblich aufgeholt.
Bloisi, der seit 2024 an der Spitze von Prosus steht, gilt als erfahrener Stratege im digitalen Plattformgeschäft. Er brachte zuvor das brasilianische Tech-Unternehmen iFood auf Wachstumskurs – ein Erfolg, den er nun in Europa wiederholen will. Das 20-Prozent-Ziel ist dabei klar als langfristiges Projekt angelegt.
Strukturelle Herausforderungen für Just Eat
Just Eat war einst Europas führender Essenslieferdienst, verlor aber nach der Fusion mit Takeaway.com und dem Kauf von Grubhub in den USA an Schwung. Milliardenschwere Abschreibungen und ein zersplittertes Marktportfolio belasteten das Unternehmen jahrelang. Der Verkauf des US-Geschäfts und nun die Übernahme durch Prosus sollen einen Neustart ermöglichen.
Für deutsche Verbraucher ist Just Eat vor allem unter der Marke Lieferando bekannt, die hierzulande eine starke Marktstellung hält. Ob Prosus die Plattform technisch modernisiert, das Restaurantnetzwerk ausbaut oder mit Preisanreizen arbeitet, um das Wachstum anzukurbeln, ließ Bloisi bislang offen. Die Strategie dürfte in den kommenden Monaten konkreter werden.
