Private-Credit-Riesen jagen angeschlagene BDCs als Wachstumschance
Ares, Barings, BC Partners und Churchill prüfen den Kauf notleidender Fonds im 1,8-Billionen-Dollar-Markt.

Der Private-Credit-Markt durchlebt eine der turbulentesten Phasen seiner Geschichte – und genau das macht ihn für opportunistische Käufer attraktiv. Große Anbieter wie Ares Management Corp., Barings LLC, BC Partners und Churchill Asset Management haben in den vergangenen Monaten in Schieflage geratene Fonds geprüft. Das berichten mit der Angelegenheit vertraute Personen, die um Anonymität baten, da die Verhandlungen vertraulich sind.
Die Gespräche befinden sich noch in einem vorläufigen Stadium und könnten ohne Abschluss bleiben, betonen die Insider ausdrücklich. Dennoch zeigt das Interesse dieser namhaften Adressen, dass der Marktdruck auf schwächere Anbieter eine seltene Gelegenheit für gut kapitalisierte Wettbewerber schafft. Wer angeschlagene Fonds übernimmt, kann auf einen Schlag Verwaltungsmandate, Portfolios und Kundenbeziehungen gewinnen – ein Wachstumspfad, der im Normalmarkt Jahre dauern würde.
Die Details
Im Mittelpunkt des Interesses stehen sogenannte Business Development Companies, kurz BDCs. Diese in den USA regulierten Investmentgesellschaften vergeben Kapital direkt an kleine und mittelständische Unternehmen – vergleichbar mit einem börsennotierten Private-Credit-Fonds. Sie sind sowohl börsennotiert als auch nicht-börsennotiert erhältlich und galten lange als attraktives Vehikel, über das auch Privatanleger Zugang zum Private-Credit-Segment erhalten konnten.
Die Käufer, die nun Interesse zeigen, gehören zur ersten Reihe der Branche. Ares Management Corp. ist einer der größten alternativen Vermögensverwalter weltweit. Barings LLC ist die Vermögensverwaltungstochter des Versicherungskonzerns MassMutual. BC Partners ist eine europäische Private-Equity-Gesellschaft mit Aktivitäten im Kreditbereich, und Churchill Asset Management ist auf die direkte Kreditvergabe an mittelständische Unternehmen spezialisiert. Alle vier Häuser verfügen über die Infrastruktur, um übernommene Fonds operativ zu integrieren und weiterzuführen.
Der Gesamtmarkt für Private Credit, also die direkte Kreditvergabe an Unternehmen außerhalb des klassischen Bankensystems, wird auf 1,8 Billionen US-Dollar beziffert. Dass ausgerechnet in dieser Größenordnung nun Konsolidierungsdruck entsteht, unterstreicht die Tiefe der aktuellen Verwerfungen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuellen Übernahmeinteressen sind kein isoliertes Phänomen, sondern der vorläufige Höhepunkt einer monatelangen Stressphase. Bereits am 12. März 2026 berichtete aktien.news, dass Anleger ihre Positionen in Private-Credit-Fonds verkaufen, während Bedenken hinsichtlich Transparenz und Kreditdisziplin das Vertrauen in die Anlageklasse belasten. Besonders betroffen waren damals Vehikel, die auch Privatanlegern zugänglich sind – genau jene Zielgruppe, die Private-Equity-Gesellschaften in den Vorjahren aggressiv umworben hatten.
Am 27. März 2026 wurden die Ausmaße des Kapitalabzugs konkreter: Mehr als 11 Milliarden US-Dollar zogen Investoren in den vorangegangenen zwei Quartalen aus Private-Credit-Fonds ab. Gleichzeitig sammelten BDCs in den fünf Monaten bis Februar lediglich 12,4 Milliarden Dollar an frischem Kapital ein – bei spürbar verlangsamtem Tempo. Die Daten stammen von der Investmentbanking-Firma Robert A. Stanger.
Am 24. April 2026 berichtete aktien.news über eine weitere Dimension des Drucks: Einige Investoren nutzen gezielt Bewertungsunterschiede zwischen verschiedenen Kreditfonds aus. Sie schichten Barmittel von einem Fonds in einen anderen um – ein klassisches Arbitrage-Geschäft, das den Druck auf schwächere Fonds zusätzlich verstärkt, weil Kapital systematisch aus ihnen abfließt.
Schließlich meldete aktien.news am 11. Mai 2026, dass auch Apollo Global Management den Verkauf seiner börsennotierten BDC MidCap Financial Investment Corp. (MFIC) erwägt. Apollo bewertet den Fonds und seine Investitionen mit rund 3 Milliarden US-Dollar. Auch dort befanden sich die Gespräche in einem frühen Stadium ohne Abschlussgarantie. Dieser Fall zeigt, dass selbst etablierte Großadressen bereit sind, BDC-Mandate abzugeben – was das Angebot an potenziellen Übernahmekandidaten weiter vergrößert.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Private-Credit-Markt in erster Linie über internationale Fonds und zunehmend über europäische Produkthüllen zugänglich. BDCs selbst sind ein primär US-amerikanisches Konstrukt, aber die Verwerfungen im Segment strahlen auf die gesamte Anlageklasse aus. Wer in Private-Credit-Strategien investiert ist – etwa über Dachfonds, Versicherungsprodukte oder spezialisierte Publikumsfonds –, sollte die Entwicklungen aufmerksam verfolgen.
Die Konsolidierung kann mittelfristig stabilisierend wirken: Wenn starke Anbieter schwache Fonds übernehmen, sinkt das Risiko von Notverkäufen im Portfolio und die operative Qualität der Verwaltung steigt tendenziell. Kurzfristig jedoch schafft die Unsicherheit über laufende Verkaufsprozesse Bewertungsrisiken, insbesondere wenn Fonds zu Abschlägen auf ihren Nettoinventarwert gehandelt werden. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich aus den vorliegenden Informationen nicht ableiten.
Ausblick
Die laufenden Gespräche zwischen Verkäufern und potenziellen Käufern befinden sich nach Angaben der Insider noch in einem vorläufigen Stadium. Es gibt keine Garantie, dass die Verhandlungen zu einem Abschluss führen. Ob und wann konkrete Transaktionen bekannt gegeben werden, ist derzeit offen. Der Markt bleibt damit in einer Phase erhöhter Unsicherheit, in der weitere Bewegungen – sowohl Übernahmen als auch gescheiterte Prozesse – möglich sind.
Kurz erklärt
- Private Credit: Direkte Kreditvergabe an Unternehmen außerhalb des klassischen Bankensystems, ohne Einschaltung einer Bank als Intermediär.
- BDC (Business Development Company): In den USA regulierte Investmentgesellschaft, die Kapital an kleine und mittelständische Unternehmen vergibt und börslich oder außerbörslich gehandelt werden kann.
- Arbitrage: Ausnutzung von Preisunterschieden für dasselbe oder gleichwertige Vermögenswerte an verschiedenen Märkten oder in verschiedenen Fonds, um einen risikoarmen Gewinn zu erzielen.
