Polens Zentralbank hält Leitzins bei 3,75% – Nahost-Konflikt bremst Zinssenkungen
Der Geldpolitische Rat Polens ließ den Referenzzins unverändert – Rohstoffpreise und Nahostkonflikt schüren Inflationssorgen.

Polens Zentralbank (Narodowy Bank Polski) hat ihren Leitzins am Donnerstag erwartungsgemäß bei 3,75% belassen. Alle 30 von der Nachrichtenagentur Reuters befragten Analysten hatten diese Entscheidung vorhergesagt. Als Hauptgrund nannte die Notenbank die gestiegene Unsicherheit durch den Nahostkonflikt und die damit verbundenen Rohstoffpreiserhöhungen.
Die Entscheidung folgt auf eine Zinssenkung um 25 Basispunkte im Vormonat, die den Referenzzins auf das aktuelle Niveau von 3,75% gedrückt hatte. Seit Mai 2025 hat die polnische Zentralbank die Kreditkosten insgesamt um zwei Prozentpunkte gesenkt – ein deutliches Signal für den bisherigen Lockerungskurs der Geldpolitik.
Nahostkonflikt als zentrales Inflationsrisiko
Zentralbankchef Adam Glapinski hatte bereits nach der Zinssenkung im März den Iran-Krieg als das größte Risiko für die Inflation in Polen bezeichnet. Gleichzeitig deutete er an, dass weitere Senkungen möglich wären, falls sich die geopolitische Lage schnell beruhigen sollte. Mehrere Ratsmitglieder äußerten sich jedoch zuletzt zurückhaltender und signalisierten, dass sie angesichts des andauernden Konflikts in naher Zukunft keine weitere geldpolitische Lockerung erwarten.
Die polnische Inflation beschleunigte sich im März auf 3,0% gegenüber dem Vorjahr – nach 2,1% im Februar. Haupttreiber waren Kraftstoffpreiserhöhungen als direkte Folge des Nahostkonflikts. Damit entfernt sich die Teuerungsrate zunehmend vom Zielwert der Zentralbank, der bei 2,5% liegt.
Experten rechnen mit langer Zinspause
Piotr Bielski, Leiter der Abteilung für Wirtschaftsanalyse bei der Santander Bank Polska, kommentierte die Entscheidung klar: „Die Entscheidung, die Zinsen unverändert zu lassen, war angesichts der Tatsache, dass ein sprunghafter Anstieg der Rohstoffpreise die Unsicherheit über die Inflationsaussichten erhöht hat, recht offensichtlich."
Bielski geht davon aus, dass die Inflation in Polen trotz staatlicher Gegenmaßnahmen – darunter Steuersenkungen und Preisobergrenzen an Tankstellen – vor Ende 2027 nicht auf den Zielwert von 2,5% zurückkehren wird. Entsprechend erwartet er, dass die polnische Zentralbank die Zinsen bis Ende 2027 unverändert lassen wird. Das würde eine mehrjährige Zinspause bedeuten – ein deutlicher Kurswechsel gegenüber dem bisherigen Lockerungstrend.
Für deutsche Anleger und Beobachter des mitteleuropäischen Wirtschaftsraums ist die Entwicklung in Polen von Interesse: Das Land gilt als eine der dynamischsten Volkswirtschaften der EU, und die Geldpolitik der Narodowy Bank Polski beeinflusst sowohl den polnischen Zloty als auch die Investitionsbedingungen in der Region. Der Geldpolitische Rat wird eine offizielle Erklärung zur Sitzung veröffentlichen. Gouverneur Glapinski wird voraussichtlich um 13:00 Uhr GMT eine Pressekonferenz abhalten, um die Entscheidung des Gremiums zu erläutern.
