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Oracle beruft sich auf Force Majeure bei umstrittenem Project Jupiter

Der Technologie-Riese will Zahlungen verzögern, falls das Rechenzentrum in New Mexico 2028 nicht wie geplant online geht.

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Oracle beruft sich auf Force Majeure bei umstrittenem Project Jupiter

Oracle Corp. unternimmt Schritte, um sich vor den Kosten für ein massives Rechenzentrum zu schützen, das im US-Bundesstaat New Mexico gebaut wird. Der Technologie-Riese hat dem Entwickler des Projekts, einer Abteilung der Blue Owl Capital Inc., eine Mitteilung wegen höherer Gewalt („Force Majeure“) zugesandt. Das berichteten Personen mit Kenntnis der Lage, die ihre Namen nicht nennen wollten, da es sich um private Angelegenheiten handelt. Die Informationen stammen aus einem Bericht von Bloomberg Europe.

Damit fügt Oracle einem Projekt ein neues Detail hinzu, das von Widerstand und regulatorischen Rückschlägen geplagt ist. Statt als Hauptmieter vom Standort abzurücken, versucht das Unternehmen, Zahlungen zu verzögern, falls das als „Project Jupiter“ bezeichnete Rechenzentrum scheitert und nicht wie geplant im Jahr 2028 online geht. Die Mitteilung ist damit kein Rückzug, sondern eine Absicherung gegen einen möglichen Fehlschlag.

Der Vorgang ist bemerkenswert, weil Oracle in den vergangenen Monaten bereits mehrfach mit Hindernissen bei seinen Rechenzentrumsprojekten zu kämpfen hatte. Die Force-Majeure-Klausel soll dem Konzern finanzielle Spielräume sichern, sollte das Vorhaben in New Mexico nicht wie vorgesehen realisiert werden.

Die Details

Die zentrale Information ist die Mitteilung wegen höherer Gewalt an die Entwicklerabteilung von Blue Owl Capital Inc. Force Majeure ist ein juristischer Begriff für unvorhersehbare Ereignisse, die eine Vertragspartei von ihren Pflichten befreien können. Im konkreten Fall geht es nicht darum, dass Oracle den Standort aufgibt. Stattdessen soll der Konzern als Hauptmieter im Vertrag bleiben, aber Zahlungen aufschieben dürfen, falls „Project Jupiter“ nicht planmäßig an den Start geht.

Der geplante Zeitpunkt für den Live-Betrieb ist das Jahr 2028. Scheitert das Rechenzentrum bis dahin, greift nach Darstellung der Personen mit Kenntnis der Lage die Verzögerungsklausel. Damit verschiebt Oracle einen Teil des finanziellen Risikos auf den Entwickler. Für den Konzern geht es um erhebliche Summen, denn Rechenzentren für KI-Workloads gehören zu den kapitalintensivsten Investitionen der Branche.

Blue Owl Capital ist ein Finanzpartner, der die Infrastruktur für das Projekt bereitstellt. Dass Oracle ausgerechnet gegenüber einem Kapitalgeber auf Force Majeure zurückgreift, zeigt, wie angespannt die Lage rund um das Vorhaben ist. Der Konzern will offenbar flexibel bleiben, ohne das Projekt formell zu kündigen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 21.07.2026 berichtete aktien.news, dass Oracle milliardenschwere Sicherheiten für ein Rechenzentrum in Wisconsin drohen. Die Public Service Commission of Wisconsin besteht auf Sicherheitsleistungen von mehr als 7 Milliarden US-Dollar für ein geplantes Rechenzentrum in Port Washington. Die Behörde lehnte es ab, die dem Energieversorger We Energies auferlegten Kreditregeln zu überdenken, und verlangt von Oracle ein Sicherheitsakkreditiv in Höhe von 7 Milliarden Dollar – zu jährlichen Kosten von mehr als 100 Millionen US-Dollar. Diese Vorschriften sollen Haushalte vor steigenden Stromkosten schützen.

Am 07.03.2026 meldete aktien.news, dass Oracle und OpenAI ihre gemeinsamen Pläne zum Ausbau eines Flaggschiff-Rechenzentrums für künstliche Intelligenz im US-Bundesstaat Texas aufgegeben haben. Bloomberg News zufolge waren langwierige Finanzierungsverhandlungen und veränderte Anforderungen seitens OpenAI der Hintergrund. Das geplante Rechenzentrum galt als zentrales Element der wachsenden KI-Infrastruktur beider Unternehmen.

Bereits am 06.03.2026 berichtete aktien.news über geplante Massenentlassungen bei Oracle. Bloomberg News zufolge wollte der Konzern Tausende Arbeitsplätze abbauen, weitreichender als die üblichen rollierenden Stellenstreichungen. Als Grund galten die massiv gestiegenen Investitionsausgaben für den Ausbau der Rechenzentrumskapazitäten. Oracle hatte im Dezember angekündigt, im Geschäftsjahr 2026 rund 15 Milliarden US-Dollar mehr zu investieren als die ursprünglich veranschlagten 35 Milliarden Dollar.

Am 25.07.2026 berichtete aktien.news, dass Oracle bis zum Geschäftsjahr 2027 mehr als 90 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur investieren will. Rund 40 Milliarden Dollar dieser Ausgaben sollen durch neue Schulden und die Ausgabe von Eigenkapital finanziert werden. Als zentraler Risikofaktor gilt die Gesetzgebung auf Ebene der Bundesstaaten, die Oracle weder durch Effizienzmaßnahmen noch durch strategische Entscheidungen vollständig kontrollieren kann.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ist die Nachricht ein weiteres Puzzlestück in der Bewertung der Oracle-Aktie. Der Konzern hat sich mit seinen Rechenzentrumsinvestitionen stark engagiert und finanziert einen erheblichen Teil über Schulden und Eigenkapital. Jede Verzögerung oder jedes Scheitern eines Projekts belastet damit direkt die Bilanz.

Die Force-Majeure-Mitteilung zeigt, dass Oracle selbst Zweifel an der termingerechten Fertigstellung von „Project Jupiter“ hat. Anleger sollten die Meldung als Hinweis auf ein gestiegenes Ausführungsrisiko lesen, nicht als akute Krise. Der Konzern bleibt Hauptmieter, sichert sich aber gegen den Ernstfall ab.

Auch die regulatorischen Hürden in Wisconsin und der gestoppte Texas-Ausbau mit OpenAI verdeutlichen ein Muster: Oracle wächst schnell im KI-Geschäft, stößt aber zunehmend an finanzielle und regulatorische Grenzen. Das erhöht die Unsicherheit über die künftige Ertragskraft. Hinzu kommt, dass Oracle einer der wichtigsten Cloud- und Infrastrukturanbieter für KI-Workloads weltweit ist und damit in einem besonders kapitalintensiven Markt agiert.

Ausblick

Der entscheidende Termin bleibt das Jahr 2028, in dem „Project Jupiter“ nach Plan online gehen soll. Gelingt das nicht, greift nach den vorliegenden Informationen die Verzögerungsklausel zugunsten von Oracle. Ob und wann das Rechenzentrum in New Mexico fertiggestellt wird, hängt auch vom Entwickler Blue Owl Capital ab.

Offen bleibt, wie Oracle den Spagat zwischen massiven KI-Investitionen und finanzieller Disziplin auflöst. Der Konzern will bis zum Geschäftsjahr 2027 mehr als 90 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur stecken. Neue Details zu den einzelnen Projekten dürften die Aktie weiter bewegen. Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob sich die massiven Investitionen am Ende auszahlen.

Kurz erklärt

  • Force Majeure: juristischer Begriff für höhere Gewalt, also unvorhersehbare Ereignisse, die eine Vertragspartei von ihren Pflichten befreien können
  • Rechenzentrum: Gebäude mit vielen Servern, in dem IT-Systeme und KI-Anwendungen betrieben werden
  • Hauptmieter: Vertragspartei, die den Großteil einer Immobilie oder Anlage anmietet und dafür regelmäßig zahlt
  • Sicherheitsakkreditiv: von einer Bank ausgestellte Garantie, die einen Zahlungsanspruch absichert
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