Ölpreise steigen nach Anschlag auf saudische Pipeline und Spannungen
Brent-Rohöl steigt um fünf Prozent, nachdem Saudi-Arabien wichtige Export-Pipeline schließen musste.

Die Ölpreise sind am Montag deutlich gestiegen, nachdem eine Welle von Angriffen auf die saudische Energieinfrastruktur das Königreich zur Schließung einer lebenswichtigen Export-Pipeline gezwungen hat. Der Preis für die Nordseesorte Brent legte zeitweise um bis zu fünf Prozent auf 109,80 US-Dollar pro Barrel zu, bevor er sich bei knapp unter 109 US-Dollar stabilisierte. Auch die US-Rohölsorte WTI verzeichnete einen Anstieg von 4,4 Prozent auf 104,45 US-Dollar.
Hintergrund der Preisbewegung ist ein Drohnenangriff auf die East-West-Pipeline, die sich über 1.200 Kilometer durch Saudi-Arabien erstreckt. Mit einer Kapazität von bis zu sieben Millionen Barrel Öl täglich dient sie als entscheidende Route für Exporte zum Roten Meer. Die Pipeline bietet eine wichtige Alternative zur Straße von Hormus, deren Schifffahrt durch den Konflikt zwischen dem Iran sowie den USA und Israel seit Februar stark eingeschränkt ist.
Laut Informationen von zwei regionalen Beamten gegenüber der Associated Press wird die Pipeline aufgrund von Schäden an einer Pumpstation voraussichtlich drei bis fünf Wochen außer Betrieb bleiben. Ein Teilbetrieb während der Reparaturarbeiten könnte jedoch möglich sein.
Geopolitische Eskalation belastet die Märkte
Saudi-Arabien macht vom Iran unterstützte Milizen im Irak für den Drohnenangriff verantwortlich, der die Schließung am vergangenen Donnerstag auslöste. Die Spannungen verschärften sich zusätzlich durch eine Reihe von Angriffen durch Houthi-Rebellen, die im Zuge des jemenitischen Bürgerkriegs ihre Positionen entlang der Küste des Roten Meeres und nahe der strategisch wichtigen Bab-el-Mandeb-Straße ausgebaut haben.
Die angespannte geopolitische Lage führte zudem zum Scheitern eines geplanten regionalen Treffens in Salalah, Oman. Dort sollten Außenminister der Golfkooperationsrat-Staaten (GCC) und des Irans über ein von Oman und Teheran ausgehandeltes Abkommen zur vorübergehenden Verwaltung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus beraten.
Wie aus informierten Kreisen verlautete, zog sich Saudi-Arabien von dem Treffen zurück. Das Königreich erhob Einwände gegen Formulierungen im Entwurf des Abkommens, die Präzedenzfälle für eine künftige iranische Kontrolle über die Meerenge hätten schaffen können. Auch Bahrain hatte bereits zuvor seine Teilnahme abgesagt.
Iran erhöht den Druck
Das iranische Außenministerium bestätigte die Verschiebung des Treffens auf Wunsch Saudi-Arabiens. Während Oman auf einen neuen Termin am Rande der UN-Generalversammlung hofft, unterstreicht die aktuelle Lage die festgefahrenen Bemühungen um eine Deeskalation.
Teheran verschärfte den Druck zusätzlich, indem es eine Liste von 77 „nicht konformen“ Schiffen veröffentlichte, denen künftig Sanktionen wie Bußgelder oder Beschlagnahmungen drohen. Die iranische Führung knüpft eine vollständige Öffnung der Straße von Hormus weiterhin an die Aufhebung von Sanktionen und den Zugang zu eingefrorenen Vermögenswerten.
Die USA lehnen eine Rückkehr zum gescheiterten Memorandum of Understanding (MoU) vom Juni ab und pochen auf ein umfassenderes Abkommen. Für die globalen Ölmärkte bleibt die Lage damit hochgradig angespannt, da sowohl die Pipeline-Schließung als auch die Blockade der Straße von Hormus die Versorgungssicherheit massiv beeinträchtigen.
