Ölpreise erholen sich nach US-Iran-Gesprächen und Dollarstärke
Brent und WTI legen leicht zu, nachdem geopolitische Entspannung und starker Dollar den Markt bewegten.

Die Ölpreise zeigten sich am Dienstag in Asien leicht erholt, nachdem sie in der vorangegangenen Sitzung deutliche Verluste verzeichnet hatten. Brent-Rohöl stieg um 0,2 Prozent auf 66,42 US-Dollar pro Barrel, während West Texas Intermediate (WTI) um 0,3 Prozent auf 61,90 US-Dollar zulegte. Die Erholung folgt auf einen Rückgang von mehr als 4 Prozent am Montag.
Auslöser für die Preisbewegungen waren Berichte über eine Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den USA und dem Iran am kommenden Freitag in der Türkei. Die Verhandlungen sollen sich auf die iranischen Nuklearambitionen konzentrieren und haben Befürchtungen vor einem regionalen Krieg im Nahen Osten zunächst zerstreut. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor wiederholt mit militärischen Maßnahmen gedroht und mehrere Kriegsschiffe in die Region entsandt.
Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian signalisierte Gesprächsbereitschaft, forderte jedoch, dass "Drohungen und unangemessene Erwartungen" vermieden werden müssten. Analysten von OANDA sehen die volatilen Preisbewegungen der letzten vier Wochen durch die geopolitische Risikoprämie im Zusammenhang mit der wechselhaften US-Außenpolitik gegenüber dem Iran getrieben.
Dollar-Erholung belastet Rohstoffpreise
Zusätzlichen Abwärtsdruck auf die Ölpreise übte ein festerer US-Dollar aus. Der Greenback erholte sich stark von nahe viereinhalbjährigen Tiefs, nachdem Präsident Trump Kevin Warsh als neuen Vorsitzenden der Federal Reserve nominiert hatte. Warsh gilt als weniger "dovish" als erwartet und soll die Bilanzkäufe der Zentralbank begrenzen, was zu einer restriktiveren Geldpolitik führt.
Ein stärkerer Dollar verteuert in der US-Währung denominiertes Rohöl für ausländische Käufer und verringert damit die Nachfrage. Analysten von ING bestätigten, dass die Dollar-Erholung nach der Warsh-Nominierung einen deutlichen Abwärtsdruck auf die Ölpreise ausübte. Die Märkte hatten zuvor auf eine lockerere Geldpolitik gehofft.
US-Indien-Handelsabkommen im Fokus
Ein weiterer wichtiger Faktor ist ein lange erwartetes Handelsabkommen zwischen den USA und Indien. Unter dieser Vereinbarung soll Indien beginnen, Öl aus den USA und möglicherweise Venezuela zu kaufen und gleichzeitig seine Importe von russischem Öl einzustellen. Dies war ein wichtiger Streitpunkt mit Washington.
Analysten von ING merkten an, dass ein solches Abkommen zu einem weiteren Anstieg des auf See befindlichen russischen Öls führen könnte. Die Reduzierung indischer Käufer könnte Russland zusätzlich unter Druck setzen, den Krieg in der Ukraine zu beenden. Für Februar erwarten Analysten von Phillip Nova weiterhin schwankende und bandbreitengebundene Preise, die stark auf Schlagzeilen und makroökonomische Impulse reagieren.
Edelmetalle unter Druck
Die Dollarstärke und die Entspannung der geopolitischen Lage trafen besonders Edelmetalle wie Gold und Silber. Gold erlebte am Freitag einen der größten prozentualen Rückgänge seit der Finanzkrise 2008. Nach einem anfänglichen Absturz erholten sich die Metalle jedoch am frühen europäischen Handelstag spürbar von ihren Tiefstständen.
Die Volatilität bleibt hoch, und der Fokus verschiebt sich nun auf US-Wirtschaftsdaten, insbesondere den Arbeitsmarktbericht am Freitag. Diese Daten könnten die Richtung des Dollars und damit auch der Rohstoffpreise weiter beeinflussen. Einige Händler nutzten die Rückgänge bereits zum Kauf.
