NuScale-Aktie fällt auf 4,37 Dollar: Ist das Bargeld wirklich sicher?
Der Reaktorentwickler notiert nahezu auf Höhe seiner liquiden Mittel – doch eine Meilensteinvereinbarung könnte viel davon an den Partner ENTRA1 senden.

NuScale Power hat am Donnerstag, dem 5. November, bei 4,37 Dollar geschlossen – ein Tagesverlust von 15 Prozent. Damit notiert die Aktie des Entwicklers kleiner modularer Reaktoren rund 92 Prozent unter ihrem Rekordstand von 53,43 Dollar aus dem Oktober 2025. Es war der niedrigste Schlusskurs seit März 2024. Der Geschäftsbericht für das dritte Quartal wurde erst nach Börsenschluss an diesem Tag veröffentlicht.
Zu diesem Preis beläuft sich die Marktkapitalisierung von NuScale auf etwa 1,88 Milliarden Dollar, einschließlich sowohl der Class-A- als auch der Class-B-Aktien. Ende September verfügte das Unternehmen über rund 1,86 Milliarden Dollar an Bargeld, bargeldähnlichen Mitteln sowie kurz- und langfristigen Anlagen – und das ohne Schulden. Anders ausgedrückt: Der Markt weist dem einzigen kleinen modularen Reaktordesign, das von der US-Atomenergieaufsichtsbehörde NRC zertifiziert ist, derzeit wohl kaum einen Wert zu.
Der Autor des zugrunde liegenden Berichts von The Motley Fool hatte bereits im Oktober, als die Aktie bei 5,69 Dollar schloss, angekündigt, den Quartalsbericht abwarten zu wollen, bevor er kauft. Der Bericht entkräftete eine Sorge: NuScale hatte keine neuen Aktien verkauft. Doch die Frage, ob das Bargeld so sicher ist, wie es scheint, blieb offen.
Die liquiden Mittel schrumpften im dritten Quartal nur um rund 29 Millionen Dollar
Verluste zehren an einer Bargeldreserve, und Aktienverkäufe verteilen sie auf mehr Aktien. Im dritten Quartal richtete beides keinen großen Schaden an. NuScales Bargeld und Investitionen gingen nur um etwa 29 Millionen Dollar zurück, von rund 1,89 Milliarden Dollar auf etwa 1,86 Milliarden Dollar.
Der operative Verlust belief sich im dritten Quartal auf 64,8 Millionen Dollar, nach 64,0 Millionen Dollar im zweiten Quartal. Im ersten Quartal hatte er noch bei 57,5 Millionen Dollar gelegen. Die Verluste scheinen sich also zu stabilisieren. Hinzu kommen die Zinsen auf das gesamte Bargeld: Die Anlagerträge erreichten 19,1 Millionen Dollar und lagen damit mehr als dreimal so hoch wie im Vorjahr. Das drückte den Nettoverlust auf 45,7 Millionen Dollar.
In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 verbrauchten die Operationen etwa 142 Millionen Dollar an Bargeld, abzüglich einer 260-Millionen-Dollar-Zahlung an den Kommerzialisierungspartner ENTRA1 Energy. Das entspricht grob 47 Millionen Dollar pro Quartal. Neue Aktien verkaufte NuScale im dritten Quartal nicht. Zwar startete das Unternehmen im August ein Programm zum Verkauf von Anteilen bis zu einem Gesamtwert von 750 Millionen Dollar über einen Zeitraum. Der Aktienbestand am 30. Oktober – rund 430 Millionen über beide Klassen hinweg – war jedoch im Wesentlichen unverändert gegenüber dem Ende des Septembers.
Die Ausgaben könnten dennoch steigen, da NuScale einen südkoreanischen Hersteller für die Produktion von Teilen ihres ersten Moduls bezahlt. Nach Einschätzung des Autors könnte das Bargeld die Operationen im aktuellen Neunmonats-Tempo dennoch noch jahrelang finanzieren. Der Umsatz im dritten Quartal fiel allerdings auf 281.000 Dollar, nach 8,2 Millionen Dollar im Vorjahresquartal – damals erbrachte NuScale noch Ingenieurleistungen für ein geplantes Kraftwerk in Rumänien.
Der wichtigste Deal für Anleger ist weiterhin unverbindlich
Der Vertrag, der die Anleger am meisten interessiert, ist bislang nicht bindend. Im September 2025 unterzeichnete ENTRA1 eine unverbindliche Vereinbarung mit der Tennessee Valley Authority (TVA) zur Entwicklung von bis zu 6 Gigawatt neuer nuklearer Leistungskapazität. ENTRA1 hat erklärt, dass sie beabsichtigt, die Ausrüstung von NuScale zu nutzen.
Auf die Frage während der Gewinnkonferenz, wann ein kommerzielles Abkommen erreicht werden könnte, nannte CEO John Hopkins kein Datum. „Es ist ein Prozess. Er war langwierig, wie wir wissen“, sagte er. Selbst ein unterzeichneter Stromliefervertrag wäre kein Modulverkauf. CFO Ramsey Hamady erklärte während der Konferenz, dass der Stromvertrag zwischen ENTRA1 und TVA geschlossen würde, während der Modulverkauf später unter einem separaten Abkommen erfolgen soll.
Die Meilensteinvereinbarung könnte einen Großteil des Bargelds an ENTRA1 senden
Eine Aktie, die zu ihrem Bargeldwert handelt, kann wie eine sichere Wertanlage aussehen. Bei NuScale ist der Autor davon nicht überzeugt. Gemäß einer Meilensteinvereinbarung aus dem Jahr 2025 schuldet NuScale ENTRA1 Zahlungen, wenn das TVA-Programm voranschreitet.
Die erste Zahlung, ausgelöst durch die unverbindliche Vereinbarung für 72 Module von NuScale, belief sich auf eine Aufwendung von 507 Millionen Dollar, die in den Einreichungen von NuScale als 15 Prozent der Gesamtsumme angegeben wird. Ein verbindlicher Stromliefervertrag löst die zweite Zahlung in Höhe von 35 Prozent aus. Eine Modulbestellung löst die dritte Zahlung in Höhe von 50 Prozent aus.
Wenn dieser Umfang von 72 Modulen Bestand hat, würde die zweite Zahlung nahezu 1,2 Milliarden Dollar betragen – rund 64 Prozent von NuScales aktuellem Bargeld und seinen Investitionen. Die dritte würde weitere fast 1,7 Milliarden Dollar hinzufügen. Eine Bestellung sollte irgendwann Geld vom Käufer hereinbringen. Doch die gute Nachricht, auf die die Anleger warten, ist zugleich das Ereignis, das einen Großteil dieses Bargeldes an ENTRA1 senden könnte.
Bereits im Mai 2026 berichtete aktien.news über deutlich höhere Bewertungen
Die aktuelle Bewertung markiert das Ende einer steilen Talfahrt. Bereits am 11.05.2026 berichtete aktien.news, dass NuScale Power das einzige Kernenergieunternehmen in den USA mit einem staatlich genehmigten Design für einen kleinen modularen Reaktor sei. Die Aktie notierte damals bei rund 12 Dollar und wies eine Marktkapitalisierung von etwa 4 Milliarden Dollar auf. Im Oktober 2025 hatte sie ein Allzeithoch von rund 57 Dollar erreicht, was damals einer Marktkapitalisierung von etwa 17 Milliarden Dollar entsprach. Gemessen am Umsatz von lediglich rund 30 Millionen Dollar in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 war die Bewertung damals extrem hoch.
Am 13.09.2026 berichtete aktien.news über eine Modellrechnung von The Motley Fool: Eine Investition von 1.000 Dollar zu einem Kurs von 10 Dollar pro Aktie könnte bis 2030 einen Wert von 5.742 Dollar erreichen, sofern das Unternehmen das 52-Wochen-Hoch von 57,42 Dollar wiedererlangt. Diesen Preis hatte NuScale Mitte Oktober 2025 erreicht.
Am 14.09.2026 meldete aktien.news, dass NuScale bald mit dem Bau der weltweit größten Anlage für kleine modulare Reaktoren beginnen könnte. Das Unternehmen ist bislang das einzige, das von den US-Aufsichtsbehörden die Genehmigung für ein SMR-System erhalten hat. Die Aktie war damals in zwölf Monaten um rund 75 Prozent gefallen. Am 16.09.2026 berichtete aktien.news über einen Fertigungsmeilenstein: Gemeinsam mit dem Technologiepartner MilleniTEK wurden erstmals Boroxid-Pellets für das passive Notkühlsystem des Kernreaktors erfolgreich gefertigt.
Für deutsche Anleger bleibt die Bewertung ein zweischneidiges Bild
Auf den ersten Blick sieht eine Aktie, die nahezu zum Wert ihres Bargelds handelt, günstig aus. NuScales Marktkapitalisierung von etwa 1,88 Milliarden Dollar liegt nur knapp über den rund 1,86 Milliarden Dollar an liquiden Mitteln. Doch der Autor des Berichts sieht das Bargeld nicht als großen Schutz für die Aktionäre, weil die Meilensteinvereinbarung mit ENTRA1 bei Fortschritten des TVA-Programms erhebliche Mittel binden könnte. Deutsche Privatanleger sollten zudem beachten, dass die Aktie an der NYSE notiert und Währungseffekte zwischen Dollar und Euro den Ertrag beeinflussen können. Der Umsatz ist zuletzt auf 281.000 Dollar eingebrochen, während die Verluste weiterlaufen.
Ein Termin für ein verbindliches Abkommen steht weiterhin nicht fest
CEO John Hopkins nannte während der Gewinnkonferenz kein Datum für ein mögliches kommerzielles Abkommen mit der TVA. Er beschrieb den Prozess als langwierig. Auch CFO Ramsey Hamady machte deutlich, dass ein Stromliefervertrag und ein späterer Modulverkauf getrennte Vereinbarungen wären. Damit hängt der nächste mögliche Kurstreiber – eine verbindliche Vereinbarung – weiter in der Schwebe. Klar ist nur, dass eine solche Vereinbarung die zweite Meilensteinzahlung von 35 Prozent auslösen würde.
Diese Fachbegriffe helfen beim Verständnis des Berichts
- Marktkapitalisierung: Der Börsenwert eines Unternehmens, der sich aus dem Aktienkurs und der Anzahl aller ausgegebenen Aktien ergibt.
- Small Modular Reactor (SMR): Ein kleiner, modular aufgebauter Kernreaktor, der sich in mehreren Einheiten kombinieren lässt.
- Stromliefervertrag: Ein Vertrag, in dem ein Abnehmer über einen festen Zeitraum Strom zu vereinbarten Bedingungen bezieht.
