Novo verteidigt Diversifizierungsstrategie: CEO sucht Deals jenseits der Adipositas-Behandlung
Novo-CEO Mike Doustdar kündigt M&A-Pläne an, während der Gewichtsabnahme-Markt zunehmend umkämpft ist.

Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk verteidigt seine Diversifizierungsstrategie und zieht Übernahme- und Fusionsmöglichkeiten in Betracht. Das erklärte CEO Mike Doustdar gegenüber CNBC am Rande des Capital Markets Day am Montag. Das Unternehmen sieht sich einem wachsenden Wettbewerb im überfüllten Markt für Gewichtsabnahmepräparate gegenüber.
Die Aktie von Novo Nordisk notierte zuletzt knapp unter der Nulllinie mit einem Minus von 0,75 Prozent. Bereits am Montag war der Kurs um fast 8 Prozent eingebrochen – der schlechteste Handelstag seit Februar. Anleger zeigten sich enttäuscht von dem vorgelegten Wendeplan, der offenbar nicht die erhoffte Überzeugungskraft entfalten konnte.
Wachstumspläne bis 2035
Das Unternehmen skizzierte ehrgeizige Pläne, bis 2030 mehr als fünf sogenannte "Multi-Blockbuster"-Medikamente auf den Markt zu bringen. Diese sollen bis 2035 einen Umsatz von mehr als 150 Milliarden dänischen Kronen (rund 23 Milliarden US-Dollar) generieren. Zudem gab Novo eine Prognose für das Umsatzwachstum ab, die mit Branchengrößen wie Eli Lilly, AstraZeneca, Amgen, Biogen, Merck, AbbVie und Novartis übereinstimmt.
Genau diese Übereinstimmung mit den Wettbewerbern sorgte jedoch für Unmut unter den Investoren. Analysten erklärten am Montag gegenüber CNBC, dass viele Anleger auf ein "Wunder" gehofft hätten. Das Zielwachstum auf dem Niveau der Konkurrenz deute auf langsamere Fortschritte hin als erwartet.
Herausforderung durch Eli Lilly
Der wichtigste US-Wettbewerber Eli Lilly hat sich mit seinen injizierbaren GLP-1-Medikamenten Mounjaro und Zepbound einen großen Anteil am Gewichtsabnahmemarkt gesichert – obwohl diese erst Jahre später gestartet wurden. Lilly-CEO David Ricks sagte am Montag gegenüber CNBC, dass inzwischen ein Drittel der neuen GLP-1-Patienten die orale Gewichtabnahmepille Foundayo einnehme. "Wir sind langfristig optimistisch", betonte er.
Die Aktienentwicklung der beiden Konkurrenten könnte unterschiedlicher kaum sein: Während die Novo-Aktie im vergangenen Jahr um 34 Prozent gefallen ist, legte Lilly in den letzten zwölf Monaten um etwas mehr als 54 Prozent zu.
Ausblick auf neue Therapiefelder
Doustdar kündigte an, dass sich das Unternehmen über seine Kernbereiche Diabetes und Fettleibigkeit hinaus diversifizieren wolle. Im Fokus stehen der Ausbau des Portfolios bei Blut- und endokrinen Erkrankungen, Lebererkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese strategische Neuausrichtung soll die Abhängigkeit von einzelnen Blockbuster-Präparaten reduzieren.
Hintergrund der Diversifizierungsbemühungen ist der drohende Verlust wichtiger Exklusivrechte: Die aktive Zutat des Gewichtsabnahmemedikaments Wegovy verliert voraussichtlich Anfang der 2030er Jahre ihre zentralen Schutzrechte. Dann könnten günstigere Nachahmerprodukte auf den Markt drängen und den Umsatz des dänischen Konzerns erheblich unter Druck setzen.
Für deutsche Anleger bleibt Novo Nordisk trotz der jüngsten Kursverluste ein wichtiger Indikator für die Entwicklung des globalen Marktes für Stoffwechselmedikamente. Ob die Diversifizierungsstrategie aufgeht, wird maßgeblich davon abhängen, ob es dem Konzern gelingt, rechtzeitig neue Umsatzträger jenseits der Adipositas-Behandlung zu etablieren.
