NextDC-Aktie springt 42 Prozent: Goodman und Digital Realty kaufen Anteil
Goodman Group und Digital Realty sichern sich bis zu 9,9 Prozent an NextDC zu A$9.50 je Aktie – die Aktie steigt um mehr als 42 Prozent.

Die Aktie des australischen Rechenzentrumsbetreibers NextDC ist am Donnerstagmorgen um mehr als 40 Prozent gestiegen. Auslöser war die Ankündigung der Goodman Group und des in den USA notierten Rechenzentrumsbetreibers Digital Realty, einen Anteil an dem Unternehmen zu erwerben. Der vorgeschlagene Aktienkauf wurde mit einem Preis von A$9.50 pro Stück bewertet.
In einer regulatorischen Anmeldung vom selben Tag teilte NextDC mit, dass die beiden Unternehmen am Mittwoch nach dem Börsenhandel ein Bookbuilding durchgeführt und dabei Aktien zum Preis von A$9.50 pro Stück gesucht hätten. Die beiden Investoren treiben damit den Erwerb von Anteilen von bis zu 9,9 Prozent an dem Unternehmen voran. NextDC gab an, nicht über den Ausgang des Aktienkaufs informiert zu sein.
Im Tagesverlauf kletterten die Papiere um mehr als 42 Prozent. Der Anstieg stand in deutlichem Kontrast zur Entwicklung in den USA: Dort waren Datencenter-Aktien in der Nacht zuvor unter Druck geraten. Die Aktien von CoreWeave fielen um etwa 9 Prozent, während Iren am Mittwoch um rund 11,2 Prozent sanken.
Der NextDC-Vorstand bezeichnet den Einstieg der beiden Investoren als opportunistisch
Der Vorstand von NextDC bewertete den Schritt als „opportunistisch“. Er verwies darauf, dass er zwei Wochen nach der Bekanntgabe einer Verzögerung bei der Stromversorgung im Datencenter M3 Melbourne sowie der Anpassung der Guidance für das Geschäftsjahr 2027 erfolgte. Goodman und Digital Realty versicherten den Anlegern, sie hätten derzeit keine Absicht, ein Übernahmeangebot abzugeben, behielten sich dieses Recht jedoch vor.
Der Ausverkauf bei den US-Datencenter-Aktien folgte auf umfassende demokratische Erfolge bei den Zwischenwahlen in den USA. Damit verbinden Marktteilnehmer die Erwartung einer strengeren Prüfung und potenzieller Einschränkungen bei der Entwicklung von Datencentern. Solche Beschränkungen könnten den Ausbau der KI-Infrastruktur verlangsamen. Für NextDC bedeutete diese Gemengelage am Donnerstag dennoch ein deutliches Kursplus.
Bereits am 22. Oktober 2026 berichtete aktien.news über einen Kurssturz von 44 Prozent
Die jüngste Entwicklung ist ohne die Vorgeschichte der vergangenen Wochen kaum einzuordnen. Bereits am 22.10.2026 berichtete aktien.news, dass NextDC seine Anleger mit einer massiven Gewinnwarnung schockiert habe. Die Aktie brach am Mittwoch um bis zu 44 Prozent ein und schloss bei A$5.35. Damit war NextDC nur noch etwas mehr als A$4 Mrd. (2,8 Mrd. US-Dollar) wert. Anfang Juni hatten die Papiere noch über A$16 gekostet.
Auslöser des Kurssturzes war eine Mitteilung des Unternehmens, wonach sich die Arbeiten zur Aufrüstung der für das M3-Projekt in Melbourne benötigten Stromversorgung bis 2027 verzögern. Auch die planerischen Genehmigungen wurden auf die Zeit nach der Staatswahl im nächsten Monat verschoben. NextDC kürzte daraufhin seine Gewinnerwartungen um mehr als ein Drittel.
Bereits am 21.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktien des Rechenzentrumsbetreibers am Mittwoch um 39,5 Prozent eingebrochen waren. Auslöser war eine deutliche Senkung der Umsatz- und Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2027. Konkret senkte NextDC seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2027 auf einen Bereich zwischen 475 Millionen Australischen Dollar (A$) und A$500 Millionen; zuvor hatte das Unternehmen A$615 Millionen bis A$640 Millionen in Aussicht gestellt.
Auch die Kapitalseite des Unternehmens war zuletzt in Bewegung. Am 20.04.2026 berichtete aktien.news, dass NEXTDC Ltd eine Kapitalerhöhung in Höhe von 2,2 Milliarden Australischen Dollar plante. Der Schritt erfolgte vor dem Hintergrund einer stark wachsenden Nachfrage nach Rechenzentrums-Infrastruktur, die weltweit und insbesondere im asiatisch-pazifischen Raum an Dynamik gewinnt. NEXTDC gehört zu den führenden Betreibern von Rechenzentren in Australien und positioniert sich damit als einer der wichtigsten Profiteure des globalen Booms rund um Cloud-Computing, Künstliche Intelligenz und digitale Infrastruktur.
Auf der Käuferseite ist Digital Realty kein unbeschriebenes Blatt. Am 30.06.2026 berichtete aktien.news, dass die Aktie von Digital Realty Trust (DLR) im morgendlichen Handel 4,4 Prozent verlor, nachdem der Rechenzentrums-REIT den Abschluss einer milliardenschweren Übernahme bekanntgegeben hatte. Der Konzern erwarb die gemischte Eigenkapitalbeteiligung von Blackstone in Höhe von 64 Prozent an drei vollvermieteten Hyperscale-Rechenzentren in Nord-Virginia – für insgesamt 3,5 Milliarden US-Dollar. Die drei Rechenzentren verfügen über eine IT-Gesamtkapazität von 288 Megawatt und sind vollständig vermietet. Die Finanzierung der Transaktion erfolgte durch 1,2 Milliarden US-Dollar in bar sowie 2,3 Milliarden US-Dollar in neu ausgegebenen DLR-Aktien.
Der Einstiegspreis von A$9.50 liegt deutlich über dem Schlusskurs vom 22. Oktober 2026
Für deutsche Privatanleger ist vor allem die Bewertung des Einstiegs aufschlussreich. Der von Goodman und Digital Realty gesuchte Preis von A$9.50 pro Aktie liegt deutlich über dem Schlusskurs von A$5.35, den NextDC nach der Gewinnwarnung vom 22.10.2026 erreichte. Die beiden Investoren sichern sich damit einen Anteil von bis zu 9,9 Prozent an einem Unternehmen, dessen Guidance für das Geschäftsjahr 2027 erst kurz zuvor gesenkt worden war.
Zugleich bleibt die Einordnung schwierig: NextDC teilte mit, über den Ausgang des Aktienkaufs nicht informiert zu sein. Anleger erhalten damit keine Bestätigung, ob das Bookbuilding erfolgreich abgeschlossen wurde. Die Aktie reagierte dennoch mit einem Plus von mehr als 42 Prozent – ein Signal dafür, dass der Markt den Einstieg strategischer Investoren als Vertrauensbeweis wertet. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ob Goodman und Digital Realty ein Übernahmeangebot vorlegen, bleibt offen
Goodman und Digital Realty haben den Anlegern versichert, derzeit keine Absicht zu haben, ein Übernahmeangebot abzugeben. Sie behielten sich dieses Recht jedoch ausdrücklich vor. Für die weitere Entwicklung von NextDC bleibt die Verzögerung bei der Stromversorgung im Datencenter M3 Melbourne bis 2027 der zentrale Belastungsfaktor. Auch die planerischen Genehmigungen wurden auf die Zeit nach der Staatswahl verschoben.
Auf der anderen Seite steht die Nachfrage nach Rechenzentrums-Infrastruktur, die laut dem Bericht vom 20.04.2026 weltweit und insbesondere im asiatisch-pazifischen Raum an Dynamik gewinnt. In den USA wiederum könnten strengere Prüfungen und potenzielle Einschränkungen bei der Entwicklung von Datencentern den Ausbau der KI-Infrastruktur verlangsamen. Wie sich diese beiden Kräfte für NextDC auswirken, ist offen.
Die folgenden Begriffe helfen beim Verständnis des Artikels
- Bookbuilding: Verfahren, bei dem vor der Platzierung von Aktien bei institutionellen Anlegern Preis- und Mengeninteresse abgefragt wird.
- Übernahmeangebot: Öffentliches Angebot an alle Aktionäre, ihre Anteile zu einem festgelegten Preis zu verkaufen.
- Rechenzentrums-REIT: Börsennotierte Gesellschaft, die in Rechenzentren investiert und Erträge an ihre Anteilseigner ausschüttet.
