New Hampshire: Ayotte und Warmington streiten über Marihuana-Legalisierung
Gouverneurin Kelly Ayotte lehnt Legalisierung ab, Herausforderin Cinde Warmington will Steuereinnahmen im eigenen Bundesstaat behalten.

Der Streit um die Legalisierung von Marihuana bestimmt den Wahlkampf um das Gouverneursamt im US-Bundesstaat New Hampshire. In einer Debatte am Donnerstag prallten die republikanische Amtsinhaberin Kelly Ayotte und ihre demokratische Herausforderin Cinde Warmington mit gegensätzlichen Positionen aufeinander. Die Wahl findet im nächsten Monat statt.
"Ich lehne die Legalisierung von Cannabis in diesem Staat ab", sagte Gouverneurin Ayotte während der Veranstaltung. Sie begründete ihre Haltung mit dem Schutz von Kindern und dem Verweis auf die psychische Gesundheit junger Menschen. "Wenn ich an Kinder denke, stehen sie ganz oben auf meiner Prioritätenliste", so die Republikanerin. Wenn man etwas legalisiere, sende man jungen Menschen "eine völlig andere Botschaft bezüglich des Konsums".
Warmington hält dagegen und wirbt offensiv für einen regulierten Markt. "Ich unterstütze den Verkauf und die Legalisierung von Cannabis als zusätzliche Einnahmequelle in unserem Staat", erklärte die Demokratin in der Debatte. Sie verwies darauf, dass Bürgerinnen und Bürger derzeit über die Staatsgrenzen fahren müssten, um das Produkt zu erwerben.
Die Details
Ayotte verknüpfte ihre Ablehnung mit mehreren Argumenten. Sie sagte, andere Bundesstaaten, die Marihuana legalisiert hätten, verzeichneten "mehr Verkehrstote". Zudem argumentierte sie, der illegale Markt verschwinde nicht allein dadurch, dass der Staat ihn besteuere: "Der illegale Markt gedeiht weiterhin." Sie halte dies nicht für gut für die Lebensqualität im Bundesstaat New Hampshire und für die Kinder.
Auf die Frage einer Debattenmoderatorin, ob das Verbot eine verpasste Einnahmequelle darstelle, während die angrenzenden Bundesstaaten Cannabis bereits vollständig legalisiert hätten, antwortete Ayotte, "diese Einnahmen fordern einen enormen Preis". Sie ergänzte: "Es kostet uns die psychische Gesundheit unserer jungen Menschen. Es kostet uns unsere Lebensqualität." Mit einem Vergleich wandte sie sich gegen das Argument, man solle handeln, weil die Nachbarn es tun: "Wenn Johnny von der Brücke springt, wirst du dann auch von der Brücke springen?"
Warmington setzte dem ein Sicherheitsargument entgegen. "Durch die Legalisierung von Cannabis stellen Sie sicher, dass das, was verkauft wird, nicht das ist, was sie auf der Straße kaufen, was mit allerlei Giftstoffen versetzt sein kann, und wo auch synthetisches Marihuana auf der Straße verkauft wird", sagte sie. Ihr Fazit: "Es ist eine Sicherheitsfrage, sicherzustellen, dass wir Cannabis legalisieren."
Die Demokratin, die zuvor Mitglied des New Hampshire Executive Council war, hatte ihre Position bereits vor der Debatte öffentlich gemacht. Bei einer Town-Hall-Veranstaltung im vergangenen Monat sagte sie, es gebe "keinen Grund, warum die Bürger von New Hampshire über die Staatsgrenzen fahren sollen, um Steuern an Massachusetts, Vermont und Maine zu zahlen". In der Debatte sprach sie von "Millionen – ja, zig Millionen – Dollar an Steuern", die in einen Nachbarstaat flössen, obwohl diese Einnahmen im eigenen Bundesstaat bleiben sollten.
Ein zentraler Streitpunkt ist auch das medizinische Cannabisprogramm des Bundesstaates. Ayotte hatte kürzlich ein Gesetzgebungsvorhaben vetot, das es Unternehmen im bestehenden medizinischen Cannabisprogramm erlaubt hätte, in Gewächshäusern anzubauen. Ihr Veto wurde jedoch von den Gesetzgebern überschrieben, und das Gesetz zur Anpflanzung von medizinischem Marihuana ist trotz ihrer Einwände in Kraft getreten. In ihrer Veto-Erklärung schrieb die Gouverneurin lediglich: "Ich unterstütze die Ausweitung des Cannabis-Anbaus in unserem Staat nicht."
Warmington kritisierte dieses Veto bereits im Juni in einem in den sozialen Medien veröffentlichten Video. "Komm schon, Kelly. Sollten wir nicht versuchen, die Gesundheitskosten für die Granite-Staters erschwinglicher zu machen, statt weniger erschwinglich?", hieß es darin. Der Gesetzentwurf hätte medizinisches Cannabis für bedürftige Bürger "erschwinglicher und zugänglicher" gemacht. Zugleich warf sie Ayotte vor, die Medicaid-Prämien "für die verwundbarsten Granite-Staters um bis zu 270 Dollar pro Monat erhöht" und die Zuzahlungen für Verschreibungen angehoben zu haben.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 13.06.2026 berichtete aktien.news, dass Gouverneurin Kelly Ayotte ihr Veto gegen den Gesetzentwurf Senate Bill 468 eingelegt hatte. Der Entwurf hätte es Abgabestellen für medizinisches Marihuana erlaubt, eigene Gewächshäuser vor Ort zu betreiben, um das Angebot zu erhöhen und die Preise für Patienten zu senken. Eingebracht worden war er vom republikanischen Senator Howard Pearl aus Loudon. Ayotte stoppte damit eine parteiübergreifende Initiative.
Am 26.09.2026 meldete aktien.news, dass eine von der University of New Hampshire durchgeführte Umfrage eine deutliche Mehrheit gegen die Rücknahme der Legalisierung in Massachusetts zeigte. 71 Prozent der Befragten planten, gegen die entsprechende Maßnahme zu stimmen, 24 Prozent unterstützten sie, fünf Prozent waren unentschieden. Die Initiative würde den regulierten kommerziellen Verkauf von Cannabis für Erwachsene sowie den Eigenanbau aufheben; der Besitz von Marihuana bliebe weiterhin legal.
Am 06.10.2026 berichtete aktien.news, dass sich die Gouverneurin von Massachusetts, Maura Healey (D), gegen die als Frage 8 bekannte Volksinitiative aussprach. "Ich würde dagegen stimmen", sagte sie in einem Interview. Sie betonte: "Wir müssen den Freizeitmarihuana-Konsum in Massachusetts beibehalten." Am 09.10.2026 folgte der Bericht, dass sich auch die US-Senatorinnen Elizabeth Warren (D-MA) und Ed Markey (D-MA) exklusiv gegenüber Marijuana Moment gegen die Initiative positionierten.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Debatte vor allem ein Stimmungsindikator für die US-Cannabisregulierung auf Bundesstaatenebene. New Hampshire gehört zu den Staaten, in denen ein Gouverneurswechsel die Richtung des Marktes verändern könnte: Warmington hat sich klar für einen legalen Verkauf als Einnahmequelle ausgesprochen, Ayotte hat dagegen angekündigt, jeden Legalisierungsentwurf zu vetotieren, der ihren Schreibtisch erreicht. Sie hatte zudem im vergangenen Jahr erklärt, ihre Position werde sich nicht ändern, selbst wenn die Bundesregierung mit der Neuklassifizierung der Pflanze fortfährt.
Gleichzeitig zeigt das Beispiel Massachusetts, dass selbst bestehende Legalisierungen politisch nicht unumkehrbar sind. Die dortige Volksinitiative würde den Freizeitverkauf wieder illegal machen – ein bislang seltenes Szenario in der US-Cannabispolitik. Die Umfragewerte und die ablehnenden Positionen von Healey, Warren und Markey deuten allerdings auf eine breite Unterstützung für den Erhalt des Marktes hin. Anleger sollten regulatorische Risiken auf Bundesstaatenebene daher weiterhin als zentralen Faktor einordnen.
Ausblick
Im November entscheiden die Wähler in Massachusetts über die Volksinitiative zur Rücknahme der Legalisierung. In New Hampshire steht im nächsten Monat die Gouverneurswahl an, bei der Ayotte und Warmington gegeneinander antreten. Sollte Ayotte im Amt bleiben, will sie nach eigener Aussage jede Legalisierungsvorlage blockieren. Marijuana Moment kündigte an, auch weiterhin Hunderte von Gesetzentwürfen zu Cannabis, Psychedelika und Drogenpolitik in den Parlamenten der Bundesstaaten und im Kongress zu verfolgen.
Kurz erklärt
- Veto: Ein Einspruchsrecht des Gouverneurs gegen einen vom Parlament beschlossenen Gesetzentwurf.
- Veto-Überschreibung: Die Möglichkeit der Gesetzgeber, ein Veto mit ausreichender Mehrheit zu überstimmen und das Gesetz in Kraft zu setzen.
- Medizinisches Cannabisprogramm: Ein staatlich regulierter Rahmen, der Patienten den Zugang zu Cannabis zu medizinischen Zwecken erlaubt.
- Volksinitiative: Ein Verfahren, bei dem Bürgerinnen und Bürger per Abstimmung direkt über ein Gesetz entscheiden.
