Neuseelands Zentralbank signalisiert Zinserhöhung trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten
RBNZ-Vize Silk sieht nächsten Zinsschritt nach oben, warnt aber vor bidirektionalen Risiken bei Inflation und Konsum.

Die neuseeländische Zentralbank (Reserve Bank of New Zealand, RBNZ) bereitet sich auf eine Zinserhöhung vor, obwohl die wirtschaftliche Lage weiterhin von Unsicherheiten geprägt ist. Karen Silk, stellvertretende Gouverneurin der RBNZ, erklärte am Donnerstag gegenüber Reuters, dass der nächste Zinsschritt wahrscheinlich nach oben führen werde. Gleichzeitig bestünden jedoch Risiken in beide Richtungen.
Die RBNZ hatte ihren Leitzins (Official Cash Rate, OCR) am Mittwoch bei 2,25 Prozent belassen. Die Währungshüter betonten, dass die Geldpolitik noch einige Zeit akkommodierend bleiben werde, um die wirtschaftliche Erholung zu unterstützen. Der aktualisierte Zinspfad deutet allerdings darauf hin, dass bereits bis zum Jahresende eine Anhebung möglich ist.
Lockerungszyklus beendet
Silk bestätigte, dass das Zentralszenario der Notenbank von einem Ende des Lockerungszyklus ausgeht. "Der nächste Zinsschritt wird nach oben führen", sagte die stellvertretende Gouverneurin. Allerdings gebe es weiterhin Risiken in beide Richtungen: Auf der einen Seite stehe ein schwacher Konsum, auf der anderen könnte die Inflation hartnäckiger bleiben als erwartet.
Die RBNZ versuche nicht, sich gegen die Markterwartungen für Zinserhöhungen zu stellen, betonte Silk. Die Aussage, dass die Geldpolitik noch eine Weile akkommodierend bleiben werde, spiegele lediglich die Realität wider. Selbst bei einer ersten Zinsanhebung würde sich die Notenbank erst am unteren Ende dessen bewegen, was sie als Bandbreite für den neutralen Zinssatz betrachtet.
Inflation und Wirtschaftsdaten im Fokus
Die Zentralbank werde Konjunktur- und Inflationsdaten genau beobachten, um den optimalen Zeitpunkt für eine Zinserhöhung zu bestimmen. Laut Prognosen soll die Kerninflation in Richtung der Mitte des Zielkorridors von 1 bis 3 Prozent sinken, selbst wenn sich die Wirtschaft erholt.
Silk erklärte, dass die freien Kapazitäten in der Wirtschaft ein Wachstum oberhalb des Potenzials ermöglichen könnten, während gleichzeitig die Inflation zurückgeht. Zu den neuen monatlichen Verbraucherpreisdaten (CPI), die ab dem nächsten Jahr von sieben auf acht Sitzungen pro Jahr führen, merkte sie an, dass diese Indikatoren weiterhin volatil sein könnten und lediglich als Ergänzung zu anderen beobachteten Daten dienen würden.
Für deutsche Anleger mit Engagements in Neuseeland-Dollar oder neuseeländischen Anleihen bedeutet die Signalisierung möglicher Zinserhöhungen eine potenzielle Aufwertung der Währung und veränderte Renditeaussichten bei festverzinslichen Wertpapieren.
