Bank of Japan: Zinserhöhung auf 1% könnte massive Kapitalumschichtungen auslösen
Ökonomen warnen vor erheblichen Verschiebungen von Bargeld in Bankeinlagen bei weiterer Zinsanhebung.

Eine mögliche Anhebung des japanischen Leitzinses auf 1% könnte erhebliche Verwerfungen im Finanzsystem des Landes auslösen. Ikuko Samikawa, Chefökonomin beim Japan Center for Economic Research, warnt vor massiven Kapitalverschiebungen, die die Geldpolitik der Bank of Japan (BOJ) erschweren könnten. Die Märkte rechnen bereits für März oder April mit dem nächsten Zinsschritt.
Die BOJ hat 2024 ihre jahrzehntelange ultralockere Geldpolitik beendet und den Leitzins bis Dezember auf ein 30-Jahres-Hoch von 0,75% angehoben. Nun steht möglicherweise der nächste Schritt auf 1% bevor. Historische Daten zeigen: Sobald die Zinsen 0,5% überschreiten, schichten japanische Haushalte traditionell ihr Bargeld in verzinsliche Bankeinlagen um.
Solche Kapitalflüsse würden die Gesamtguthaben erhöhen, die Finanzinstitute bei der Zentralbank halten. Dies könnte wiederum Abwärtsdruck auf die Geldmarktzinsen ausüben und die Steuerung der kurzfristigen Zinssätze um das Zielniveau der BOJ erschweren. "Sollte der Rückfluss von Geldern auf Bankkonten groß ausfallen, könnte dies die Bemühungen der BOJ erheblich beeinträchtigen", betont Samikawa.
Herausforderungen nach jahrzehntelanger Nullzinspolitik
Die jahrelange massive Geldschöpfung macht Prognosen über künftige Kapitalbewegungen besonders schwierig. Die Bilanz der BOJ ist in den letzten zwei Jahrzehnten um das Fünffache auf rund 756 Billionen Yen (4,88 Billionen US-Dollar) angewachsen – hauptsächlich durch die 2013 eingeleiteten Stimulierungsmaßnahmen.
Aktuell belaufen sich die Reserven der Finanzinstitute bei der BOJ auf etwa 454 Billionen Yen. Laut Samikawa könnte die Zentralbank diese auf etwa 280 Billionen reduzieren, ohne einen sprunghaften Anstieg der kurzfristigen Zinsen zu verursachen. Allerdings könnten sich diese Zahlen je nach künftiger Entwicklung der Bankkreditvergabe noch verändern.
Die BOJ befindet sich damit in einer heiklen Phase: Nach Jahrzehnten extremer Lockerung muss sie nun einen Ausstieg bewältigen, dessen Auswirkungen schwer vorhersehbar sind. Für internationale Anleger ist die Entwicklung von großer Bedeutung, da Japan die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist und japanische Investoren wichtige Akteure auf den globalen Finanzmärkten sind.
