Neobroker-Ranking: Trade Republic dominiert, Scalable Capital forciert Wachstum
Eine P3-Studie zeigt: Neobroker überholen etablierte Institute deutlich, während Scalable Capital auf zwei Millionen Kunden zusteuert.

Der deutsche Markt für Neobroker befindet sich in einer Phase der Konsolidierung und strategischen Neuausrichtung. Junge Fintechs setzen die etablierten Bankinstitute in puncto Konditionen und Nutzerfreundlichkeit zunehmend unter Druck, während die Marktführer ihre Expansion und Produktinnovationen massiv vorantreiben. Eine exklusive Studie des Beratungsunternehmens P3 Financial Services sowie aktuelle Wachstumszahlen von Scalable Capital unterstreichen diesen Trend.
P3-Ranking: Neobroker deklassieren etablierte Institute
Das von P3 Financial Services erstellte Ranking, das der WirtschaftsWoche exklusiv vorlag, zeichnet ein deutliches Bild: Die jungen Neobroker haben die etablierten Institute in vielen Bereichen überholt. Christian Leurs, Geschäftsführer von P3, konstatiert: „Die jungen Neobroker sind in vielen Hinsichten einfach besser als etabliertere Institute.“ Das Ranking bewertete die Anbieter anhand von vier Säulen: Konditionen (35 Prozent), Features (25 Prozent), Kundenservice (25 Prozent) und Benutzerfreundlichkeit (15 Prozent).
An der Spitze steht der Marktführer Trade Republic mit 8696 von 10.000 Punkten, gefolgt von Smartbroker und Scalable Capital. Am unteren Ende des Rankings finden sich die Comdirect und S-Neo (Sparkassen-Gruppe) wieder. Besonders die Comdirect schnitt mit 1498 Punkten schwach ab, was die Autoren primär auf ein „aus einer anderen Zeit stammendes“ Preismodell zurückführen. Zwar hat die Comdirect mit dem „Pure Depot“ nachgebessert, doch dieses richtet sich exklusiv an Neukunden.
Die Studie weist jedoch auf methodische Einschränkungen hin. So wurden Spreads, Handelsplatzentgelte und Produktkosten nicht in die Analyse einbezogen, was bei hohen Ordervolumina das Bild verzerren kann. Auch beim Thema Zinsen gibt es Unterschiede: Während Trading212, Scalable Capital und Trade Republic bei 20.000 Euro Guthaben die höchsten Erträge bieten, investieren einige Anbieter in Geldmarktfonds, die nicht der Einlagensicherung unterliegen. Die Studie bewertete zudem die „Existenz“ von Features, nicht deren Qualität, was breit aufgestellte Anbieter begünstigte.
Scalable Capital: Auf dem Weg zur Zwei-Millionen-Marke
Parallel zum Ranking festigt Scalable Capital seine Position als zweitgrößter Neobroker. Mitgründer Erik Podzuweit kündigte im WirtschaftsWoche-Podcast „Bitcoin & Beyond“ an, dass das Unternehmen kurz vor der Schwelle von zwei Millionen Kunden stehe – ein Zuwachs von rund einem Drittel seit Mai.
Strategisch setzt Scalable Capital auf Internationalisierung und neue Vorsorgeprodukte. Mit dem Start einer Bankniederlassung in Österreich führt das Unternehmen dort nun die Kapitalertragssteuer automatisch ab, was die Attraktivität im Nachbarland deutlich erhöht. Ein zentraler Wachstumstreiber für die kommenden Jahre soll das neue staatlich geförderte Altersvorsorgedepot sein. Podzuweit zeigt sich optimistisch: „Dieses neue Altersvorsorgedepot ist besser, günstiger und einfacher zu verstehen als Riester.“ Scalable hat hierfür bereits Konditionen mit einer Gebühr von maximal 0,15 Prozent pro Jahr vorgelegt, um sich frühzeitig Marktanteile zu sichern. Das Unternehmen rechnet damit, dass in den nächsten fünf bis sieben Jahren „ein paar Millionen“ solcher Depots eröffnet werden könnten.
Innovation und Banklizenz als Differenzierungsmerkmale
Der Wettbewerb zwischen den beiden Giganten, Trade Republic und Scalable Capital, wird zunehmend über das Produktportfolio ausgetragen. Während Trade Republic mit Girokonto und Bezahlkarte ein breiteres Ökosystem bietet und auf geschätzte zwölf Millionen Kunden kommt, fokussiert sich Scalable Capital stärker auf Investment- und Vorsorgelösungen.
Technologisch setzt Scalable neue Maßstäbe mit „Agentic Investing“. Kunden können KI-Assistenten wie ChatGPT oder Claude in die App integrieren, um Portfolios zu analysieren oder Trades vorzubereiten. Zwischen 15.000 und 20.000 Nutzer greifen bereits auf diese KI-Funktionen zu. Zudem hat Scalable die Handelszeiten auf 17 Stunden täglich ausgeweitet und Festgeldangebote in das Portfolio aufgenommen. Mit der bereits erhaltenen Vollbanklizenz sieht sich Podzuweit nicht mehr als reinen Broker: „Wir sind eine Bank und wir werden auch weitere Bankenprodukte bringen.“
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Markt für Privatanleger durch die Neobroker deutlich effizienter geworden ist. Während die Preisführerschaft bei den jungen Anbietern liegt, entscheidet nun die Innovationskraft bei KI-Tools, Vorsorgeprodukten und der Ausweitung zum Bankdienstleister über die langfristige Marktführerschaft. Für deutsche Anleger bedeutet das vor allem eines: mehr Auswahl, niedrigere Kosten und ein wachsendes Angebot an digitalen Vorsorgelösungen.
