Nasdaq 100 erholt sich – doch Ölpreis bremst Aktienbullen
Geopolitische Spannungen rund um die Straße von Hormus halten Anleger in Atem und bremsen die technische Erholung des Nasdaq 100.

Die Aktienmärkte suchen weiterhin nach einer klaren Richtung – und erneut steht der Ölpreis im Mittelpunkt. Nach einem deutlichen Ausverkauf hat sich Rohöl der Sorte Brent auf rund 98 US-Dollar pro Barrel erholt, nachdem es im Zuge der Waffenstillstandsankündigung kurzzeitig von 110 auf fast 90 Dollar eingebrochen war. Diese Erholung reicht aus, um die Aktienbullen zur Vorsicht zu mahnen und den Nasdaq 100 sowie die breiteren US-Indizes in einer Abwartestellung zu halten.
Die Wurzel der Unsicherheit ist geopolitischer Natur. Berichten zufolge bleibt die Straße von Hormus weitgehend blockiert, da der Iran entschlossen auf die jüngsten Militäraktionen Israels im Libanon reagiert. Irans stellvertretender Außenminister Saeed Khatibzadeh bezeichnete das Vorgehen Israels als „schwerwiegende Verletzung" des Waffenstillstands. Teheran hat sich bisher geweigert, die strategisch wichtige Meerenge wieder zu öffnen – was die Energiemärkte in erhebliche Anspannung versetzt.
Dennoch gibt es einen Funken vorsichtigen Optimismus: Das Weiße Haus hat bestätigt, dass direkte Gespräche mit dem Iran stattfinden sollen. Eine US-Delegation unter Führung von Vizepräsident JD Vance sowie Steve Witkoff und Jared Kushner wird hochrangige Gespräche in Islamabad leiten, die für dieses Wochenende geplant sind. Iranische Vertreter sind bereits früher eingetroffen, sodass indirekte Verhandlungen bereits laufen.
Öl als Schlüsselfaktor für Risikoanlagen
Der Zusammenhang zwischen Ölpreis und Aktienmärkten ist derzeit kaum zu überschätzen. Die Formel ist simpel: Stabilisiert sich Rohöl oder fällt es, können Aktien aufatmen. Schießt der Preis in die Höhe, kehrt der Druck auf Risikoanlagen rasch zurück. Für Anleger bedeutet das, dass die Entwicklung an den Energiemärkten kurzfristig wichtiger sein könnte als klassische Unternehmenskennzahlen.
Das Best-Case-Szenario sieht eine schrittweise Wiederöffnung der Straße von Hormus vor, die zu einer stetigen Erholung des Angebots führt. In diesem Fall könnte Brent-Öl wieder in Richtung 80 Dollar und potenziell sogar 70 Dollar driften – was die Inflationssorgen lindern und den Aktienmärkten spürbaren Rückenwind verleihen würde. Im Negativszenario hingegen – sollten die Gespräche scheitern und der Waffenstillstand vollständig zusammenbrechen – könnten die Ölpreise wieder über die Marke von 100 Dollar steigen und den Nasdaq 100 sowie Risikoanlagen insgesamt belasten.
Technisches Bild des Nasdaq 100 hellt sich auf
Aus technischer Sicht sendet der Nasdaq 100 deutlich konstruktivere Signale als noch vor einer Woche. Der Index ist über seine vorherige absteigende Trendlinie ausgebrochen, nachdem er zuvor eine Reihe höherer Tiefs gebildet hatte. Die durch den Waffenstillstand ausgelöste Rallye beschleunigte diese Bewegung und drückte die Kurse wieder über den 21-Tage-EMA sowie den gleitenden 200-Tage-Durchschnitt – eine bedeutende Verschiebung des kurzfristigen Momentums.
Ein entscheidender Wendepunkt war die Rückeroberung der Marke von 23.900 Punkten, die auch mit den Tiefstständen vom November 2025 übereinstimmte. Das Halten über diesem Niveau stabilisierte die Marktstimmung und legte den Grundstein für den jüngsten Ausbruch. Die jüngste Kursentwicklung beginnt einem klassischen „Buy-the-Dip"-Umfeld zu ähneln.
Die wichtigsten technischen Niveaus im Überblick:
Erste Unterstützung:
Zone von 24.450 bis 24.550 Punkten – Basis der jüngsten Aufwärtsbewegung -
Zweite Unterstützung:
rund 24.750 Punkte – Bereich der durchbrochenen Trendlinie -
Erster Widerstand:
psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten -
Zweiter Widerstand:
25.265 Punkte – in der jüngsten Rallye bereits getestet -
Übergeordnetes Ziel:
26.000 Punkte bei einem klaren Ausbruch nach oben
Geopolitik bleibt der entscheidende Treiber
Insgesamt sendet der Nasdaq 100 keine klaren bärischen Signale mehr aus. Die technische Struktur hat sich verbessert, und das Momentum hat sich kurzfristig gedreht. Doch der Ausblick hängt weiterhin stark von der geopolitischen Entwicklung ab. Wenn der Waffenstillstand hält und der Ölpreis sinkt, dürften Kursrücksetzer Käufer anlocken. Wenn nicht, könnte die Volatilität ebenso schnell zurückkehren.
Für deutsche Privatanleger bedeutet das: Die Lage bleibt fragil. Die Gespräche in Islamabad dieses Wochenende könnten kurzfristig richtungsweisend für die globalen Aktienmärkte werden. Wer in US-Technologiewerte oder breit aufgestellte Indexprodukte investiert ist, sollte die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus und den Ölpreis genau im Blick behalten.
