Nach Goldman-Absage: John Waldron soll CEO von Goldman Sachs werden
Der einst abgelehnte Bewerber John Waldron steht bereit, den Wall-Street-Riesen Goldman Sachs zu führen.

John Waldron wurde nach seinem College-Abschluss für eine Stelle bei Goldman Sachs abgelehnt. Nun steht der heutige Präsident der US-Investmentbank kurz davor, ausgerechnet jenen Wall-Street-Riesen zu führen, der ihn einst abwies. Wie das „Wall Street Journal“ am Montag berichtete, hat der Aufsichtsrat von Goldman Sachs einen Plan erörtert, wonach Waldron David Solomon als CEO ablösen soll – und zwar so bald wie Ende 2027.
Für Waldron wäre es die Krönung einer Karriere, die auf einer ausgeprägten Fähigkeit zum Abschluss von Deals und zur Pflege von Beziehungen aufbaut und dem Unternehmen zugutekam. Es ist ein weiter Weg von dem, was er sich als Englischstudent vorgestellt hatte: Eigentlich wollte er Autor werden. Stattdessen ist er heute eine der zentralen Figuren im Machtgefüge einer der bekanntesten Investmentbanken der Welt.
Die Nachricht hat auch den Aktienmarkt erreicht. Die Goldman-Aktie (Ticker: GS) notierte im Zusammenhang mit dem Bericht 1,73 Prozent im Minus. Bei Personalien an der Spitze großer Banken reagieren Investoren traditionell sensibel, weil sie die künftige strategische Ausrichtung des Instituts betreffen.
Die Details
Im Zentrum des Berichts stehen drei Namen und ein Zeitplan. John Waldron ist der Präsident von Goldman Sachs und soll dem Plan zufolge die Nachfolge von CEO David Solomon antreten. Der Aufsichtsrat hat diese Möglichkeit nach Angaben des „Wall Street Journal“ vom Montag erörtert. Als möglicher Zeitpunkt für den Wechsel an der Spitze nennt der Bericht „so bald wie Ende 2027“.
Wichtig ist die Formulierung des Quelltextes: Es handelt sich um einen diskutierten Plan, nicht um eine vollzogene Entscheidung. Der Bericht spricht ausdrücklich davon, dass der Aufsichtsrat einen Plan diskutiert habe. Ein verbindlicher Beschluss, ein festes Datum oder eine offizielle Bestätigung des Unternehmens werden nicht genannt. Solche Personalentscheidungen an der Spitze großer Investmentbanken sind komplex und werden üblicherweise erst dann öffentlich kommuniziert, wenn die Gremien sie final abgesegnet haben.
Bemerkenswert ist die Vorgeschichte Waldrons: Er wurde nach seinem College-Abschluss von Goldman Sachs abgelehnt. Dass ausgerechnet ein einst abgelehnter Bewerber nun an der Spitze des Instituts stehen könnte, macht die Personalie zu einer ungewöhnlichen Karrieregeschichte. Der Bericht hebt hervor, dass Waldrons Aufstieg auf seiner Fähigkeit zum Abschluss von Deals und zur Pflege von Beziehungen beruht – Eigenschaften, die dem Unternehmen zugutekamen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktien.news-Berichterstattung hat sich zuletzt mehrfach mit der Führungsebene und der Governance von Goldman Sachs beschäftigt. Bereits am 24.01.2026 berichtete aktien.news, dass David Solomon für das Geschäftsjahr 2025 eine deutliche Gehaltserhöhung erhalten hat: Seine Gesamtvergütung stieg um 20,5 Prozent auf 47 Millionen Dollar. Das Paket setzte sich aus einem festen Grundgehalt von 2 Millionen Dollar und einer variablen Vergütung von 45 Millionen Dollar zusammen. 2023 hatte Solomon dem Bericht zufolge noch 31 Millionen Dollar erhalten, 2024 waren es 39 Millionen Dollar. Mit dieser Vergütung zählte der damals 64-Jährige zu den bestbezahlten Führungskräften an der Wall Street und übertraf die Bezahlung von JPMorgan-Chef Jamie Dimon.
Am 28.01.2026 folgte ein weiterer Bericht von aktien.news zu demselben Thema. Darin wurde die Erhöhung der Gesamtvergütung von Solomon für 2025 um 20,5 Prozent auf 47 Millionen Dollar erneut bestätigt und darauf hingewiesen, dass er damit mehr erhielt als sein Konkurrent Jamie Dimon von JPMorgan Chase, dessen Vergütungspaket bei 43 Millionen Dollar lag. Auch hier wurden das Grundgehalt von 2 Millionen Dollar und die variable Vergütung von 45 Millionen Dollar genannt. Zusätzlich verwies der Bericht auf die zuvor gezahlten Beträge von 31 Millionen Dollar (2023) und 39 Millionen Dollar (2024) und ordnete die Erhöhung als Spiegel eines erfolgreichen Geschäftsjahres ein.
Ein dritter, am 26.01.2026 veröffentlichter Bericht von aktien.news befasste sich ebenfalls mit der Vergütung von Solomon. Er nannte erneut die Gesamtsumme von 47 Millionen Dollar, die Steigerung um 20,5 Prozent, das Grundgehalt von 2 Millionen Dollar sowie die variable Vergütung von 45 Millionen Dollar. Der Bericht verwies zudem auf die 43 Millionen Dollar von JPMorgan-Chef Jamie Dimon und darauf, dass Goldman Sachs im vierten Quartal die Gewinnerwartungen der Analysten übertraf – getrieben von einem starken Investment Banking und Handelsgeschäft. Außerdem sicherte sich die Bank dem Bericht zufolge erneut den Spitzenplatz im globalen M&A-Geschäft.
Auch abseits der Vergütung gab es Schlagzeilen zur Führung des Instituts. Am 18.02.2026 berichtete aktien.news, dass Goldman Sachs plant, Diversitäts-, Gleichstellungs- und Inklusionskriterien (DEI) aus den Anforderungen für die eigene Vorstandsbesetzung zu streichen. Nach Angaben mit der Angelegenheit vertrauter Personen sollten Faktoren wie Ethnie, Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung und weitere Diversitätsmerkmale nicht länger bei der Identifizierung potenzieller Board-Kandidaten berücksichtigt werden. Der Schritt erfolgte dem Bericht zufolge nur ein Jahr, nachdem Goldman Sachs seine Selbstverpflichtung aufgegeben hatte, die Diversität in den Aufsichtsräten von Kunden zu fördern, die das Unternehmen an die Börse brachte. Die Entscheidung markierte dem Bericht zufolge einen weiteren Rückzug von DEI-Initiativen im US-Finanzsektor.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Personalie vor allem deshalb relevant, weil ein Wechsel an der Unternehmensspitze die strategische Ausrichtung einer Bank beeinflussen kann – von der Geschäftsfeldpriorisierung bis zur Kapitalallokation. Die Meldung ist bislang jedoch ein Bericht über einen diskutierten Plan und keine bestätigte Entscheidung. Anleger sollten daher beachten, dass sich Zeitpunkt und tatsächliche Umsetzung noch ändern können.
Kontext liefert auch die zuvor dokumentierte Vergütungsentwicklung: Goldman Sachs hat seinen CEO für 2025 mit 47 Millionen Dollar entlohnt, nach 31 Millionen Dollar im Jahr 2023 und 39 Millionen Dollar im Jahr 2024. Solche Größenordnungen zeigen, welchen Stellenwert der Markt und der Aufsichtsrat der Führung beimessen. Zugleich verdeutlicht die DEI-Entscheidung vom Februar 2026, dass sich das Institut auch bei Governance-Fragen bewegt. Für Anleger sind das Einordnungen – keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Der einzige im Quelltext genannte Zeitrahmen für einen möglichen Führungswechsel ist „so bald wie Ende 2027“. Ob und wann der Aufsichtsrat von Goldman Sachs den Wechsel von David Solomon zu John Waldron tatsächlich beschließt, lässt der Bericht offen. Beobachten dürften Marktteilnehmer künftig offizielle Mitteilungen des Unternehmens sowie weitere Berichte zur Nachfolgeplanung.
Kurz erklärt
- CEO: Ein Chief Executive Officer ist der oberste Geschäftsführer eines Unternehmens und verantwortet die operative Leitung.
- Aufsichtsrat: Ein Kontrollgremium, das die Unternehmensführung überwacht und über zentrale Personalien entscheidet.
- Investmentbank: Ein Finanzinstitut, das Unternehmen bei Kapitalmaßnahmen, Fusionen und Übernahmen berät.
- Nachfolgeplanung: Die strukturierte Vorbereitung der Besetzung von Spitzenpositionen in einem Unternehmen.
