Morgan Stanley: US-Aktienmarkt wird leise zerschlagen - diese Werte kaufen
Mehr als die Hälfte der Russell-3000-Aktien fiel seit Juni um über 20 Prozent, während der S&P 500 fast 13 Prozent zulegt.

Der US-Aktienmarkt präsentiert sich auf den ersten Blick stark: Der S&P 500 liegt im bisherigen Jahresverlauf fast 13 Prozent im Plus. Doch unter dieser glänzenden Oberfläche spielt sich laut Morgan Stanley ein anderes Drama ab. Wie die Strategen der US-Investmentbank in einer am Montag veröffentlichten Studie schreiben, ist mehr als die Hälfte der Russell-3000-Aktien seit Juni um mehr als 20 Prozent gefallen. Der breite Markt wird also leise zerschlagen, während einige wenige Index-Schwergewichte die Kursgewinne tragen.
Morgan Stanley setzt auf Qualität und Zykliker
Genau in dieser Diskrepanz sehen die Analysten um Mike Wilson, Chief Equity Strategist für die USA, eine Chance. „Wir bevorzugen weiterhin Qualitätsaktien, doch das Ausmaß der Kurskorrekturen bei den Durchschnittswerten beginnt eine günstigere Ausgangslage für zyklische Bereiche zu schaffen, in denen die Fundamentaldaten intakt bleiben – im Industriesektor zeigt sich das beste Risiko-Ertrags-Verhältnis", zitiert die Studie das Strategenteam.
Die Kernaussage lässt sich in zwei Teilen zusammenfassen. Erstens bleibt die Präferenz für hochwertige Unternehmen bestehen – also Titel mit soliden Bilanzen und stabilen Erträgen. Zweitens rücken zyklische Sektoren wieder stärker in den Fokus, weil die teils drastischen Kursrückgänge dort nach Einschätzung der Bank eine attraktivere Bewertungsbasis geschaffen haben.
Unter den zyklischen Bereichen sticht für Morgan Stanley der Industriesektor hervor. Dort sei das Verhältnis von möglichem Ertrag zu eingegangenem Risiko am günstigsten, so die Strategen, sofern die fundamentalen Rahmenbedingungen intakt bleiben. Damit empfiehlt die Bank ihren Kunden eine Gruppe etablierter Leitwerte, die trotz der jüngsten Kursverluste aus fundamentaler Sicht weiterhin überzeugen.
Warum die Schere zwischen Index und Einzelwerten so weit aufgeht
Das Phänomen ist für deutsche Anleger relevant, die über ETFs oder Einzelaktien in den US-Markt investiert sind. Ein Index wie der S&P 500 gewichtet seine Mitglieder nach Marktkapitalisierung. Das bedeutet: Wenige sehr große Konzerne können den Index nach oben ziehen, selbst wenn die überwiegende Mehrheit der Einzelwerte an Wert verliert. Der Russell 3000 wiederum bildet rund 3.000 US-Unternehmen ab und gilt damit als deutlich breiterer Gradmesser für die Gesamtverfassung des Marktes.
Wenn mehr als die Hälfte dieser 3.000 Titel seit Juni um mehr als 20 Prozent gefallen ist, deutet das auf erheblichen Druck abseits der großen Namen hin. Ein Kursrückgang von über 20 Prozent wird an den Märkten häufig als Beginn eines Bärenmarktes für den jeweiligen Einzelwert gewertet. Die von Morgan Stanley beschriebene „günstigere Ausgangslage" für Zykliker ergibt sich also aus einer breit angelegten Korrektur, nicht aus einem allgemeinen Indexabsturz.
Für Anleger ergibt sich daraus eine differenzierte Botschaft: Pauschal auf den Gesamtmarkt zu setzen, verdeckt die tatsächlichen Bewegungen im Unterbau. Wer gezielt in zyklische Qualitätswerte investiert, könnte – so die Einschätzung der Morgan-Stanley-Strategen – von einer Bewertungslücke profitieren, die der Index selbst nicht sichtbar macht. Ob sich diese These bestätigt, hängt maßgeblich davon ab, ob die Fundamentaldaten der betroffenen Unternehmen tatsächlich intakt bleiben.
Morgan Stanley bleibt damit bei seiner Linie: Qualität zuerst, aber mit wachsendem Spielraum für ausgewählte zyklische Titel. Die vollständige Studie wurde am Montag veröffentlicht und richtet sich an die Kunden der Bank.
