Micron vor Quartalszahlen: Drei Punkte, die Anleger jetzt beachten sollten
Rosenblatt-Analyst Kevin Cassidy erwartet vor den Quartalszahlen von Micron zusätzliche Kundenvereinbarungen, steigende Preise und Aktienrückkäufe.

Vor dem hocherwarteten Bericht zu den Quartalsergebnissen von Micron Technology richtet ein Analyst der Investmentbank Rosenblatt den Blick auf drei Bereiche, die Anlegern mehr Vertrauen in den weiteren Weg des Speicherchip-Herstellers schenken könnten. Kevin Cassidy, Analyst bei Rosenblatt, erwartet zusätzliche Kundenvereinbarungen, steigende Preise und Aktienrückkäufe. Die Zahlen zum abgelaufenen Quartal will das Unternehmen in der kommenden Woche vorlegen.
Trotz eines Kursgewinns von 269 Prozent im laufenden Jahr bleibt die Aktie von Micron (MU) nach Einschätzung des Analysten günstig bewertet. Diese Bewertung spiegele aus seiner Sicht eine grundlegende Sorge des Marktes wider. Cassidy zufolge drückt sie "die Sorge der Anleger aus, dass die Gewinne sinken werden, wenn neue Wafer-Kapazitäten in Betrieb gehen".
Damit rückt eine Frage in den Mittelpunkt, die für die gesamte Speicherbranche entscheidend ist: Wie nachhaltig ist die aktuelle Knappheit? Micron und seine Wettbewerber haben allesamt Pläne zur Kapazitätserweiterung angekündigt, weil die Nachfrage nach künstlicher Intelligenz den Markt in eine schwere Engpasslage gebracht hat. Genau diese angekündigten Zusatzkapazitäten sind es, die Anleger derzeit skeptisch stimmen.
Die Details
Im Zentrum der Erwartungen von Rosenblatt-Analyst Kevin Cassidy stehen drei konkrete Punkte. Erstens rechnet er mit zusätzlichen Kundenvereinbarungen, die Micron abschließen könnte. Zweitens erwartet er steigende Preise für die Speicherprodukte des Unternehmens. Drittens hat er Aktienrückkäufe im Blick, also den Rückkauf eigener Anteile durch das Unternehmen.
Alle drei Punkte zusammengenommen könnten Anlegern mehr Zuversicht vermitteln, dass Micron seinen Weg fortsetzen kann. Der Hintergrund: Der Kurs der Micron-Aktie ist im laufenden Jahr um 269 Prozent gestiegen, und dennoch ist das Papier nach Einschätzung von Cassidy weiterhin günstig bewertet. Diese Kombination aus starkem Kursanstieg und vergleichsweise niedriger Bewertung ist für einen Analysten ein Signal, dass der Markt die künftige Gewinnentwicklung skeptisch beurteilt.
Der Grund für diese Skepsis liegt in der Angebotsseite. Micron und seine Wettbewerber haben Pläne zur Kapazitätserweiterung angekündigt, um die Nachfrage nach Speicherchips zu bedienen. Sobald diese neuen Kapazitäten in Betrieb gehen, könnten die Preise unter Druck geraten — ein Risiko, das die aktuelle Bewertung aus Sicht von Cassidy bereits widerspiegelt.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 23.06.2026 berichtete aktien.news über zwei Unwägbarkeiten, die den weiteren Kursverlauf von Micron bestimmen. Damals hieß es, die Margen des Speicherchip-Herstellers seien zuletzt kräftig gewachsen, getrieben von einem extremen Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Dieses Ungleichgewicht habe es Micron ermöglicht, die Preise drastisch anzuheben, ohne dabei nennenswerte Zusatzkosten zu verursachen. Als Analyst wurde damals Mehdi Hosseini von Susquehanna genannt.
Nur wenige Tage später, am 29.06.2026, berichtete aktien.news über die Frage, ob eine Bewertung von 2 Billionen Dollar für Micron realistisch sei. Damals hatte die Aktie in den zurückliegenden zwölf Monaten um satte 800 Prozent zugelegt und erreichte zu Beginn jener Handelswoche eine Marktkapitalisierung von rund 1,3 Billionen US-Dollar. Die Knappheit bei Speicherprodukten erlaubte es dem Unternehmen, die Preise kontinuierlich anzuheben und beeindruckende Margen zu erzielen.
Am 15.09.2026 folgte ein weiterer Bericht mit dem Titel "Micron-Aktie vor Rallye: Analyst sieht Kurspotenzial auf 1.250 Dollar". Darin hieß es, Analysten rechneten damit, dass die Aktie nach der Veröffentlichung der nächsten Quartalszahlen am 30. September eine deutliche Rallye erleben und neue Allzeithochs erreichen könnte. Das 52-Wochen-Hoch liege bei rund 1.250 Dollar. Zudem wurde betont, dass der Ausbau der künstlichen Intelligenz sich nicht verlangsame, sondern beschleunige. Micron stellt dem Bericht zufolge Speicherchips her, darunter DRAM- und NAND-Speicher, die beiden primären Speichertypen für Rechenzentren. DRAM wird demnach in Recheneinheiten verbaut, NAND dient der langfristigen Speicherung in Geräten wie Solid-State-Laufwerken.
Am 17.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Micron-Aktie in diesem Jahr bereits eine Rallye von 226 Prozent hingelegt habe, ein Analyst der Investmentbank TD Cowen aber weiteres erhebliches Potenzial sehe und von 70 Prozent sprach. Bislang sei es vor allem das spektakuläre Gewinnwachstum gewesen, das den Kurs getrieben habe, während eine Veränderung in der Bewertung ausgeblieben sei. Genau dort setze die optimistische Prognose an, da die Aktie zu einer beharrlich niedrigen Bewertung gehandelt werde.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Micron-Aktie vor allem über US-Börsen und entsprechende Broker handelbar; das Unternehmen ist einer der wichtigsten Zulieferer für die Speicherchips, ohne die KI-Rechenzentren nicht funktionieren. Die drei Punkte, auf die Cassidy den Blick lenkt, sind daher nicht nur unternehmensspezifisch, sondern geben Hinweise auf die Lage der gesamten Speicherbranche.
Interessant ist die Diskrepanz zwischen Kursentwicklung und Bewertung. Während die Aktie im laufenden Jahr um 269 Prozent gestiegen ist, bleibt sie nach Einschätzung des Analysten günstig bewertet. Ein Teil dieser Bewertungslücke lässt sich mit dem Risiko erklären, das von den angekündigten Kapazitätserweiterungen ausgeht. Anleger sollten daher die angekündigten Kundenvereinbarungen, die Preisentwicklung und mögliche Aktienrückkäufe als Indikatoren dafür betrachten, wie das Unternehmen auf diese Herausforderung reagiert. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Der nächste konkrete Termin steht bereits fest: Micron will seine Quartalszahlen in der kommenden Woche vorlegen. Der frühere Bericht von aktien.news vom 15.09.2026 nannte dafür den 30. September. Analysten rechnen damit, dass die Aktie nach der Veröffentlichung eine deutliche Rallye erleben könnte. Ob sich die drei von Rosenblatt erwarteten Punkte — zusätzliche Kundenvereinbarungen, steigende Preise und Aktienrückkäufe — im Bericht oder in den anschließenden Aussagen des Managements wiederfinden, dürfte für die weitere Entwicklung entscheidend sein.
Kurz erklärt
- Wafer: Eine dünne Scheibe aus Halbleitermaterial, aus der Computerchips in großer Zahl gefertigt werden.
- DRAM: Ein Speichertyp, der Daten kurzfristig vorhält und in Recheneinheiten von Servern zum Einsatz kommt.
- NAND: Ein Speichertyp für die langfristige Speicherung von Daten, etwa in Solid-State-Laufwerken.
- Aktienrückkauf: Der Erwerb eigener Aktien durch ein Unternehmen, wodurch sich die Zahl der ausstehenden Anteile verringert.
- Bewertung: Das Verhältnis zwischen dem Kurs einer Aktie und den zugrunde liegenden Unternehmenskennzahlen.
