ANZEIGE

Metalle sind Aktien-Puppen: Bloomberg-Stratege warnt vor deutlicher Korrektur

Mike McGlone von Bloomberg Intelligence sieht Kupfer als Marionette des Aktienmarkts – und warnt vor einem überhitzten Goldpreis.

•• 4 Min
Metalle sind Aktien-Puppen: Bloomberg-Stratege warnt vor deutlicher Korrektur

Der Aktienmarkt gibt derzeit den Takt vor – und die Metalle tanzen danach. Mike McGlone, Senior Commodity Strategist bei Bloomberg Intelligence, bringt diese Beobachtung auf eine griffige Formel: Der Aktienmarkt fungiere als die Wirtschaft, und die Metalle seien als breiter Sektor "komplette Aktienmarkt-Marionetten" in deren Auf- und Abwärtsbewegungen. Gesagt hat er das gegenüber dem MINING.COM-Moderator Devan Murugan in einer aktuellen Episode des Formats "Top of Mine".

McGlone argumentiert, dass Kupfer von allen Metallen dem Aktienmarkt am stärksten folgt. "Kupfer ist einfach eine Aktienmarkt-Marionette", sagte er. Geht der Aktienmarkt nach oben, geht auch Kupfer nach oben – jedoch mit höherer Volatilität und geringerer Performance. Geht der Aktienmarkt nach unten, verhält es sich genauso. Der Rohstoffstratege sieht Kupfer damit nicht mehr als eigenständigen Frühindikator für die Industriekonjunktur, sondern als Hebel auf die Stimmung an den Aktienmärkten.

Besonders brisant wird diese Kopplung im Fall einer Korrektur. "Wenn wir jemals diese normale 10%-Korrektur am Aktienmarkt erleben werden, wird Kupfer wahrscheinlich um 20 oder 30% fallen", erklärte McGlone. Für Anleger, die Kupfer als vermeintlich eigenständige Wette auf die Weltwirtschaft halten, bedeutet das ein deutlich höheres Verlustrisiko als am Aktienmarkt selbst.

Die Details

Neben Kupfer nimmt sich McGlone auch Gold vor – und wird dabei ungewöhnlich deutlich. "Die Signale sind sehr beängstigend", sagte er. Er verweise auf die grundlegenden Fakten, müsse aber auch die Dinge hinter dem Markt herausstellen, die Warnsignale darstellen. "Das Fazit, das ich wiederhole, lautet: Wenn Gold aufregend wird, ist es für Anleger meist am besten, vorsichtig zu sein. Man soll verkaufen, wenn geschrien wird, und das wirkt auf mich gerade zu extrem, und ich muss mutig genug sein, das auszusprechen."

Ein zweites Thema der Episode ist die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve. Für McGlone zeigt die jüngste Entscheidung der Fed zur Erhöhung der Zinssätze, wie die US-Regierung weiterhin die Machtbalance wahrt. "Als ich Mr. Warsh zum ersten Mal sprechen hörte, dachte ich: 'Dies könnte ein Mann sein, der bereit ist, Widerstand zu leisten und tatsächlich die Zinsen zu erhöhen, obwohl derjenige, der ihn eingestellt hat, ihn aufgefordert hat, die Zinsen zu senken'", sagte er. "Das ist einfach ein Paradebeispiel dafür, wie die Checks and Balances und der selbstkorrigierende Mechanismus dieses Landes anspringen."

McGlone bewertet diesen Mechanismus positiv. Er sei "das Beste, um die Inflation einzudämmen, die das wichtigste Problem Nummer eins ist". Zwar werde er die Hypothekenzinsen senken, gleichzeitig zeige er aber auch die Verantwortung des Systems. Der Stratege warnt zugleich davor, dass das erste Anzeichen für eine Deflation nach der Inflationsphase ein fallender Aktienmarkt sein wird. Dieser sei "die wichtigste Kraft, damit die Fed einschreiten und korrigieren kann, sowie die wichtigste Kraft, um diese massive inflationsbedingte Wohlstandsverzerrung in diesem Land zu lindern".

Hintergrund: Was bisher geschah

Die Aussagen McGlones fallen nicht in einen ruhigen Markt. Bereits am 31.01.2026 berichtete aktien.news, dass die Metallmärkte am Freitag einen dramatischen Ausverkauf erlebten, der zeitgleich mit Spekulationen über eine wichtige Personalentscheidung an der Spitze der US-Notenbank begann. Berichte, wonach Präsident Trump den ehemaligen Fed-Gouverneur Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell nominieren könnte, lösten heftige Marktbewegungen aus. Warsh gilt als entschiedener Verfechter einer restriktiven Geldpolitik und hat sich in der Vergangenheit stets stärker um Inflationsbekämpfung als um Wachstumsförderung gesorgt.

Am 19.03.2026 berichtete aktien.news über massive Verluste bei Bergbauaktien: Der Goldpreis fiel um rund 6 Prozent in Richtung 4.500 Dollar je Unze und markierte damit den siebten Verlusttag in Folge – die längste Negativserie seit 2023. Silber brach um 13 Prozent ein, Aluminium verlor mehr als 8 Prozent. Hintergrund der Verkaufswelle war die wachsende Sorge, dass steigende Ölpreise die Inflationsrisiken erhöhen und damit Zinssenkungen der Fed weiter verzögern könnten.

Am 22.05.2026 meldete aktien.news, dass sich Kupfer wie eine hochfliegende Tech-Aktie verhält: Anleger wetten darauf, dass der rasant steigende Stromverbrauch für Künstliche Intelligenz einen massiven Nachfrageschub auslösen wird. Das hochleitfähige Metall ist für den Aufbau von Rechenzentren und den Ausbau von Stromnetzen unverzichtbar. Am 25.06.2026 berichtete aktien.news schließlich, dass Industriemetalle Gold im laufenden Jahr 2026 übertreffen – laut Jim Wiederhold, Produktmanager für Rohstoffindizes bei Bloomberg, getrieben vom Thema Versorgungssicherheit.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger ergibt sich aus McGlones Analyse vor allem ein Risikohinweis: Wer Kupfer oder breite Metallkörbe hält, um sich vom Aktienmarkt zu diversifizieren, könnte sich täuschen. Folgt Kupfer dem Aktienmarkt mit höherer Volatilität, verstärkt es in einem Abschwung die Verluste, statt sie abzufedern. Die von McGlone genannte 10-prozentige Aktienkorrektur würde sich in Kupfer mit einem Rückgang von 20 oder 30 Prozent niederschlagen.

Beim Gold verweist McGlone auf ein Sentiment-Signal: Wenn das Edelmetall in der breiten Wahrnehmung "aufregend" wird, sei Vorsicht angebracht. Das ist keine Prognose, sondern eine Einordnung der aktuellen Stimmungslage. Zugleich bleibt die Geldpolitik der entscheidende Treiber. Steigende Zinsen erhöhen die Attraktivität verzinslicher Anlagen und belasten Gold, das keine laufenden Erträge abwirft – ein Zusammenhang, den aktien.news bereits im März 2026 beschrieben hat.

Ausblick

McGlone erwartet, dass ein fallender Aktienmarkt das erste Anzeichen einer Deflation nach der Inflationsphase sein wird. Er sieht darin die wichtigste Kraft, damit die Fed einschreiten und korrigieren kann, und zugleich die wichtigste Kraft, um die inflationsbedingte Wohlstandsverzerrung zu lindern. Konkrete Termine oder Zielmarken nennt er in der Episode nicht. Die vollständige Episode von "Top of Mine" mit Moderator Devan Murugan ist online verfügbar.

Kurz erklärt

  • Volatilität: das Ausmaß der Schwankungen eines Preises oder Kurses innerhalb eines Zeitraums.
  • Deflation: ein anhaltender Rückgang des allgemeinen Preisniveaus einer Volkswirtschaft.
  • Checks and Balances: das System gegenseitiger Kontrolle und Machtbegrenzung zwischen staatlichen Institutionen.
Mike McgloneBloomberg IntelligenceKupferGoldAktienmarktMetalleFedZinserhöhung

Meistgelesene News

  1. Volvo Cars kämpft mit EX60-Produktionsziel und Batterieplänen
  2. Mercedes-Benz: Neue Regeln für mobiles Arbeiten stehen kurz bevor
  3. Iran-Kriegsende droht: Insider kaufen trotz Ölpreis-Risiko Energieaktien
  4. SpaceX-Aktie: Kann eine 5.000-Dollar-Investition zum Millionär machen?
  5. Ölpreise fallen: Asien importiert Höchstmenge Rohöl seit Iran-Krieg

Disclaimer