Meta und Google zahlen Millionen wegen Social-Media-Sucht
Ein US-Gericht verurteilt die Tech-Giganten zu sechs Millionen Dollar Schadensersatz – mit möglicher Signalwirkung für Tausende weitere Klagen.

Ein Geschworenengericht in Los Angeles hat Meta und Google zu einer Gesamtzahlung von sechs Millionen Dollar verurteilt. Die 20-jährige Klägerin, die im Verfahren nur unter den Initialen K.G.M. geführt wird, erhält davon drei Millionen Dollar als Entschädigung. Meta muss 4,8 Millionen Dollar übernehmen, Google den verbleibenden Rest.
Die Klägerin wirft den Plattformen vor, ihre Nutzer ähnlich abhängig zu machen wie Zigaretten oder Online-Casinos. Eigenen Angaben zufolge begann sie mit sechs Jahren, YouTube-Videos zu schauen, und meldete sich mit neun Jahren bei Instagram an. Zeitweise nutzte sie Social-Media-Apps bis zu 16 Stunden täglich – mit gravierenden Folgen: Depressionen und Angstzustände.
Als zentrale Mechanismen der Suchtgefahr nannte sie laut Gerichtsunterlagen das sogenannte "Infinite Scrolling" sowie personalisierte Algorithmen, die Inhalte gezielt auf individuelle Interessen zuschneiden. Je länger Nutzer auf den Plattformen verweilen, desto höher die Werbeeinnahmen der Konzerne – ein Geschäftsmodell, das die Geschworenen als fahrlässig einstuften.
Neue rechtliche Ära für Tech-Konzerne
Tech-Journalist Jakob Ward kommentierte das Urteil bei CNN als Beginn einer neuen Ära: "Das war bisher völlig legal, jetzt ist das eine völlig neue Welt." Rechtsexpertin June Grasso von Bloomberg warnte jedoch davor, voreilige Schlüsse zu ziehen. Sie verwies auf die Tabakindustrie, wo sich ebenfalls erst nach vielen Prozessen ein klares Muster herausgebildet habe.
Both Konzerne wiesen die Vorwürfe zurück und kündigten Berufung an. Google betonte, YouTube sei keine Social-Media-Plattform. Meta-Sprecherin Ashly Nikkole Davis erklärte: "Die mentale Gesundheit von Teenagern ist unglaublich komplex und kann nicht mit einer einzigen App in Verbindung gebracht werden."
Zweite Niederlage für Meta binnen einer Woche
Für Meta kommt das Urteil zur Unzeit. Bereits am Dienstag derselben Woche verurteilte ein Gericht im US-Bundesstaat New Mexico den Konzern zu einer Strafe von 375 Millionen Dollar. Die Jury war überzeugt, dass Meta wider besseres Wissen nicht ausreichend zum Schutz junger Nutzer gehandelt hatte. Auch gegen dieses Urteil will Meta Berufung einlegen.
Für Anleger sind die juristischen Entwicklungen rund um Meta (Nasdaq: META) und Alphabet (NASDAQ: GOOGL) zunehmend relevant. Analysten schätzen, dass es Tausende weitere ähnliche Klagen geben könnte – gegen Plattformen wie Instagram, YouTube, TikTok und Snapchat. Das Urteil aus Los Angeles könnte dabei als Präzedenzfall dienen und die rechtlichen Risiken für den gesamten Sektor deutlich erhöhen.
