Medienbericht: Sainsbury's prüfte Fusion mit Morrisons im Milliardenbereich
Der britische Lebensmitteleinzelhändler Sainsbury's hat laut Financial Times Gespräche über eine Fusion mit dem kleineren Konkurrenten Morrisons geführt.

Der britische Lebensmitteleinzelhändler Sainsbury's, die Nummer zwei des Landes, hat in diesem Jahr Gespräche mit dem kleineren Konkurrenten Morrisons über eine Fusion geführt. Das berichtete die Financial Times (FT) am Montag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Gespräche sind demnach inzwischen nicht mehr aktiv.
Nach Angaben der FT prüften die beiden Unternehmen einen möglichen Deal im Milliardenpfund-Bereich, bevor Sainsbury's die Verhandlungen abbrach. Die Gespräche hätten zwischen November 2025 und Februar dieses Jahres stattgefunden, hieß es in dem Bericht weiter. Personen, die der Situation nahestehen, schlossen laut FT nicht aus, dass die Verhandlungen in Zukunft wieder aufgenommen werden könnten.
Sprecher von Sainsbury's sowie des von der US-amerikanischen Private-Equity-Firma gehaltenen Unternehmens Morrisons lehnten eine Stellungnahme zu den Berichten ab. Für Anleger bleibt die Nachricht damit zunächst ohne offizielle Bestätigung durch die beteiligten Konzerne.
Unterschiedliche Geschäftsentwicklung bei den Rivalen
Die möglichen Fusionspläne fallen in eine Phase unterschiedlicher Entwicklung der beiden Händler. Während Sainsbury's im jüngsten Quartal ein verlangsamtes Wachstum bei den zugrunde liegenden Umsätzen meldete, verzeichnete Morrisons, der sechstgrößte britische Lebensmitteleinzelhändler, ein Wachstum der quartalsweisen Umsätze. Diese gegenläufige Dynamik könnte den strategischen Druck auf beide Seiten erhöhen.
Der Eigentümer von Morrisons, die Private-Equity-Firma Clayton Dubilier & Rice, sei offen für eine Zusammenarbeit mit einem ihrer Konkurrenten, berichtete Sky News unter Berufung auf Insider aus dem Einzelhandel. Clayton Dubilier & Rice hatte 2021 eine Auktion zum Kauf von Morrisons für £7 Milliarden gewonnen und sich dabei gegen ein Konsortium durchgesetzt, das von der zu SoftBank gehörenden Fortress Investment Group angeführt wurde.
Wettbewerbshürden als entscheidender Faktor
Ein Zusammenschluss der beiden britischen Händler dürfte vor erheblichen regulatorischen Hürden stehen. Bereits 2019 hatte die britische Wettbewerbsbehörde den geplanten Übernahmeversuch von Sainsbury's für Asda in Höhe von £7,3 Milliarden untersagt. Diese Entscheidung gilt als wichtiger Präzedenzfall für die Konsolidierung im britischen Lebensmitteleinzelhandel und dürfte bei künftigen Fusionsplänen eine zentrale Rolle spielen.
Für deutsche Anleger ist der Fall vor allem deshalb interessant, weil er zeigt, wie stark regulatorische Risiken die Konsolidierung im europäischen Einzelhandel bremsen. Große Zusammenschlüsse in Märkten mit hoher Marktkonzentration werden von Kartellbehörden zunehmend kritisch geprüft. Sainsbury's und Morrisons gehören beide zu den größten Lebensmittelhändlern Großbritanniens und stehen im Wettbewerb mit Discountern sowie Online-Anbietern.
An der Börse reagierten die Anleger zunächst gelassen. Die Aktien von Sainsbury's blieben am Montag nahezu unverändert und sind bis dato in diesem Jahr leicht gefallen. Damit spiegelt der Kursverlauf wider, dass der Markt den Medienbericht bislang nicht als unmittelbar kursrelevant einstuft.
