Märkte kühlen nach Midterm-Rallye ab, Musk-Aktien unter Druck
Nach dem besten Dow-Tag seit anderthalb Jahren bewerten Anleger den neuen demokratischen Kongress und die Folgen für die Märkte.

Nach dem massiven Rallye-Anstieg, der den Dow Jones zum besten Tag seit anderthalb Jahren machte, kehren an den US-Märkten ruhigere Köpfe zurück. Die Anleger bewerten derzeit die Auswirkungen eines neuen, von den Demokraten kontrollierten Kongresses und wie sich dies auf die Marktlandschaft auswirkt. An der Wall Street zeigen die Futures ein gemischtes Bild.
Der Dow Jones war nach dem deutlichen Sieg der Demokraten bei den Midterm-Wahlen um über 1.500 Punkte gestiegen und hatte damit seinen besten Stand seit April 2025 erreicht. Ein enormer Schub für die Aktienmärkte ging von dem stark fallenden Ölpreis aus. Sowohl Brent als auch WTI haben nach einem Rückgang von 8% am Mittwoch weiter an Wert verloren.
Dies geschah, während die Trump-Administration zugab, dass der Iran-Krieg eine Rolle bei den schlechten Ergebnissen der Republikaner gespielt hatte. Der Übergang aus Asien war gemischt: Japans Nikkei und Südkoreas KSPI fielen trotz allgemeiner Stärke in den weiteren Märkten scharf, getrieben von einer vertiefenden Tech-Korrektur. Die europäischen Aktienmärkte liegen hingegen überwiegend im Plus.
Trump zeigt sich offen für Zusammenarbeit mit den Demokraten
Präsident Donald Trump sagte in einem kurzen Telefonat am späten Mittwoch gegenüber Eamon Javers von CNBC, er könne mit demokratischen Mehrheiten im nächsten Kongress an „vielen mehr Dingen" arbeiten, als die Menschen verstehen. Analysten haben CNBC die Treiber hinter der massiven Rallye erläutert.
Thomas Hempell von Generali sagte, Trumps Offenheit für Zusammenarbeit zeige, dass „eine weitere negative Polarisierung vermieden werden kann". George Saravelos von der Deutsche Bank sagte, Trumps Akzeptanz der Ergebnisse werde „als Bremse für extreme politische Ergebnisse wirken und die Risikoprämien senken". Diese Einschätzungen erklären, warum die Märkte die politische Konstellation zunächst als Erleichterung interpretieren.
Musk-Unternehmen geraten nach gescheiterter Wahlwette unter Druck
Der Druck auf die Unternehmen von Elon Musk hält an. Tesla und SpaceX fallen im Vorhandel erneut, nachdem sie während des gestrigen Handels um 3% gefallen waren. Der Verkaufsdruck konzentrierte sich auf Musks Unternehmen, nachdem seine 474 Millionen Dollar teure Wahlwette gescheitert war.
Musk hat nun weniger Verbündete im Kongress und mehr Hürden in Texas. Luke Fountain von CNBC berichtet darüber, wie die Wall-Street-Milliardäre auf das Ergebnis reagieren. Richard Branson von Virgin und LinkedIn-Mitgründer Reid Hoffman forderten, dass Geld aus der Politik herausgehalten werden sollte, während Elon Musk scherzte, seine „wahlbeeinflussenden Weltraumlaser" hätten versagt.
Qualcomm verliert nach enttäuschenden Chip-Verkäufen deutlich
Einer der größten frühen Verlierer ist Qualcomm. Der Aktienkurs fiel im Vorhandel um über 9%, nachdem die Smartphone-Chip-Verkäufe im vierten Quartal die Schätzungen verfehlt hatten. Jay Goldberg, Analyst bei Seaport, sagte, das Rechenzentrumsgeschäft von Qualcomm gleiche die Verluste aus dem Smartphone-Bereich kaum noch aus.
JPMorgan, Morgan Stanley und TD Cowen haben ihre Kursziele für die Aktie auf zwischen 185 und 200 Dollar pro Aktie gesenkt. CNBC spricht heute um 12:20 Uhr ET mit Qualcomm-CEO Cristiano Amon, nachdem dieser den Anlegern mitgeteilt hat: „Wir haben kein Nachfrageproblem."
Kryptomarkt erholt sich vorsichtig
Kryptowährungen legten in der Nacht vorsichtig zu, da die Anleger bewerteten, wie stark die neue demokratische Mehrheit im Kongress die Haltung Washingtons beeinflussen wird. Bitcoin notiert um die Marke von 80.000 Dollar, was den gesamten Kryptomarkt stützte.
Tayana Macheel von CNBC untersucht, wie die Midterm-Ergebnisse die politische Kalkulation für Krypto neu justieren könnten, was zu einem konfrontativeren Ansatz führen und branchenfreundliche Gesetze wie den CLARITY Act auf die lange Bank schieben würde. Experten sagten CNBCs „Make It", dass man keine sofortigen Veränderungen erwarten sollte. Sie meinten: „Plattformen werden weiterhin die Produkte anbieten, die sie heute anbieten, und sie haben immer noch freundliche Regulierungsbehörden bei der SEC und der CFTC, die eine immer breitere Palette von Krypto-Produkten genehmigen."
Die Schuldenobergrenze wird zum größten politischen Risiko
Der Wahlsieg der Demokraten am Dienstagabend bringt eine neue, instabile Dynamik in das größte politische Risiko für die Finanzmärkte im kommenden Jahr: die Schuldenobergrenze. Es sei denn, die besiegte Republikanische Partei zeigt schnell und unwahrscheinlich Einigkeit, um die Frage in ihren letzten Wochen an der Macht vom Tisch zu nehmen, wird der langwierige Kampf, der sich abzeichnen wird, so unangenehm wie nie sein und die Volatilität auf einem bereits wackligen Anleihemarkt erhöhen.
aktien.news berichtete zuvor über Ölpreise und SpaceX
Bereits am 09.10.2026 berichtete aktien.news, dass neue Angriffe der mit dem Iran verbündeten Houthi-Kräfte sowie ein Sturm, der einige US-Offshore-Förderanlagen lahmlegte, den Ölpreisen einen neuen Schub verliehen und die globalen Aktienmärkte unter Druck gesetzt hatten. Damals deuteten die Futures auf einen zweiten Rücksetzer in Folge für die US-Leitindizes hin.
Bereits am 22.07.2026 berichtete aktien.news, dass SpaceX-Aktien am Dienstag um 3% zulegten und damit eine siebentägige Verlustserie beendeten, ausgelöst durch die Ankündigung, am 4. August den ersten Gewinnbericht des Unternehmens zu veröffentlichen. Bereits am 04.06.2026 berichtete aktien.news, dass sich die US-Aktienfutures uneinheitlich zeigten, während Anleger einen fragilen Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon auswerteten und Brent im frühen Handel nachgab.
Für deutsche Privatanleger ist die Stimmung an den US-Märkten relevant
Die Entwicklungen an den US-Märkten prägen traditionell auch die Stimmung an den europäischen Börsen, die aktuell überwiegend im Plus liegen. Während die asiatischen Märkte unter einer vertiefenden Tech-Korrektur leiden, stützt der gefallene Ölpreis die europäischen Indizes. Für Anleger bedeutet das eine gemischte Gemengelage: Einerseits sorgt die politische Entspannung in Washington für niedrigere Risikoprämien, andererseits bleibt die Unsicherheit über die Schuldenobergrenze bestehen.
Die gesunkenen Ölpreise wirken sich auf Energieunternehmen und die Inflation aus. Die Unsicherheit über die Schuldenobergrenze könnte die Volatilität am Anleihemarkt erhöhen, was auch die Renditen von US-Staatsanleihen und damit die globalen Finanzierungsbedingungen beeinflusst. Anleger sollten daher die angekündigten Termine und die weitere politische Entwicklung im Blick behalten.
Am heutigen Tag stehen zwei CNBC-Interviews auf dem Programm
Um 9:00 Uhr Eastern Time spricht Steve Liesman von CNBC mit Tom Barkin, Präsident der Federal Reserve Bank of Richmond. Barkin hatte zuvor gesagt, Verbraucher seien „erschöpft und frustriert" über die hohen Preise. Um 12:20 Uhr ET spricht CNBC mit Qualcomm-CEO Cristiano Amon.
Zudem bleibt die Frage der Schuldenobergrenze auf der Agenda, falls der scheidende republikanische Kongress keine Lösung findet. Die Märkte dürften die weiteren Signale aus Washington und die Kommentare der Fed-Vertreter genau verfolgen.
Drei Fachbegriffe aus dem Artikel werden hier erklärt
- Futures: Terminkontrakte, mit denen Anleger auf den künftigen Kurs eines Index oder Rohstoffs spekulieren.
- Risikoprämie: Zusatzrendite, die Anleger für die Übernahme eines höheren Risikos verlangen.
- Schuldenobergrenze: Gesetzlich festgelegte Obergrenze für die Kredite, die ein Staat aufnehmen darf.
