Lucid Auslieferungen fallen 6,7 Prozent im dritten Quartal
Der E-Auto-Hersteller drosselt die Produktion und passt sich der schwächeren Nachfrage an.

Der US-Elektroautohersteller Lucid Group hat im dritten Quartal einen Rückgang seiner Fahrzeugzustellungen verzeichnet. Wie das Unternehmen am Montag mitteilte, sanken die Auslieferungen im Jahresvergleich um 6,7 Prozent. Zwischen Juli und September stellte Lucid 3.806 Elektrofahrzeuge zu und produzierte 2.954 Fahrzeuge. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen noch 4.078 E-Fahrzeuge ausgeliefert und 3.891 Einheiten produziert.
Der Rückgang ist das Ergebnis einer bewussten Anpassung: Der stark unter Druck geratene Hersteller von vollelektrischen Fahrzeugen drosselte die Produktion, um sie an die schwächere Kundennachfrage anzupassen. Lucid wird maßgeblich vom saudischen Staatsfonds Public Investment Fund unterstützt, der als Großaktionär hinter dem Unternehmen steht.
Produktion im Jahresverlauf deutlich zurückgefahren
Ein Blick auf die vergangenen Quartale zeigt, wie stark Lucid die Fertigung bereits heruntergefahren hat. Die höchste quartalsweise Produktion von fast 7.900 Einheiten erreichte das Unternehmen im vierten Quartal des Vorjahres. Im ersten Quartal dieses Jahres folgten noch 5.500 Einheiten. Mit 2.954 produzierten Fahrzeugen im dritten Quartal liegt die Fertigung damit deutlich unter den früheren Spitzenwerten.
Das abgelaufene Quartal war das erste, seitdem Lucid die Produktion in seiner Anlage in Arizona von zwei auf eine Schicht reduziert hat. Dieser Schritt erfolgte im Rahmen eines sogenannten „operational resets“ unter dem neuen CEO Silvio Napoli, der den Automobilhersteller seit Juni führt.
Turnaround-Plan soll Cashflow verbessern
Der neue Firmenchef hat einen Turnaround-Plan aufgesetzt, der die finanzielle Lage des Unternehmens stabilisieren soll. Kernstück ist die Identifizierung von 1,4 Milliarden US-Dollar an Verbesserungspotenzialen für den Cashflow in diesem Jahr. Diese setzen sich laut Unternehmensangaben aus mehreren Bausteinen zusammen: etwa 600 bis 800 Millionen Dollar sollen aus dem Abbau von Fahrzeugbeständen kommen, 500 Millionen Dollar aus Einsparungen bei den Kapitalausgaben und 200 Millionen Dollar aus der Senkung der Betriebskosten. Diese Angaben hatte Lucid bei der Veröffentlichung seiner Ergebnisse für das zweite Quartal im August gemacht.
Für Anleger besonders relevant: Lucid gab am Montag bekannt, dass es seine Ergebnisse für das dritte Quartal am 9. November nach Börsenschluss vorlegen wird. Dann dürften weitere Details zur finanziellen Entwicklung und zum Fortschritt des Turnaround-Plans ans Licht kommen.
Aktie unter starkem Druck
An der Börse reagierten die Anleger zunächst verhalten. Die Aktien von Lucid schlossen am Montag mit einem Anstieg von weniger als 1 Prozent bei 4,17 US-Dollar und entwickelten sich im nachgelagerten Handel nach Veröffentlichung der Zustellungsdaten kaum verändert. Der Kurs ist in diesem Jahr um mehr als 60 Prozent gefallen.
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung bei Lucid ein anschauliches Beispiel für die Konsolidierung im Markt der Elektroautos. Nach Jahren des rasanten Wachstums kämpfen viele Hersteller mit einer nachlassenden Nachfrage und hohen Kosten. Lucid, einst als ernstzunehmender Konkurrent im Premium-Segment der Elektromobilität gehandelt, muss nun beweisen, dass der eingeschlagene Sparkurs und die Produktionsanpassung ausreichen, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen. Die Zahlen zum dritten Quartal am 9. November dürften dabei ein wichtiger Gradmesser sein.
