LPKF-Aktie: Zukunftswette auf Lasertechnik geht nicht auf
Nach 400-Prozent-Rally im Frühjahr fällt die Aktie zurück – Anleger sollten vorsichtig sein.

Noch immer steht bei der LPKF-Aktie seit Jahresbeginn ein Kursplus von fast 100 Prozent zu Buche. Der Laserspezialist aus Garbsen bei Hannover gehört damit zu den stärksten Werten am deutschen Aktienmarkt. Das war vor allem einem Kursfeuerwerk zur Jahresmitte zu verdanken. Dieses Feuer ist inzwischen weitgehend abgebrannt. Wer in dem Rücksetzer eine Einstiegschance sieht, sollte Vorsicht walten lassen: Für die zwischenzeitliche Rally gab es kaum gute Gründe. Für den darauffolgenden Kursrückgang dagegen schon.
Das Unternehmen feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. In den Anfangsjahren entwickelte LPKF Kopierfrässysteme für Leiterplatten. Ab Mitte der 1990er-Jahre konzentrierte sich der Mittelständler auf Laser-Fertigungstechnologie für kleinste elektronische Schaltungen. Ende 1998 folgte der Börsengang an den damaligen Neuen Markt. Seit Juni dieses Jahres ist LPKF im SDax vertreten, dem Kleinwerte-Segment der Deutschen Börse.
Eine wechselvolle Geschichte
LPKF war lange Zeit erfolgreich mit Lasern, die Antennenstrukturen für Mobiltelefone auf Kunststoffteile aufbringen. Mit dem Wechsel des Mobilfunkstandards von 3G auf 4G ab 2010 brach dieses Geschäft jedoch ein. Der Schweizer Vermögensverwalter Bantleon witterte daraufhin eine Chance, stieg 2016 bei LPKF ein und forcierte den Unternehmensumbau. Das Geschäft wurde breiter aufgestellt. Heute entwickelt LPKF laserbasierte Fertigungslösungen für die Halbleiter-, Elektronik-, Solar- und Medizintechnikbranche.
Im Mai 2020 verkaufte Bantleon seine 29-Prozent-Beteiligung mit Gewinn. Aktuell ist der aktivistische Investor AOC Alpha mit einem Kapitalanteil von 10,6 Prozent größter Einzelaktionär. Der Aktienkurs von LPKF fährt seit Jahren Achterbahn: Seit 2012 bewegt er sich zwischen knapp sechs und 30 Euro. Doch so steil nach oben wie in diesem Jahr ging es noch nie. Zwischen Ende März und Mitte Mai legte der Kurs binnen weniger Wochen um 400 Prozent zu.
Vorstände kauften – und liegen unter Wasser
Ein gutes Händchen für den Einstiegszeitpunkt bewies Finanzvorstand Peter Mümmler. Er kaufte am 26. März 2025 auf eigene Rechnung 4500 Aktien zum Stückpreis von 5,95 Euro. Am 2. Oktober 2025 stockte er auf 6000 Aktien zu je sieben Euro auf. Mit jüngeren Käufen liegen die Vorstandsmitglieder allerdings schon wieder unter Wasser. Mümmler erwarb am 23. Juli 1500 Aktien zu 14 Euro, Vorstandschef Klaus Fiedler am 19. Mai 2000 Stück zu 21 Euro. Vom Jahreshoch hat die Aktie inzwischen gut 60 Prozent verloren und notiert bei knapp zwölf Euro.
Was war passiert? Der Ausbau der KI-Infrastruktur hatte Hoffnungen geschürt, dass die Nachfrage nach optischen Komponenten für Rechenzentren massiv steigen würde. Photonik-Aktien wie LPKF wurden daraufhin jenseits der fundamentalen Daten nach oben getrieben. Die große Zukunftshoffnung von LPKF heißt LIDE (Laser Induced Deep Etching). Diese Lasertechnologie erzeugt feinste Strukturen und Durchkontaktierungen in Glas, ohne Mikrorisse oder thermische Schäden – eine Schlüsseltechnologie für neue Chip-Generationen im Bereich Advanced Packaging.
Schwache Halbjahreszahlen bremsen die Euphorie
Wichtige Fragen stellten Investoren allerdings erst nach den spektakulären Kursanstiegen im Frühjahr. Wie schnell werden Kupferkabel aus Rechenzentren verschwinden? Nvidia ließ verlauten, dass Kupferkabel in Serverschränken weiterhin wichtig blieben. Eine weitere Unbekannte: Wie rasch kann LPKF seine Lieferkapazitäten ausbauen? Und wie laufen die Geschäfte mit Kunden aus anderen Industriezweigen?
Für Ernüchterung sorgten die Halbjahreszahlen vom 23. Juli. Der Umsatz lag mit 36,5 Millionen Euro gut 38 Prozent unter dem Vorjahreswert. Hauptursache war der Einbruch im Geschäftsbereich Solar, wo Kunden Investitionen zurückhalten. Der operative Verlust stieg von 1,7 Millionen auf 14,1 Millionen Euro. Der Auftragsbestand lag mit 34,7 Millionen Euro etwa auf Vorjahresniveau, die Auftragseingänge mit 44 Millionen Euro nur leicht darüber. Ein Boom sieht anders aus.
LPKF wartet weiter auf einen großen Serienauftrag aus dem Halbleiterbereich. Die LIDE-Technologie läuft bei Kunden bisher nur in Testumgebungen. Für die Aktie bedeutet das: zurück auf Los. Anleger sollten die weitere Entwicklung genau beobachten, bevor sie einen Einstieg wagen.
