Lagarde warnt: Europa droht von KI-Entwicklung abgehängt zu werden
EZB-Chefin Lagarde warnt: Europa droht der Anschluss an die KI-Entwicklung zu verlieren.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat eindringlich vor den Risiken gewarnt, die Europa durch seine Abhängigkeit von importierten KI-Technologien drohen. In einer Rede in Wien appellierte sie an die europäischen Staaten, selbst zum Produzenten von Künstlicher Intelligenz zu werden – andernfalls drohe ein beispielloser Kontrollverlust.
„In wenigen Jahren wird KI Waren an den Grenzen kontrollieren, entscheiden, welche Steuererklärungen überprüft werden, Züge dispatchen, Patienten auf Stationen überwachen und Zahlungen in Banken abwickeln“, sagte Lagarde am Montag. Die Europäische Zentralbankchefin machte deutlich, dass Europa die Technologie derzeit zwar nutze, aber größtenteils aus den USA importiere. Das mache den Kontinent verwundbar.
Europa droht der Anschlussverlust
Sollten die USA den Zugang zu KI-Technologien einschränken oder die Bedingungen ändern, wäre dies eine „Form der Hebelwirkung, die kein Handelspartner je über Europa ausgeübt hat“, warnte Lagarde. Ein solcher Schritt könnte in jeder Verhandlung eingesetzt werden – etwa zu Zöllen oder digitalen Steuern. Die Folgen wären dramatisch: „Ein Rückzug des Zugriffs oder eine Änderung der Bedingungen würde dann alle Sektoren gleichzeitig treffen.“
Obwohl die EU und die USA wichtige Verbündete sind, sei das Vertrauen zuletzt durch eine Reihe von Themen erschüttert worden. Lagarde verwies auf Zollkonflikte, die Forderungen der USA nach der Übernahme Grönlands sowie den Abzug US-amerikanischer Truppen aus Europa aufgrund politischer Differenzen.
Investitionslücke und Produktivitätspotenzial
Der Ausweg liege im Aufbau eigener europäischer Rechenkapazitäten, so Lagarde. „Europa verfügt bereits jetzt über zu wenig Rechenzentrumskapazitäten, um die eigene Nachfrage zu decken, und nach aktuellen Trends wird sich diese Lücke innerhalb eines Jahrzehnts mehr als verfacht haben.“ Europa brauche Modelle, die „gut genug“ für die meisten Aufgaben seien und auf europäischer Infrastruktur liefen. Nur so verliere die Gefahr eines Abschneidens ihre Wirkung.
Gleichzeitig betonte Lagarde die enormen Chancen: Wenn KI schnell angepasst werde, könne sie die Produktivität über ein Jahrzehnt hinweg um bis zu vier Prozent steigern. Das wäre für die öffentlichen Finanzen transformativ.
US-Tech-Konzerne verdrängen Europa am Kapitalmarkt
Ein weiteres Problem: Die Investitionsbedürfnisse der US-Technologieunternehmen seien so groß, dass sie einen Teil ihrer Kreditaufnahme in Europa tätigten. Dadurch steigen die Kosten für alle anderen, da sie andere Schuldner am Markt verdrängen. Zudem investierten europäische Rentenfonds stark in US-Tech-Aktien. „Jede Marktkorrektur würde die europäischen Ersparnisse betreffen“, warnte Lagarde.
Die Botschaft der EZB-Präsidentin ist eindeutig: Europa zahlt bereits für die Technologie – und sollte sie daher energischer selbst vorantreiben. Die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern sei nicht nur ein wirtschaftliches, sondern zunehmend auch ein strategisches Risiko.
