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KPMG Australien: Chairman und zwei Partner treten zurück

Der Prüfungsskandal bei KPMG Australien weitet sich aus – nun verlassen Chairman Martin Sheppard und zwei Senior-Partner das Unternehmen.

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KPMG Australien: Chairman und zwei Partner treten zurück

KPMG Australien hat am Dienstag den Rücktritt seines Vorsitzenden Martin Sheppard sowie der beiden Senior-Prüfungspartner Paul Rogers und Eileen Hoggett bekanntgegeben. Die Entscheidungen treten sofort in Kraft und sind die jüngste Konsequenz eines wachsenden Skandals rund um den Missbrauch vertraulicher Mandanteninformationen. Bereits zuvor hatten der CEO sowie der Leiter der Wirtschaftsprüfungssparte ihre Ämter verloren.

Der Kern des Skandals: Ein Whistleblower hatte behauptet, KPMG habe vertrauliche Vorstandsunterlagen des australischen Immobilienkonzerns Lendlease genutzt, um Gebote bei wichtigen Ausschreibungen für Wirtschaftsprüfungen zu unterstützen. Rogers und Hoggett wurden vom Whistleblower direkt als leitende Partner des Lendlease-Prüfungsteams benannt, die an dem Fehlverhalten beteiligt gewesen sein sollen. Gegen beide ermittelt derzeit die australische Unternehmensaufsicht.

„Die heute bekannt gegebenen Entscheidungen sind notwendig und treten sofort in Kraft", erklärte der interimistische CEO Stan Stavros in einer offiziellen Mitteilung. „Wir haben die an uns gestellten Erwartungen nicht erfüllt und erkennen die Auswirkungen an, die dies auf den Whistleblower, unsere Mitarbeiter, unsere Mandanten und die Öffentlichkeit hatte." KPMG hat eingeräumt, die ursprüngliche Beschwerde falsch gehandhabt zu haben.

Vierte Untersuchung eingeleitet

Das Unternehmen hat inzwischen eine vierte interne Untersuchung eingeleitet, nachdem die vorangegangenen drei Untersuchungen kein Fehlverhalten belegen konnten. Hoggett war Anfang des Monats bereits als Chief Operating Officer zurückgetreten, blieb aber bis zum Abschluss der Ermittlungen formal Partnerin. Nun verlässt sie das Unternehmen vollständig.

Sheppard soll nach einer kurzen Übergangsphase durch einen unabhängigen Vorsitzenden ersetzt werden. Zudem werden dem australischen Board unabhängige Mitglieder hinzugefügt. KPMG bezeichnete diese Schritte als Teil einer umfassenden „Reform der Governance und zum Wiederaufbau von Vertrauen", die auch eine Überprüfung der Sanktionen bei Mitarbeiterfehlverhalten umfasst.

Die Ankündigung erfolgte kurz nachdem Sheppard am Freitag vor einem australischen Parlamentsausschuss erschienen war, der den Skandal untersuchte. Bei der Anhörung räumte er ein, dass KPMG-Mitarbeiter sensible Informationen über das Telekommunikationsunternehmen Optus an ein internes Team weitergegeben hatten, das sich gleichzeitig um einen Prüfungsauftrag für den Optus-Konkurrenten Telstra bewarb – ein klarer Verstoß gegen ethische Grundsätze.

Kritik an Umgang mit Parlamentsausschuss

Sheppard stand zudem in der Kritik, weil er sich zunächst auf das Anwaltsgeheimnis berufen hatte, um dem Parlamentsausschuss den Zugriff auf interne Dokumente zu verweigern. Diese Entscheidung revidierte er später. Der Ausschuss erfuhr außerdem, dass KPMG die Beschwerde des Whistleblowers fälschlicherweise als „arbeitsplatzbezogenes Problem" und nicht als Frage der Prüfungsqualität behandelt hatte – ein schwerwiegender Verfahrensfehler.

Stavros betonte in seiner Stellungnahme: „Die Untersuchungen des Parlamentsausschusses haben Probleme aufgezeigt, darunter unethisches Verhalten von Führungskräften und die menschlichen Auswirkungen des Umgangs von KPMG mit dem Whistleblower. KPMG Australien konzentriert sich darauf, sicherzustellen, dass diese Versäumnisse verstanden, angegangen und nicht wiederholt werden."

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Governance-Strukturen großer Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Für deutsche Anleger und Unternehmen, die mit den sogenannten „Big Four" – KPMG, Deloitte, EY und PwC – zusammenarbeiten, verdeutlicht der Skandal, wie wichtig unabhängige Kontrollmechanismen und ein funktionierender Whistleblower-Schutz in der Branche sind. KPMG Australien steht nun vor der Aufgabe, das verlorene Vertrauen bei Mandanten, Mitarbeitern und der Öffentlichkeit schrittweise zurückzugewinnen.

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