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KPMG Australien: Datenmissbrauch-Skandal weitet sich dramatisch aus

KPMG Australien gesteht Missbrauch vertraulicher Optus-Daten – der zweite große Wirtschaftsprüfungsskandal seit dem PwC-Steuerleck 2023.

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KPMG Australien: Datenmissbrauch-Skandal weitet sich dramatisch aus

Der Skandal um KPMG Australien nimmt an Fahrt auf. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft hat vor einem parlamentarischen Ausschuss eingestanden, vertrauliche Informationen des Telekommunikationskonzerns Optus – einer Tochtergesellschaft von Singapore Telecommunications – unsachgemäß verwendet zu haben. Das Geständnis bestätigt damit Vorwürfe eines Whistleblowers, die KPMG in früheren internen und externen Untersuchungen noch als unbegründet bezeichnet hatte.

KPMG-Vorsitzender Martin Sheppard erklärte gegenüber Abgeordneten, dass ungeschwärzte Informationen über Optus eine „ethische Trennwand" überschritten hätten, „was nicht hätte passieren dürfen". Sheppard war einer von mehreren aktuellen und ehemaligen Führungskräften, die bei einer ganztägigen parlamentarischen Anhörung aussagen mussten.

Rücktritt des CEOs und jahrelange Vertuschungsvorwürfe

Der ehemalige CEO von KPMG Australien, Andrew Yates, erklärte, dass die Beweise im Fall Optus – hervorgegangen aus einer Untersuchung der Anwaltskanzlei Allens – im vergangenen Monat zu seinem Rücktritt geführt hätten. „Das war der Tag, an dem mir klar wurde, dass es hier Dinge gab, die man früher hätte finden können", sagte er bei der Anhörung.

Der Kern des Skandals reicht jedoch weiter: Ein Whistleblower wirft KPMG vor, vertrauliche Vorstandspapiere des Immobilienkonzerns Lendlease missbraucht zu haben, um Angebote für bedeutende Prüfungsmandate der Großbank Westpac und des Immobilienunternehmens Dexus zu unterstützen. Besonders brisant: Lendlease wurde erst im Mai 2025 über die Vorwürfe informiert – ein volles Jahr nachdem die Anschuldigungen intern erstmals erhoben worden waren.

Der Vorsitzende von Lendlease, John Gillam, bezeichnete das Vorgehen von KPMG vor dem Ausschuss als „fundamentalen Vertrauensbruch". Das Unternehmen gab daraufhin bekannt, KPMG als Wirtschaftsprüfer abzuberufen und damit eine fast sieben Jahrzehnte währende Geschäftsbeziehung zu beenden. Der Auftrag von Telstra wurde letztlich an den Konkurrenten Deloitte vergeben.

Yates gab bei der Anhörung an, die Whistleblower-Beschwerde gegenüber Optus nicht offengelegt zu haben, und konnte sich nicht erinnern, wann Westpac und Dexus informiert wurden. Auf die Frage, warum es so lange gedauert habe, die Beschwerde intern zu teilen, erklärte er, er habe eine gewisse Zurückhaltung verspürt, das Thema mit den 680 Partnern der Kanzlei zu teilen.

Politischer Druck und Forderungen nach strengerer Regulierung

Der Skandal löst in Australien eine breite politische Debatte über die Regulierung der sogenannten „Big Four"-Wirtschaftsprüfungsgesellschaften aus – also KPMG, PwC, Deloitte und EY. Senatorin Barbara Pocock von den Grünen warf KPMG vor, im Streben nach kommerziellem Gewinn „jegliche ethischen Erwägungen übergangen" zu haben. Sie zog dabei direkte Parallelen zum aufsehenerregenden PwC-Steuerleck-Skandal von 2023, der die Branche bereits erschüttert hatte.

Ein zentrales strukturelles Problem steht dabei im Fokus: Die „Big Four" sind als Partnerschaften und nicht als Kapitalgesellschaften organisiert. Das bedeutet, sie unterliegen nicht der Aufsicht der australischen Wertpapier- und Investitionsbehörde ASIC, die strenge Berichtspflichten vorschreibt. Stattdessen werden sie durch Gesetze auf Bundesstaatsebene reguliert – eine Lücke, die Kritiker seit Langem bemängeln.

„Ist die Partnerschaftsstruktur unter diesen Umständen noch funktionsfähig? Wir sind zum zweiten Mal an diesem Punkt, erst PwC und jetzt Sie", fragte Pocock direkt. Deborah O'Neill, Senatorin der regierenden Labor-Partei, schloss sich diesen Ansichten an und fragte, ob es in der Firma „faule Äpfel" gebe oder ob „das ganze Fass verfault" sei.

Yates wies die schärfste Kritik zurück: „Ich sehe mich selbst nicht als faulen Apfel. Und ich glaube auch nicht, dass die Firma voller fauler Äpfel ist. Wir sind eine große, komplexe Organisation und wir sind fehlbar." O'Neill entgegnete, dass eine Unternehmensstruktur eine klar verantwortliche Führungskraft für solche Angelegenheiten vorgesehen hätte – in einer Partnerschaft hingegen trage jeder Partner gemeinsam die Verantwortung für das Handeln der gesamten Organisation.

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