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Konservatives Musterdepot: Diese Aktien fliegen jetzt raus

Diageo, Netflix und Markel werden verkauft – das konservative Musterdepot wird entrümpelt und neu ausgerichtet.

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Konservatives Musterdepot: Diese Aktien fliegen jetzt raus

Ein konservatives Depot braucht regelmäßige Pflege. Nach Jahren des Aufbaus steht jetzt eine gezielte Aufräumaktion an: Mehrere Positionen werden verkauft, andere bleiben – und neue Titel sollen in wenigen Wochen folgen. Der Fokus liegt diesmal klar auf dem Ausmisten.

Tech und KI: Zu viel Klumpenrisiko

Der Technologie- und KI-Bereich ist im Depot stark vertreten – vielleicht zu stark. Die Positionen decken die gesamte Wertschöpfungskette ab: ASML als Hersteller von Lithografiesystemen kontrolliert rund 90 Prozent des globalen Marktes für diese Schlüsseltechnologie. Kunden wie TSMC, Samsung oder Intel sind auf die niederländischen Maschinen angewiesen, um Halbleiterchips zu produzieren.

Samsung selbst hat schnell auf den Nachfrageboom reagiert und könnte in diesem Jahr den zweithöchsten Jahresgewinn weltweit erzielen – getrieben von gestiegenen Chippreisen. Alphabet und Amazon ergänzen das Bild als Hyperscaler mit starkem Cloud-Wachstum.

Das Problem: KI-Werte machen inzwischen mehr als ein Drittel der gesamten Aktieninvestments aus. Das ist mit einem konservativen Ansatz kaum vereinbar. Deshalb wird das KI-Exposure bewusst um etwa ein Fünftel reduziert – verteilt auf die bisher stark gelaufenen Titel Alphabet, Samsung und ASML.

Die Deutsche Telekom bleibt hingegen im Depot. Der Einstieg bei 15 Euro im Jahr 2017 war günstig, die Perspektiven sind weiterhin positiv. Seit Februar betreibt das Unternehmen gemeinsam mit Nvidia ein Rechenzentrum in München, eine Verdopplung der Kapazität ist geplant. Zudem soll Volkswagen eine eigene Cloud über die Telekom aufbauen lassen. Die UBS sieht das Papier bei einem aktuellen Kurs von 26 Euro als günstig bewertet und nennt ein Kursziel von 36 Euro.

Versicherungen: Markel und Kinsale müssen gehen

Im Finanz- und Versicherungsbereich wird ebenfalls sortiert. Berkshire Hathaway bleibt trotz Seitwärtsbewegung seit einem Jahr im Depot – der Rücktritt von Warren Buffett hat viele Anleger vorsichtig gemacht, doch der Unternehmensmix überzeugt weiterhin. Die Münchener Rück ergänzt das Portfolio als europäischer Gegenpart mit einer attraktiven Dividendenrendite von aktuell 5,4 Prozent.

Verkauft wird dagegen die Markel Group. Das Unternehmen gilt als „Mini-Berkshire", lief aber in der Vergangenheit stets etwas schlechter als das Original. Lieber am Vorbild festhalten – der Verkauf erfolgt mit einem Gewinn von 35 Prozent.

Auch die Kinsale Group soll in absehbarer Zeit abgestoßen werden. Der Spezialversicherer für schwer kalkulierbare Risiken – etwa Immobilien in Hurrikan-Regionen – ist zwar profitabel, doch dieses Segment ist bereits über Berkshire und Münchener Rück abgedeckt. Zuletzt stieg der Umsatz um zehn Prozent, der Gewinn sogar um 25 Prozent – die Aktie hat aber stark abgewertet. Gehofft wird auf einen kleinen Turnaround, bevor die Anteile verkauft werden.

Bank of America und Deutsche Börse bleiben. Die Bank of America legte seit dem Kauf Ende Mai bereits mehr als 16 Prozent zu. Die Deutsche Börse profitiert besonders in volatilen Marktphasen – zuletzt sorgte ein Kursplus von 30 Prozent im Zuge des Iran-Kriegs für Aufsehen.

E-Commerce und Konsumgüter: Shopify bleibt, Diageo geht

Im E-Commerce-Bereich hält das Depot an Amazon und Shopify fest. Amazon erschließt neue Ertragsquellen, indem es sein Logistiknetz künftig auch anderen Unternehmen zur Verfügung stellt. Shopify wächst mit einem Umsatzplus von 25 Prozent auf Jahressicht stark, steht aber unter Druck, weil Anleger KI als Bedrohung für das Geschäftsmodell sehen. Das Unternehmen investiert jedoch selbst intensiv in KI.

Bei den Konsumgütern ist die Lage gemischter. Beiersdorf notiert aktuell auf einem 10-Jahres-Tief – sechs Prozent unter dem Kaufkurs von 78 Euro aus dem Jahr 2015. Die Hauptmarke Nivea schwächelt, auch das Luxussegment La Prairie hakt. Positiv: Das Derma-Geschäft rund um Eucerin läuft gut, und mit einer Eigenkapitalquote von fast 70 Prozent steht das Unternehmen finanziell solide da. An einen großen Turnaround glaubt man zwar nicht mehr – wohl aber an eine Erholung, nach der die Aktie verkauft werden soll.

Diageo hingegen verlässt das Depot sofort. Der Spirituosenhersteller – bekannt für Tanqueray Gin und Johnnie Walker Whisky – leidet unter dem strukturellen Rückgang des Alkoholkonsums. Statt konsequent im Premiumsegment zu bleiben, will das Management nun wieder den Massenmarkt mit günstigeren Preisen ansprechen. Diese Unentschlossenheit dürfte die Konkurrenz ausnutzen. Der Verkauf erfolgt mit einem Minus von 32 Prozent.

British American Tobacco (BAT) bleibt dagegen im Depot. Die Tabakindustrie hat sich durch neue Produkte mit wenig oder keinem Nikotin aus der jahrelangen Seitwärtsbewegung befreit – besonders bei jungen Konsumenten boomen diese Produkte. Die Dividendenrendite von 5,5 Prozent macht BAT zusätzlich attraktiv.

Unterhaltung: Netflix raus, Nintendo und UMG bleiben

Im Unterhaltungsbereich notieren alle Positionen unter dem Kaufkurs – eine ernüchternde Bilanz. Netflix wird vollständig verkauft. Das Unternehmen ist zwar Weltmarktführer im Streaming, doch es fehlen zündende Ideen für weiteres Wachstum. Ikonische Serien wie Stranger Things oder Squid Game, die Millionen Zuschauer an die Plattform banden, sucht man derzeit vergeblich. Neue Felder wie Videopodcasts oder Spiele ersetzen nicht die fehlende Innovation im Kerngeschäft.

Nintendo bleibt trotz schwieriger Lage im Depot. Die Switch 2 kämpft mit gestiegenen Chipkosten, weshalb der Preis um elf Prozent erhöht und die Verkaufsprognose um 17 Prozent gesenkt wurde. Die Aktie notiert rund 48 Prozent unter dem Stand von Ende 2025. Doch das ist ein branchenweites Problem – auch Sony und Microsoft erhöhen die Preise. Mit neuen Spielen bekannter Franchises wie Super Mario oder Pokémon arbeitet Nintendo erfolgreich an der Kundenbindung. Das Problem gilt als zyklisch, nicht strukturell.

Universal Music Group (UMG) hält ebenfalls die Stellung. Das Management lehnte kürzlich ein Übernahmeangebot über 65 Milliarden Dollar ab – rund 70 Prozent mehr als der aktuelle Börsenwert. Das signalisiert: Institutionelle Investoren glauben, dass das Unternehmen noch mehr wert ist.

Gold: Abwarten statt verkaufen

Gold nimmt mit rund 28.500 Euro in Xetra-Gold-Anteilen fast ein Viertel des Gesamtdepots ein. Zuletzt fiel der Goldpreis auf ein neues Sechs-Monats-Tief von unter 4.000 Dollar je Feinunze. Trotzdem ist jetzt kein guter Zeitpunkt zum Verkauf. Die steigende Nachfrage der Notenbanken weltweit könnte nach der aktuellen Korrektur eine neue Rallye auslösen. Analysten der Deutschen Bank sehen sogar Kurse von 8.000 Dollar je Feinunze in den nächsten fünf Jahren als möglich an.

Die Strategie lautet daher: abwarten. Sobald die Kurse wieder anziehen, sollen schrittweise Teile des Gold-ETCs verkauft werden – mit dem Ziel, den Goldanteil langfristig auf rund 15 Prozent des Depots zu reduzieren.

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