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Kolumbien schockt Märkte: Zentralbank hebt Leitzins auf 10,25 Prozent an

Überraschende Erhöhung um 100 Basispunkte – erste Zinsanhebung seit drei Jahren wegen steigender Inflation

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Kolumbien schockt Märkte: Zentralbank hebt Leitzins auf 10,25 Prozent an

Die kolumbianische Zentralbank hat die Finanzmärkte mit einer drastischen Zinswende überrascht. Am Freitag beschloss das Direktorium eine Anhebung des Leitzinses um 100 Basispunkte auf 10,25 Prozent. Es ist die erste Zinserhöhung seit fast drei Jahren und fiel deutlich aggressiver aus als von den meisten Analysten erwartet.

Die Entscheidung fiel in einem gespaltenen siebenköpfigen Gremium: Vier Direktoren stimmten für die kräftige Anhebung, zwei sprachen sich für eine Senkung um 50 Basispunkte aus, und ein Mitglied plädierte für unveränderte Zinsen. Eine Reuters-Umfrage unter 26 Analysten hatte ergeben, dass 15 Experten lediglich mit einer Erhöhung um 50 Basispunkte auf 9,75 Prozent gerechnet hatten. Nur ein einziger Analyst hatte den tatsächlichen Zinsschritt vorhergesehen.

Als Hauptgründe für die Straffung der Geldpolitik nannte die Zentralbank den anhaltenden Inflationsdruck und stark gestiegene Inflationserwartungen. Hinzu kommen zunehmende fiskalische Risiken und externe Unsicherheiten. Die Kerninflation kletterte im Dezember auf 5,02 Prozent, nachdem sie im November noch bei 4,85 Prozent gelegen hatte. Das langfristige Inflationsziel der Bank liegt bei 3 Prozent mit einer Toleranzspanne von plus/minus einem Prozentpunkt.

Mindestlohn-Erhöhung heizt Preisdruck an

Besondere Sorge bereitet den Währungshütern die Entscheidung von Präsident Gustavo Petro, den Mindestlohn um 22,7 Prozent anzuheben. Diese drastische Erhöhung dürfte zusätzlichen Preisdruck erzeugen. Das technische Team der Zentralbank hat seine Inflationsprognose für 2025 von zuvor 4,1 Prozent auf nun 6,3 Prozent nach oben korrigiert. Analysten erwarten laut einer Reuters-Umfrage zum Jahresende sogar eine Teuerungsrate von 6,32 Prozent.

Direktoriumsleiter Leonardo Villar erläuterte in einer Pressekonferenz, dass das Wirtschaftswachstum 2025 voraussichtlich 2,9 Prozent erreicht habe, für das laufende Jahr jedoch nur noch 2,6 Prozent erwartet werden. Gleichzeitig weitet sich das Leistungsbilanzdefizit aus: Die Zentralbank schätzt, dass es 2025 bei 2,4 Prozent des BIP lag, verglichen mit 1,6 Prozent im Vorjahr. Verantwortlich dafür ist vor allem ein kräftiges Importwachstum bei gleichzeitig moderater Exportentwicklung.

Regierung kritisiert Zinsentscheidung scharf

Die Zentralbank verwies zudem auf erhöhte externe Risiken durch mögliche Handelskonflikte, US-Migrationsmaßnahmen, geopolitische Spannungen und eine verschlechterte Wahrnehmung des kolumbianischen Länderrisikos. Diese Faktoren erhöhen die Unsicherheit für die wirtschaftliche Entwicklung des südamerikanischen Landes.

Finanzminister German Avila, der die Regierung im Zentralbank-Direktorium vertritt, übte scharfe Kritik an der Zinsentscheidung. "Die Regierung erklärt ihre völlige Ablehnung dieser Entscheidung", sagte Avila. Er argumentierte, dass das Wirtschaftswachstum auf einem nachhaltigen Pfad sei und höhere Zinsen den privaten Konsum beeinträchtigen könnten. Präsident Petro hatte wiederholt öffentlich auf Zinssenkungen gedrängt und sieht sich nun mit einer gegenteiligen Entwicklung konfrontiert.

Die aggressive Zinserhöhung unterstreicht den Konflikt zwischen der unabhängigen Geldpolitik der Zentralbank und den wirtschaftspolitischen Zielen der Regierung. Für Investoren bedeutet die Zinswende sowohl Chancen durch höhere Renditen als auch Risiken durch ein möglicherweise gebremste Wirtschaftswachstum.

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