Kevin Warsh als Fed-Chef: Zinswende ungewiss, Edelmetalle korrigieren stark
Trumps Kandidat für die Fed-Spitze könnte aggressive Zinssenkungen bremsen – Gold und Silber unter Druck

Die mögliche Ernennung von Kevin Warsh zum Vorsitzenden der US-Notenbank Federal Reserve durch Präsident Donald Trump sorgt für Unsicherheit an den Finanzmärkten. Der ehemalige Fed-Gouverneur gilt als Inflationsfalke und könnte Trumps Forderung nach drastischen Zinssenkungen auf 1 Prozent ablehnen. Diese Aussicht hat bereits zu deutlichen Korrekturen bei Edelmetallen geführt.
Warsh war zwischen 2006 und 2011 als Fed-Gouverneur tätig und machte sich einen Namen als Kritiker lockerer Geldpolitik. Heather Long, Chefökonomin der Navy Federal Credit Union, sieht in ihm einen Pragmatiker, der das Vertrauen der Märkte nicht durch ungerechtfertigte Zinssenkungen gefährden würde. Seine Historie lasse darauf schließen, dass er eine Überhitzung der Wirtschaft verhindern wolle.
Edelmetalle erleben dramatische Korrektur
Die Zweifel an einer deutlichen Lockerung der Fed-Politik haben Gold und Silber unter Druck gesetzt. Der Goldpreis fiel von knapp 5600 US-Dollar deutlich unter 4700 US-Dollar. Noch dramatischer verlief die Entwicklung bei Silber, das von über 120 Dollar auf zeitweise unter 74 Dollar abstürzte – ein Rückgang von über 38 Prozent.
Commerzbank-Expertin Thu Lan Nguyen mahnt jedoch zur Vorsicht vor voreiligen Schlüssen. Sie erwartet, dass Trump weiterhin massiv auf niedrigere Zinsen drängen wird, was den Goldpreis grundsätzlich stützen sollte. Die aktuelle Korrektur könnte lediglich Gewinnmitnahmen nach dem rapiden Preisanstieg darstellen. Unabhängig von der Fed-Politik stützen geopolitische Unsicherheiten wie der Ukraine-Krieg und Spannungen mit China die Nachfrage nach Edelmetallen als sichere Häfen.
Institutionelle Reformen vor hohen Hürden
Warsh hat die Fed jahrelang kritisiert und gemeinsam mit Finanzminister Scott Bessent als "institutionelle Abweichung" bezeichnet. Als Fed-Chef müsste er diese Kritik in konkrete Reformen umsetzen. Die Machtausweitung der Zentralbank, insbesondere die Vermischung geldpolitischer, regulatorischer und gesetzgeberischer Befugnisse, steht dabei im Fokus.
Institutionelle Änderungen erfordern die Zustimmung des Board of Governors, des Weißen Hauses und gegebenenfalls des US-Kongresses. Erste Schritte sind bereits erfolgt: Unter Jerome Powell hat die Fed ihre Beteiligung an globalen Klimakonsortien eingestellt und Diversitätsprogramme zurückgefahren. Als Vorsitzender könnte Warsh die Kommunikation straffen und die Anzahl öffentlicher Reden der 12 Federal Reserve Bank Präsidenten limitieren.
Analysten von TD Securities erwarten, dass Warsh grundlegende Änderungen bei der "Forward Guidance" befürwortet. Die Fed stütze sich zu sehr auf kurzfristige Prognosen und Datenabhängigkeit. Ein früher Test für Warshs Absichten wird seine Kritik an den Wirtschaftsmodellen der Fed sein – Jerome Powell hatte seinen Nachfolger herausgefordert, bessere Modelle vorzulegen.
Bilanzpolitik als Streitpunkt
Ein weiterer Kritikpunkt Warshs ist die große Bilanz der Fed, die ihn 2011 zum Rücktritt bewegte. Allerdings ist die Bilanz eng mit der Steuerung der Zinssätze und der Bereitstellung von Liquidität verknüpft. Der scheidende Präsident der Atlanta Fed, Raphael Bostic, hält die aktuelle Größe für angemessen, da sie mit dem Wirtschaftswachstum mitwachsen müsse.
Technologiesektor profitiert weiter vom KI-Boom
Unabhängig von der Fed-Politik zeigen sich Technologieaktien robust. Der niederländische Lithografiemaschinenhersteller ASML verzeichnete im vierten Quartal ein starkes Bestellvolumen von 13,2 Milliarden Euro. Samsung präsentierte ebenfalls starke Quartalszahlen, angetrieben durch die Erholung des Speicherchipgeschäfts. Der Aktienkurs legte daraufhin deutlich zu. Silber profitiert als wichtiges Industriemetall für KI und Robotik zusätzlich zur Funktion als sicherer Hafen.
