KNDS hält an Börsengang 2026 fest trotz schwacher Rüstungswerte
Der Rüstungskonzern KNDS verschiebt seinen für Juli geplanten Börsengang, hält aber am Ziel 2026 fest.

Der Rüstungskonzern KNDS hält an seinen Plänen für einen Börsengang fest. Ursprünglich war der Schritt für Juli dieses Jahres vorgesehen, doch wegen der aktuellen Marktbedingungen wurde er verschoben. Nun stellt das Unternehmen einen Gang aufs Parkett für 2026 in Aussicht. KNDS-Chef Jean-Paul Alary macht dies jedoch von klaren Bedingungen abhängig: "Ein Börsengang 2026 ist weiterhin möglich - sofern die Marktbedingungen den Erwartungen der Aktionäre entsprechen."
Damit reagiert das Unternehmen auf ein Umfeld, das für Rüstungswerte derzeit alles andere als freundlich ist. Seit Monaten stehen die Aktien der Branche unter Druck, es kam zu deutlichen Kurskorrekturen. Besonders drastisch zeigt sich das am deutschen Vorzeigewert Rheinmetall: Die Aktie hat sich seit ihrem Höchststand von rund 2.000 Euro vor einem Jahr mehr als halbiert.
Als zusätzlicher Belastungsfaktor kommt die Einstellung des Fregatten-Projekts F126 hinzu, die den Markt verunsichert hat. Experten sprechen bei Rüstungswerten mittlerweile von einer Sonderkonjunktur. Zwar befeuerten steigende Verteidigungsausgaben in Deutschland und der EU die Nachfrage, doch Gewinnmitnahmen und eine genauere Prüfung durch Investoren belasten die Titel.
Geschäft läuft besser als der Kurs
Operativ läuft es für KNDS indes rund. Die Nachfrage nach den Produkten des Unternehmens steigt, und das Management rechnet mit kräftigem Wachstum. "Für das Gesamtjahr erwarten wir rund 30 Prozent Umsatzwachstum", sagt Alary. Zugleich sucht KNDS einen Industriepartner, um das Geschäft auszubauen.
Für den geplanten Börsengang ist bislang eine Platzierung von 20 Prozent der Anteile vorgesehen. Die Eigentümerstruktur ist dabei ungewöhnlich: Der französische Staat hält 50 Prozent an KNDS, die Familie Wegmann ebenfalls 50 Prozent. Bei einem IPO sollen nach den bisherigen Plänen 40 Prozent der platzierten Anteile von der Familie Wegmann und 40 Prozent vom deutschen Staat kommen. Der Rest der Eigentümerstruktur bleibt damit zunächst in der Hand der bisherigen Gesellschafter.
Deutschland bei Börsengängen kaum gefragt
Der verschobene KNDS-Gang aufs Parkett fällt in ein international gemischtes IPO-Jahr. In den ersten neun Monaten zählte Deutschland nur 8 Börsengänge, in Europa waren es 99, in den USA 96 und in China 242. Weltweit kamen 888 Unternehmen an die Börse, vier Prozent weniger als im Vorjahr. Die Erlöse legten dagegen auf rund 288 Milliarden Dollar zu - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr.
Für die hohen Summen sorgten einzelne Großtransaktionen. Mitte Juni legte SpaceX mit 86 Milliarden Dollar den größten Börsengang der Geschichte hin. Ein Zweitlisting von SK-Hynix in den USA brachte 26,5 Milliarden Dollar. Auch Anthropic plant einen Milliarden-Börsengang, während OpenAI diesen verschob.
Dämpfer für den DAX
EY-Experte Martin Steinbach sieht die Pipeline grundsätzlich gut gefüllt, warnt aber vor Rückschlägen: "Unsicherheiten und Risiken wie eine mögliche Abkühlung der US-Konjunktur, die Ergebnisse der US-Midterms und weitere Zinserhöhungen der Notenbanken oder auch weiter steigende Renditen an den Anleihemärkten können das IPO-Sentiment aber kurzfristig immer wieder beeinflussen."
Auch der deutsche Leitindex bekam die Unsicherheit zu spüren. Der DAX fiel erstmals seit Juli unter die Marke von 25.000 Punkten. Unsicherheit über die Zinspolitik und der Iran-Krieg drücken den deutschen Markt.
Was bedeutet das für Anleger?
Für Privatanleger ergibt sich ein widersprüchliches Bild. Auf der einen Seite steht ein Unternehmen wie KNDS, das operativ wächst und dessen Produkte gefragt sind. Auf der anderen Seite leidet die gesamte Branche unter Gewinnmitnahmen und einem schwierigeren Marktumfeld.
Wer über einen Einstieg bei einem Rüstungswert oder einem IPO nachdenkt, sollte deshalb genau auf die Marktbedingungen achten. Der Fall KNDS zeigt, wie stark das Timing eines Börsengangs von der Stimmung an den Märkten abhängt. Solange Risiken wie Zinsentscheidungen und die US-Konjunktur für Unsicherheit sorgen, bleiben Kursschwankungen wahrscheinlich. Anleger sollten daher einzelne Werte nicht isoliert betrachten, sondern das Umfeld aus Zinspolitik, Konjunktur und politischen Entwicklungen einbeziehen.
