US-Marine wählt Boeing für Jagdflugzeug der nächsten Generation
Der Konzern setzt sich gegen Northrop Grumman durch und baut die F/A-XX, die ab den 2030er Jahren die F/A-18 Super Hornet ersetzt.

Die US-Marine hat Boeing mit dem Bau ihres nächsten Kampfflugzeugs der neuen Generation beauftragt. Der Vertrag hat ein Volumen von mehr als 20 Milliarden US-Dollar, wie die Marine mitteilte. Boeing setzte sich in dem Wettbewerb gegen Northrop Grumman durch, seinen einzigen verbliebenen Konkurrenten.
Das neue Flugzeug trägt die Bezeichnung F/A-XX und soll in den 2030er Jahren schrittweise die trägergestützten F/A-18 Super Hornet ersetzen. Für Boeing ist der Zuschlag der jüngste Erfolg in einer Serie von Auftragsgewinnen der militärischen Sparte des Luft- und Raumfahrtkonzerns. Mit diesem Auftrag wird Boeing zum alleinigen Anbieter von Taktikflugzeugen der sechsten Generation sowohl für die Marine als auch für die Air Force.
Im Rennen um den Auftrag war Northrop Grumman der letzte verbliebene Mitbewerber. Lockheed Martin hatte sich bereits im vergangenen Jahr aus dem Wettbewerb genommen. Die Aktien der beteiligten Unternehmen gaben zuletzt nach: Boeing (Ticker BA) verlor 0,87 Prozent, Northrop Grumman (Ticker NOC) 4,19 Prozent und Lockheed Martin (Ticker LMT) 0,58 Prozent.
Die Details
Der Auftrag verpflichtet Boeing zum Bau der Kampfflugzeuge der neuen Generation. Die Marine bezeichnet das Flugzeug als F/A-XX, das die bisherige trägergestützte F/A-18 Super Hornet ablösen soll. Der Zuschlag ist Teil einer breiteren Aufrüstungswelle der US-Streitkräfte.
Das Pentagon verknüpft mit dem Projekt hohe Erwartungen. „Das Flugzeug wird den Kriegern einen entscheidenden Vorteil im Kampf verschaffen", erklärte Michael P. Duffey, Unterstaatssekretär für Beschaffung und Nachrüstung im Verteidigungsministerium, in einer Erklärung.
Flugzeuge der sechsten Generation sollen nach Angaben des Congressional Research Service über fortschrittlichere Stealth-Funktionen verfügen als ihre Vorgänger der fünften Generation. Zudem sollen sie Sensoren nutzen, die auf künstliche Intelligenz setzen, und mit Lasern oder hypersonischen Waffen bewaffnet sein. Auch fortschrittlichere Triebwerke und der parallele Einsatz mit Drohnen gelten als wahrscheinlich.
Hintergrund: Was bisher geschah
Boeing hat in den vergangenen Monaten mehrere Rüstungsaufträge gewonnen, über die aktien.news berichtete. Bereits am 15.09.2026 meldete aktien.news, dass die US-Luftwaffe die Obergrenze für den Boeing-KC-46-Vertrag auf 13,4 Milliarden US-Dollar angehoben hat. Grund für die Aufstockung war die Einbeziehung zusätzlicher Auslandsgeschäfte. Der KC-46 Pegasus, ein Mehrzweck-Tankflugzeug auf Basis der Boeing 767, dient der US-Luftwaffe und zunehmend auch internationalen Partnern zur Luftbetankung.
Am 02.04.2026 berichtete aktien.news über einen Boeing-Auftrag der US-Luftwaffe im Wert von 900 Millionen US-Dollar. Das Air Force Life Cycle Management Center vergab den Rahmenvertrag für die Instandhaltung und Unterstützung der Avioniksysteme des Trainingsflugzeugs T-38. Boeing war dabei der einzige Bieter im wettbewerblichen Vergabeverfahren. Der Vertrag deckt die gesamte Lebenszyklus-Unterstützung für das T-38C-Avioniksystem ab und zielt darauf, das System auf dem neuesten technischen Stand, flugtauglich und dauerhaft einsatzbereit zu halten.
Am 28.02.2026 meldete aktien.news einen Boeing-Auftrag im Wert von 166,8 Millionen US-Dollar für Ingenieurs- und Softwareleistungen an den P-8A-Systemen der US-Marine. Das Flugzeug gilt als eines der wichtigsten maritimen Patrouillen- und U-Boot-Jagdflugzeuge der amerikanischen Streitkräfte. Der Auftrag umfasst technische Analysen, Softwarewartung sowie Modernisierungen der Software und zugehöriger Hardwarekapazitäten.
Auch der unterlegene Bieter Northrop Grumman war zuletzt erfolgreich. Am 27.03.2026 berichtete aktien.news über einen Festpreisvertrag der US-Marine im Wert von 127,3 Millionen US-Dollar. Der Auftrag umfasst die Serienproduktion von GQM-163A Coyote-Überschallzielen, die im Tiefflug über See eingesetzt werden und der Ausbildung von Flugabwehrsystemen der Marine dienen. Neben der US-Marine profitieren auch die Streitkräfte Japans und Südkoreas von der Beschaffung.
Was das für Anleger bedeutet
Der F/A-XX-Auftrag ist für Boeing strategisch bedeutsam. Er sichert dem Konzern nach dem KC-46-Auftrag ein weiteres milliardenschweres Rüstungsprogramm und macht ihn zum alleinigen Anbieter von Taktikflugzeugen der sechsten Generation für Marine und Air Force. Solche langfristig angelegten Programme wirken sich typischerweise über viele Jahre auf Umsatz und Auftragsbestand aus.
Für deutsche Privatanleger sind die US-Rüstungsaktien vor allem über den Dollar und die allgemeine Marktstimmung zugänglich. Die Kursreaktionen am Berichtstag zeigen, dass der Markt die Nachricht unterschiedlich aufnimmt: Während Boeing leicht nachgab, verlor Northrop Grumman als unterlegener Bieter deutlich. Lockheed Martin, das sich bereits früher zurückgezogen hatte, gab ebenfalls leicht nach.
Einzelne Aufträge sagen wenig über die künftige Ertragskraft eines Unternehmens aus. Anleger sollten daher die Auftragsentwicklung, die Ausführungsrisiken bei Großprojekten und die weitere Berichterstattung des Konzerns verfolgen, statt sich auf eine einzelne Meldung zu stützen. Dies ist ausdrücklich keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.
Ausblick
Der Vertrag verpflichtet Boeing zum Bau der F/A-XX. Die Kampfflugzeuge der neuen Generation sollen in den 2030er Jahren die trägergestützten F/A-18 Super Hornet ersetzen. Damit beginnt für Boeing ein mehrjähriges Entwicklungs- und Bauprogramm. Weitere Angaben zum Zeitplan oder zur Stückzahl nannte die Marine in ihrer Mitteilung nicht.
Kurz erklärt
- Stealth: Tarnkappentechnik, die Militärflugzeuge für gegnerisches Radar schwerer erkennbar macht.
- Hyperschallwaffe: Ein Flugkörper, der mit mehrfacher Schallgeschwindigkeit fliegt.
- Trägergestützt: Für den Start und die Landung auf Flugzeugträgern ausgelegt.
- Vergabeverfahren: Geordneter Wettbewerb, in dem der Auftraggeber die Angebote mehrerer Bieter prüft.
