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KKR warnt vor wachsenden Kreditmarktrisiken durch den KI-Boom

Der US-Investor sieht wachsende Konzentrationsrisiken im Investment-Grade-Markt und warnt vor erheblicher Volatilität bei einem Abschwung der KI-Branche.

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KKR warnt vor wachsenden Kreditmarktrisiken durch den KI-Boom

Die US-Investmentgesellschaft KKR warnt vor erheblichen Schwankungen an den globalen Kreditmärkten, sollte der boomende KI-Sektor in einen Abschwung geraten. In einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht heißt es, steigende Schuldenstände bei Technologie-Kreditnehmern setzten Anleger einem "ungewöhnlich konzentrierten Investitionszyklus" aus. KKR mit Sitz in New York verwaltet mehr als 796 Mrd. US-Dollar in Private Equity, Private Credit und anderen Märkten.

Als zentrales Risiko benennt das Unternehmen die wachsende Verflechtung des Investment-Grade-Marktes mit der KI-Branche. Bis 2030 sollen Tech-Unternehmen demnach fast 8 Billionen US-Dollar in KI-Infrastruktur investieren. Ein Fünftel des Investment-Grade-Index – der historisch einige der sichersten Wertpapiere beherbergt – könnte dadurch am Ende KI-Risiken ausgesetzt sein.

KKR zufolge könnte das tatsächliche Ausmaß der KI-Exposition sogar noch größer sein. Ursache ist die zunehmende Nutzung von Off-Balance-Sheet-Finanzierungen. Viele Portfolios dürften eine deutlich höhere Gewichtung in diesem Sektor aufweisen, sobald Kreditgarantien, Leasingverträge und andere zukünftige Verpflichtungen in die Betrachtung einbezogen werden.

Die Details

Besonders deutlich wird die Dimension an den konkreten Kennzahlen. KI-verknüpfte Schuldtitel belaufen sich derzeit auf etwa 600 Mrd. US-Dollar, was rund 6,3 Prozent des US-Investment-Grade-Marktes entspricht. Im Vergleich dazu lag die höchste Sektor-Exposition im Index im Durchschnitt der vergangenen 29 Jahre bei nur 2,6 Prozent, so KKR.

Selbst wenn die größten Hyperscaler – einschließlich Oracle, Amazon, Meta, Google, <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft und SpaceX – jeweils eine maximale Indexgewichtung von 3 Prozent erreichten, könnten sie dem Bericht zufolge nur bis zu 1,7 Billionen US-Dollar vom High-Grade-Anleihemarkt aufnehmen. Mehr als 6 Billionen US-Dollar an erwarteten Kapitalausgaben blieben damit unfinanziert. In der Analyse der Verantwortlichen wird die Kluft zwischen erwartetem Investitionsbedarf und tatsächlich verfügbarer Anleihefinanzierung damit sehr konkret.

"Wir denken nicht, dass genug Menschen über die potenzielle Volatilität sprechen, falls das KI-Wachstum nachlässt", sagte Christopher Sheldon, Co-Leiter von Credit and Markets bei KKR, gegenüber der Financial Times. "Hierbei handelt es sich um Vielfache von Milliardenbeträgen an Marktwert. Die Kaskadeneffekte über die breiteren Märkte hinweg könnten sehr bedeutsam sein."

Tal Reback, Managing Director bei KKR und Mitautor des Berichts, wies auf "einen Markt hin, in dem scheinbar unterschiedliche Exponenzen zunehmend von denselben zugrunde liegenden Wirtschaftsbedingungen getrieben werden". Genau diese Korrelation ist es, die aus Sicht des Hauses die Risikostreuung innerhalb der Portfolios untergräbt.

Die Warnung fällt in eine Phase wachsender Besorgnis unter Investoren über das Ausmaß der Kreditaufnahme-Welle des Technologiesektors. Diese zieht sich durch jede Ecke des Kreditmarktes – von hoch bewerteten Investment-Grade-Anleihen bis hin zu Junk Debt und verbrieften Produkten – und gestaltet die Art und Weise, wie die Welt Geld leiht, neu. Skepsis unter einigen Analysten, dass sich die enormen KI-Investitionen langfristig auszahlen, hat bereits die Aktienkurse einiger stark gestiegener Werte getroffen. Zugleich bestehen Befürchtungen, dass gegenseitige Finanzierungen von Tech-Unternehmen etwaige Branchenausfälle verstärken könnten.

In den vergangenen Monaten haben Anleger höhere Renditen für KI-verknüpfte Schuldtitel gefordert, um das erhöhte Risiko zu kompensieren. Als Zeichen der Nervosität sind Darlehen für Rechenzentren, die mit Oracle verbunden sind, kürzlich unter Druck geraten – bedingt durch Bauverzögerungen und Genehmigungsprobleme. Das führte zu einer intensiven Prüfung der Rückbürgschaft durch die Hyperscaler.

John Queen, Portfolio-Manager für festverzinsliche Wertpapiere bei Capital Group, sagte, er beobachte die gesamte KI-Konzentration genau, während Big-Tech-Unternehmen Schuldtitel über verschiedene Asset-Klassen hinweg emittieren. "Es ist ein äußerst wichtiger Teil des Puzzles", so Queen. "Wenn man nicht aufpasst, kann es am Ende zu einer stärkeren Emitter-Konzentration kommen, als man möchte."

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 07.06.2026 berichtete aktien.news, dass DoubleLine Capital und Oaktree Capital Management gezielt Schuldtitel kaufen, die einem potenziellen Kreditabschwung im Zuge des KI-Investitionsbooms standhalten können. Robert Cohen, Portfoliomanager bei DoubleLine, warnte damals auf dem Bloomberg Global Credit Forum vor einer Überhitzung des Marktes und der Gefahr eines Kreditabschwungs.

Am 11.06.2026 meldete aktien.news, dass KKR in seinem Halbjahresausblick zwar erwartet, dass der durch KI getriebene Produktivitätsboom erst am Anfang steht, zugleich aber vor einer historisch einmaligen Konzentration des Wachstums auf wenige Sektoren warnt. Henry H. McVey, Leiter Global Macro and Asset Allocation und CIO der KKR-Bilanz, sprach damals von einem sich verschärfenden strategischen Wettbewerb, der das Wirtschaftswachstum stärker auf weniger Branchen konzentrieren dürfte.

Am 17.06.2026 berichtete aktien.news über die Man Group, die in ihrem Ausblick für das zweite Halbjahr 2026 vor einer strukturellen Fehlbewertung von Risiken an den öffentlichen Kreditmärkten warnte. Die Strategen beschrieben eine "unangenehme Asymmetrie": Kreditinvestoren trügen erhebliche Risiken in Bezug auf die Umsetzung und Verzögerungen beim Ausbau, profitierten aber nicht von den Kursgewinnen des Eigenkapitals.

Am 14.07.2026 folgte die Meldung, dass die Verschuldung im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz im vergangenen Jahr um 99 Prozent gestiegen ist. Für Anleger weltweit stelle diese Entwicklung laut Experten einen "Schock für das System" dar, besonders betroffen seien Investoren in Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating. Im Zentrum stehen die Hyperscaler, die erst im vergangenen Herbst ernsthaft in großem Umfang Anleihen zu emittieren begannen.

Was das für Anleger bedeutet

Für deutsche Privatanleger, die über Fonds oder ETFs in US-Unternehmensanleihen investiert sind, ist der Bericht relevant, weil KI-Risiken längst nicht mehr nur ein Aktienthema sind. Kreditinvestoren profitieren im Gegensatz zu Aktionären nicht von möglichen Kursgewinnen der Hyperscaler. Sheldon bringt es so auf den Punkt: "Wenn Sie keine Exposition zu diesen Hyperscalern im Aktienmarkt hätten, würden Sie massiv unterperformen. Wenn man die Kreditmärkte betrachtet, wird man dafür nicht unbedingt bezahlt, diese konzentrierte Wette aktuell einzugehen."

Anleger müssten strukturelle Details genau beachten, insbesondere bei Geschäften, die im Sekundärmarkt gehandelt werden, wo möglicherweise keine vollständige Transparenz über Vertragsbedingungen besteht – einschließlich der zugrunde liegenden Leasingvereinbarungen, sagte Sheldon. "Wir sind von Deals abgegangen, bei denen wir uns mit den Leasingbedingungen und Force-Majeure-Klauseln nicht wohlgefühlt haben", so der KKR-Manager. "Wenn das Leasing nicht gut strukturiert ist, bringt die Kreditqualität eines Gegenpartners nur bis zu einem gewissen Punkt."

Für Privatanleger bedeutet das vor allem eines: Wer breit gestreute Anleiheportfolios hält, ist möglicherweise stärker im KI-Sektor engagiert als auf den ersten Blick erkennbar. Eine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf lässt sich daraus nicht ableiten.

Ausblick

Sheldon zufolge führt KKR derzeit mehr Gespräche mit LPs und Versicherungsunternehmen darüber, wie viel KI-Exposition vernünftig ist. Anleger sollten sich der Überexposition und Konzentration bewusst sein, da die Korrelationen innerhalb dieses KI-Ökosystems höher sind. Die KKR-Analyse verweist zudem auf den erwarteten Investitionsrahmen bis 2030 sowie auf die Lücke zwischen möglicher Anleihefinanzierung und erwarteten Kapitalausgaben, die sich nur schließen lässt, wenn sich die Finanzierungsstrukturen der Branche ändern.

Kurz erklärt

  • Investment-Grade: Bonitätsbewertung für Schuldtitel, die historisch als vergleichsweise sicher gilt und von vielen institutionellen Anlegern bevorzugt wird.
  • Hyperscaler: Große Technologieunternehmen, die umfangreiche Cloud- und Rechenkapazitäten betreiben und diese ausbauen.
  • Off-Balance-Sheet-Finanzierung: Finanzierung, die nicht in der Bilanz des Unternehmens erscheint, etwa über Leasingverträge oder Garantien.
  • Force-Majeure-Klausel: Vertragsklausel, die Pflichten bei außergewöhnlichen, unvorhersehbaren Ereignissen aussetzt oder anpasst.
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