FTC ermittelt gegen Anthropic und OpenAI: Subpoena-ähnliche Anforderungen geplant
Die US-Handelsaufsicht FTC weitet ihre Prüfung von KI-Laboren aus und will Anthropic, OpenAI und weitere Anbieter zu Auskünften zwingen.

Die US-amerikanische Federal Trade Commission (FTC) weitet ihre Untersuchung großer KI-Labore aus. Wie die New York Post am Mittwoch unter Berufung auf Regierungsbeamte berichtete, will die Behörde die potenziellen Gefahren prüfen, die die Technologie von Anthropic, OpenAI und weiteren Anbietern für Verbraucher darstellt. Die Nachricht wurde am 30. September über die Nachrichtenagentur Reuters verbreitet.
Nach Angaben des Berichts plant die FTC, den Tech-Konzernen formelle Aufforderungen zuzustellen, die Beschlagnahmebefehlen (Subpoenas) ähneln und sie zur Herausgabe von Informationen verpflichten sollen. Damit würde die Behörde einen Schritt über eine informelle Befragung hinausgehen.
Die FTC, Anthropic und OpenAI reagierten zunächst nicht auf Anfragen von Reuters nach einer Stellungnahme. Reuters konnte den Bericht der New York Post zudem nicht unabhängig verifizieren. Die Berichterstattung stützt sich damit bislang auf anonyme Regierungsquellen.
Die Details
Im Mittelpunkt der Untersuchung steht die Frage, welche Risiken KI-Produkte für Verbraucher bergen. Die FTC intensiviert nach dem Bericht eine umfassende Prüfung von Anthropic, OpenAI und anderen KI-Laboren.
Die geplanten Auskunftsanforderungen ähneln Subpoenas – also behördlichen Anordnungen, mit denen Unternehmen zur Offenlegung von Dokumenten und Informationen verpflichtet werden. Solche Instrumente setzt die FTC ein, wenn sie einen Sachverhalt nicht auf freiwilliger Basis aufklären kann.
Bislang ist nicht öffentlich bekannt, welche konkreten Dokumente die Behörde anfordern will und wie viele Unternehmen tatsächlich betroffen sind. Der Bericht nennt neben Anthropic und OpenAI lediglich „andere KI-Labore“ als mögliche Adressaten, ohne diese namentlich zu benennen.
Auch der Zeitpunkt der geplanten Aufforderungen bleibt offen. Ebenso unklar ist, ob die Unternehmen kooperieren werden oder rechtliche Schritte prüfen. Die FTC hat sich zu dem Bericht bislang nicht geäußert.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die neue Untersuchung reiht sich in eine Serie von Prüfungen und regulatorischen Entwicklungen rund um die großen KI-Labore ein. Bereits am 17.01.2026 berichtete aktien.news, dass die FTC ihre Kontrolle über große Technologiekonzerne verschärft. Im Fokus standen damals sogenannte „Acqui-Hires“ – eine Praxis, bei der Tech-Riesen gezielt Mitarbeiter und Technologien von Start-ups übernehmen, ohne die Unternehmen selbst zu kaufen. FTC-Vorsitzender Andrew Ferguson erklärte gegenüber Bloomberg Television: „Wir beginnen, diese Acqui-Hires zu untersuchen, um sicherzustellen, dass sie kein Versuch sind, das Fusionskontrollverfahren der Behörde zu umgehen.“
Auch auf Ebene der US-Bundesstaaten wuchs der Druck. Am 13.06.2026 meldete aktien.news, dass OpenAI unter wachsendem rechtlichem Druck steht: Dem Unternehmen wurde eine Vorladung der New Yorker Generalstaatsanwaltschaft zugestellt, die im Namen einer Gruppe von US-Generalstaatsanwälten handelte. Die Vorladung forderte Dokumente zu einer Vielzahl von Unternehmensaktivitäten und deren Auswirkungen auf die Nutzer an. Laut einer mit der Angelegenheit vertrauten Quelle umfasste die Untersuchung Bereiche wie Werbung, Nutzerinteraktion und -bindung sowie den Umgang mit Verbraucher- und Gesundheitsdaten, dazu Informationen zu Aktivitäten im Zusammenhang mit Minderjährigen und Senioren sowie zu Deep-Learning-Modellen.
Parallel dazu verfolgten die KI-Labore eigene Kapitalmarktpläne. Am 09.06.2026 berichtete aktien.news, dass OpenAI offiziell einen Antrag auf einen Börsengang in den USA gestellt hat und damit dem Konkurrenten Anthropic folgte, der diesen Schritt nur wenige Tage zuvor angekündigt hatte. Das Unternehmen machte keine Angaben zum Umfang oder zu den Bedingungen des Angebots und betonte, dass noch kein konkreter Zeitplan festgelegt wurde. Laut einem Bericht von Reuters strebte OpenAI bei einem möglichen Börsendebüt, das bereits im September erfolgen könnte, eine Bewertung von bis zu einer Billion US-Dollar an.
Diese Pläne gerieten zuletzt ins Stocken. Am 24.09.2026 berichtete aktien.news unter Berufung auf den Newsletter „Due Diligence“ der Financial Times, dass sich die Börsengänge der großen KI-Labore immer wieder verschieben. OpenAI hatte ursprünglich diesen Herbst einen Börsengang ins Auge gefasst, CEO Sam Altman sagte jedoch Anfang des Monats, ein IPO vor 2027 sei unwahrscheinlich. Den Zeitpunkt eines Börsengangs bezeichnete er angesichts wachsender Bedenken hinsichtlich existenzieller Risiken durch KI als „unklug“. Stattdessen prüfte das Unternehmen nach damaligem Stand eine private Finanzierungsrunde.
Was das für Anleger bedeutet
Die Berichterstattung verdeutlicht, dass die regulatorische Aufmerksamkeit für die führenden KI-Labore weiter zunimmt. Für Anleger ist relevant, dass sowohl Anthropic als auch OpenAI den Gang an die Börse angestrebt haben – ein Schritt, der durch wachsende behördliche Prüfungen an Komplexität gewinnen kann. Regulatorische Untersuchungen können Börsengänge verzögern oder mit Auflagen verbinden.
Bislang liegen jedoch keine Informationen darüber vor, welche konkreten Konsequenzen die FTC-Untersuchung haben könnte. Der Bericht nennt weder mögliche Bußgelder noch Fristen oder Sanktionen. Anleger sollten die weitere Berichterstattung daher eng verfolgen, ohne voreilige Schlüsse zu ziehen.
Zu beachten ist auch, dass Reuters den Bericht der New York Post nicht unabhängig verifizieren konnte und sich die FTC nicht geäußert hat. Die Informationen sind bislang unbestätigt und beruhen auf Angaben von Regierungsbeamten.
Ausblick
Konkrete Termine nennt der Bericht nicht. Offen bleibt, wann die FTC die angekündigten formellen Aufforderungen tatsächlich zustellt und wie die betroffenen Unternehmen darauf reagieren. Auch die FTC hat sich bislang nicht zu dem Vorgang geäußert.
Aus den früheren Berichten von aktien.news ergibt sich ein weiterer zeitlicher Bezugspunkt: OpenAI hatte ursprünglich einen Börsengang im Herbst ins Auge gefasst, während CEO Sam Altman einen IPO vor 2027 als unwahrscheinlich bezeichnete. Ob und wann die Kapitalmarktpläne der KI-Labore umgesetzt werden, bleibt somit weiterhin offen. Neue belastbare Angaben zu Umfang, Bedingungen oder Bewertungen der möglichen Börsengänge liegen aktuell nicht vor.
Kurz erklärt
- Subpoena: Eine behördliche oder gerichtliche Anordnung, mit der eine Person oder ein Unternehmen zur Herausgabe von Dokumenten und Informationen verpflichtet wird.
- FTC: Die Federal Trade Commission ist die US-amerikanische Bundesbehörde für Wettbewerbs- und Verbraucherschutzfragen.
- Börsengang (IPO): Der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse, mit dem Kapital von öffentlichen Investoren aufgenommen wird.
- Acqui-Hire: Eine Übernahme, bei der ein Unternehmen vor allem das Personal und Know-how eines Start-ups erwirbt, nicht dessen Geschäftsbetrieb.
