KI-IPOs drohen Liquiditätsengpässe für bestehende Tech-Werte
KI-Börsengänge könnten kurzfristig Liquidität aus bestehenden Tech-Werten abziehen

Potenzielle Börsengänge von KI-Unternehmen wie DeepSeek und Anthropic könnten kurzfristig zu Liquiditätsengpässen für bereits börsennotierte KI-Aktien führen. Das berichtet Julia Pan, Analystin bei UOB Kay Hian, in einer aktuellen Marktnotiz. Die neuen IPOs könnten Investorengelder von bestehenden Börsennotierungen wie Z. AI abziehen, da Anleger ihre Wachstumsaussichten, Monetarisierungsstrategien und Bewertungen neu bewerten müssten.
Die Analystin sieht jedoch auch eine positive Kehrseite: Die kurzfristige Verwässerung könnte durch eine stärkere Bewertungswirkung dieser potenziellen Börsengänge ausgeglichen werden. Insbesondere der KI-Konzern Anthropic sorgt für Aufsehen. Das Unternehmen strebt laut Pan eine potenzielle Bewertung von bis zu zwei Billionen Dollar an – das entspricht etwa dem 20-fachen seiner geschätzten annualisierten Umsatzrate für das Jahr 2026.
Bewertungsvergleich als Gradmesser
Zum Vergleich: Der bereits börsennotierte KI-Konzern Z. AI wird derzeit mit rund dem 18-fachen seiner Umsatzrate bewertet. Ein erfolgreicher Börsengang von Anthropic zu der genannten Bewertung könnte laut Pan einen höheren Bewertungsmaßstab für den gesamten KI-Sektor setzen. Dies wiederum könnte eine breitere Neubewertung der Branche auslösen und bestehenden Börsennotierungen langfristig zugutekommen.
Die Analystin betont, dass die Marktteilnehmer die Entwicklungen genau beobachten sollten. Die Dynamik zwischen neuen und etablierten KI-Unternehmen werde in den kommenden Monaten ein entscheidender Faktor für die Kursentwicklung im Technologiesektor sein.
Japanische Aktienmärkte im Fokus
Parallel zu den KI-IPO-Spekulationen zeigen sich die japanischen Aktienmärkte am Freitagmorgen freundlich. Der Nikkei-Index legte im frühen Handel um 0,8 Prozent auf 64.646,49 Punkte zu. Treiber der positiven Entwicklung sind gesunkene Rohölpreise, nachdem die Sorgen über Lieferunterbrechungen aus dem Nahen Osten nachgelassen haben.
Besonders Chip-Aktien führen die Gewinnerliste an. Der Halbleiterausrüster Lasertec verzeichnete ein Plus von 5,3 Prozent, während der Chip-Tester-Hersteller Advantest um 3,9 Prozent zulegte. Die Anleger richten ihren Blick nun auf die anstehende Zinsentscheidung der Bank of Japan (BoJ) im Laufe des Freitags sowie auf die weitere Entwicklung im Iran-Konflikt.
Am Devisenmarkt notierte der Dollar bei 156,15 Yen, verglichen mit 155,58 Yen zum Handelsschluss am Donnerstag in Tokio. Die leichte Dollarstärke spiegelt die abwartende Haltung der Marktteilnehmer vor den wichtigen geldpolitischen Entscheidungen wider.
Fazit für Anleger
Die potenziellen KI-Börsengänge stellen für Anleger eine interessante Gemengelage dar. Einerseits droht kurzfristig eine Mittelabflüsse aus bestehenden KI-Werten, andererseits könnten hohe Bewertungen bei Neuemissionen den gesamten Sektor nach oben ziehen. Die Entwicklung bei Anthropic und DeepSeek wird daher in den kommenden Monaten genau zu verfolgen sein.
