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KI-Boom: IWF-Tagung sieht enormes Potenzial und globale Marktrisiken

Anthropic prognostiziert US-BIP von 44 Billionen Dollar bis 2030, während Citi vor globaler Volatilität im KI-Investitionszyklus warnt.

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KI-Boom: IWF-Tagung sieht enormes Potenzial und globale Marktrisiken

Bei der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Bangkok rückte die Künstliche Intelligenz (KI) in den Mittelpunkt der Diskussionen. Experten beleuchteten dort sowohl die langfristigen wirtschaftlichen Chancen der Technologie als auch die aktuellen Herausforderungen an den Kapitalmärkten. Die Debatte zeigt, wie weit die Erwartungen an KI inzwischen auseinandergehen.

Jack Clark, Mitbegründer des KI-Unternehmens Anthropic, betonte die rasante Beschleunigung der KI-Entwicklung. Laut einem internen Wirtschaftsmodell seines Unternehmens könnte die Technologie das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) bis 2030 auf 44 Billionen US-Dollar steigern. Das aktuelle Niveau liegt bei rund 30 Billionen US-Dollar. Clark räumte ein, dass diese Prognose zunächst „abwegig“ klingen mag, begründete sie jedoch mit der massiven Beschleunigung wissenschaftlicher Entdeckungen durch KI.

Ein solches Wachstum setze allerdings voraus, dass durch die Technologie völlig neue Industrien und Innovationen entstehen. Angesichts dieser transformativen Kraft forderte Clark eine internationale Zusammenarbeit, um „ungewöhnliche und ernsthafte Regeln“ für den Umgang mit dieser Technologie zu etablieren. Der Anthropic-Mitgründer positioniert sich damit für einen geordneten Rahmen, der mit dem Tempo der technologischen Entwicklung Schritt hält.

Citi: Hongkong bleibt für KI-Emittenten gefragt

Parallel dazu analysierte die Citigroup die Lage am chinesischen Markt für KI-Börsengänge (IPOs). Simon Yuan, Leiter des China-Investmentbankings bei Citi, stellte fest, dass die Nachfrage nach Börsengängen chinesischer KI-Zulieferer in Hongkong trotz wachsender Bewertungsbedenken und einer erhöhten Investorenprüfung weiterhin robust bleibt. Der Markt in Hongkong profitiere dabei von einer ausgewogenen Mischung aus inländischen und internationalen Investoren sowie verstärkten Kapitalzuflüssen aus Festlandchina.

Chinesische Hardware-Hersteller profitieren nach Einschätzung von Citi von der globalen Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Einige von ihnen internationalisieren ihre Produktion teilweise, um geopolitische Risiken zu mindern. Yuan warnte jedoch vor einer globalen Korrektur: Sollte es zu einem signifikanten Abschwung im US-KI-Investitionszyklus kommen, wäre auch Hongkong nicht immun gegen eine weltweite Volatilität. Die enge Verzahnung der Kapitalmärkte lässt eine regionale Abschottung damit kaum zu.

Fokus verschiebt sich zu KI-Modellen und Software

Für das kommende Jahr erwartet Yuan eine Verschiebung des Fokus am Hongkonger Kapitalmarkt. Weg von reinen Hardware-Zulieferern hin zu chinesischen Entwicklern von KI-Modellen und Anwendungssoftware. Er betonte jedoch, dass künftige Emittenten zunehmend nachhaltige Geschäftsmodelle, starkes Umsatzwachstum und Rentabilität nachweisen müssen, um Investoren zu überzeugen. Die Anforderungen an die Qualität der Geschäftsmodelle steigen also deutlich.

Die Widerstandsfähigkeit des Marktes wird durch die aktuellen IPO-Zahlen unterstrichen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 wurden in Hongkong 118 Unternehmen gelistet, die insgesamt 388 Milliarden Hongkong-Dollar einnahmen. Das entspricht rund 49,4 Milliarden US-Dollar und einem Anstieg von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dies verdeutlicht den anhaltenden Investorenhunger nach chinesischen Technologiewerten trotz der globalen Unsicherheit über die Bewertung von KI-Unternehmen.

Für deutsche Privatanleger sind die Aussagen aus Bangkok vor allem als Einordnung zu lesen. Auf der einen Seite stehen langfristige Wachstumsprognosen, die auf einer beschleunigten wissenschaftlichen Entwicklung basieren. Auf der anderen Seite mahnen die Analysten der Citigroup zur Vorsicht, weil die Bewertungen von KI-Unternehmen weltweit hinterfragt werden und ein Einbruch des US-Investitionszyklus Folgen für andere Märkte hätte. Beide Signale gehören zusammen: Das Potenzial der Technologie ist groß, die Kurse an den Kapitalmärkten reagieren jedoch empfindlich auf jede Veränderung der Investitionsbereitschaft.

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